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Vom 14. bis am 16. November fand in Zürich zum vierten Mal der Slow Food Market statt. Er überzeugte mit feinen Qualitätsprodukten aus dem In- und Ausland und war damit ein guter Botschafter für die Philosophie von Slow Food: gut, sauber und fair.
Beim Betreten der Messe Zürich am letzten Wochenende scheint der ganze Saal zu summen vom vielen Betrieb. Die Luft ist von Düften und angeregten Gesprächen erfüllt. Gesprächsfetzen von Fachsimpeleien über Olivenöl, Trüffel, Schnaps und Wurst schwappen herüber, junge und alte Leute wuseln von Stand zu Stand und Verkäuferinnen und Verkäufer preisen mit Inbrunst ihre Ware an: Willkommen am Slow Food Market, der am Wochenende vom 14. bis zum 16. November 2014 zum vierten Mal in Zürich stattfand. Schnouse und Schnöigge, also geniesserisch probieren wie ein Kind vom Weihnachtsguetzliteig, das konnten die Besucher und Besucherinnen allemal. Die Slow Food Messe, „Messe des guten Geschmacks“, bietet kleinen (und auch grösseren) LebensmittelproduzentInnen Gelegenheit, ihre Spezialitäten einem grossen Publikum anzubieten. Dabei wird berücksichtigt, dass die AnbieterInnen dem Konzept von Slow Food entsprechen.

Essen als politische Handlung

Ganz grundsätzlich und einfach ist das Slow-Food-Konzept „gut, sauber und fair“ – so soll Essen produziert, vertrieben und konsumiert werden. Slow Food wurde 1986 in Italien gegründet, „Slow Food“ als Gegenstück zu „Fast Food“: Ziele von Slow Food sind die Erhaltung der regionalen Küchen und die gezielte Unterstützung von lokaler Produktion. Lebensmittel sollen sorgfältig, sauber und achtsam verarbeitet werden; Schäden an Natur und Tier sind also nicht akzeptabel. Ganz allgemein geht es um den Respekt vor der Umwelt. Ganz wichtig für Slow Food ist es aber, nicht einfach die Moralkeule zu schwingen. Essen soll nicht nur gesund und respektvoll sein, sondern vor allem auch voller Genuss und Freude. Nach der Philosophie von Slow Food ist nämlich der Genuss umso grösser, je bewusster das Essen konsumiert wird. „Essen ist eine politische Handlung“, wie der Kochbuchautor und Aktivist Wam Kat mal gesagt hat.

Die Schweiz hat viel zu bieten

Am Slow Food Market ist diese Philosophie deutlich zu spüren. Die Schweizer Kleinbauernvereinigung, die sich für eine vielfältige, nachhaltige und bäuerliche Landwirtschaft in der Schweiz einsetzt, trifft hier auf kleine Produktionen und Kooperativen aus Italien, auf Mikrobrauereien aus der Innerschweiz oder auf einen kleinen Betrieb, der geräucherte Sandfelchen direkt aus dem Zürichsee verkauft. Plötzlich wird einem klar, wie viel die Schweizer Landwirtschaft und andere Schweizer Kleinbetriebe zu bieten haben. Pure&Tasty etwa verkauft wunderbar gereiften Schweizer Aceto Balsamico, verschiedene Gewürze, Senfs und Saucen, und, mein Favorit, St. Galler Glen Rine Whiskey aus Gerste und Rheintaler Ribelmais. Der lustige Mann von Städtlichäs, Willi Schmid, hat eine Fülle von Trüffelkäsen anzubieten, unter anderem ein unglaublich guter Büffelkäse, der mit schwarzem Trüffel gespickt ist. Die allerbesten Austern (gefangen am Tag zuvor!) sind bei einem holländischen Stand vom Verein Goede Vissers (=gute Fischer) zu kosten, wo auch der Schwatz mit den VerkäuferInnen zum grossen Spass wird. Bei der Auswahl von Weber Senf überzeugt vor allem der Schwarzbiersenf – hier wird bei der Herstellung Schwarzbier anstelle von Wasser verwendet. Und die Kleinbauervereinigung überrascht mich mit einem Schämpis aus Apfelmost.

Gut – und teuer

Und überall geht der Anspruch von Slow Food auf: Bewusstes Essen geht mit Genuss einher, die Produkte sind von hoher Qualität und gerade deshalb extrem fein. Natürlich schlägt sich das auch auf den Preis nieder – wer nur ein kleines Budget hat, kann sich von Slow-Food-Produkten nicht ernähren. Das ist schade, sollte doch Slow Food eine breite Bewegung in allen Schichten sein. Das Publikum am Markt ist denn auch vor allem aus dem Mittelstand und aufwärts. Heute, wo Bio in allen Supermärkten zu finden ist und Vegetarismus und Veganismus zum Lifestyle mutieren, wirkt die Slow-Food-Philosophie schon fast wie nichts Neues mehr. Nicht vergessen werden darf jedoch, dass 1986 Bioläden und der Hype um qualitative Produkte keineswegs so verbreitet waren wie heute. Dass das nun so ist, ist nicht zuletzt Initiativen wie Slow Food zu verdanken. Die Popularität des Slow Food Markets hat aber auch seine Kehrseite: Wer erst am Samstag- oder Sonntagnachmittag vorbeikommt, ist mit einer Horde degustier-, probier-, und kaufwütender Menschen konfrontiert, so dass das Schlendern nicht mehr wirklich entspannend ist.