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Humorvoll, gut gelaunt und trotz des grossen Erfolgs unglaublich bodenständig. Das sind nur einige Worte, die Schandmaul beschreiben. Die Münchner Band überzeuge am Freitagabend voll und ganz! Wo sonst bekommt man für läppische 45 Franken Eintritt eine über zweistündige Vorstellung und als ob das noch nicht reichen würde, machte Schandmaul auf ihrer Akustiktour die Vorband auch gleich selbst! Das Ganze in der Schüür in Luzern, welche immer wieder ein heimeliges Feeling aufkommen lässt.

Es regnet in Strömen, dicht gedrängt kuscheln sich die Fans vor der Schüür zusammen und versuchen ihre Eintrittskarte gegen einen neongelben Stempel einzutauschen. Drinnen ist es wohlig warm und gut gefüllt. Die kleine Garderobe gibt sich alle Mühe, die geduldige Kundschaft rasch zu bedienen und an der Bar bekommt man Getränke in Flasche, Gläsern oder Pappbechern, je nach dem, was grade noch so rumsteht. Irgendwie macht das alles nicht wirklich den Anschein eines organisierten Konzertsaals. Was jedoch nicht schlecht sein muss, denn so kommt eine fast schon familiäre Stimmung auf und die Schandmaul-Fans sind ja schon fast so etwas wie eine erweiterte, mittlerweile grössere Familie.

Das Vorprogramm startet pünktlich und ich vermisse es, kein Kind mehr zu sein. Trotzdem bringen mich die Pointen von Schandmäulchen zum Schmunzeln. Wer es nicht kennt: Schandmaul macht ihr Vorgramm dieses Mal selbst und spielt dabei Handpuppen, die ein abenteurliches Määrchen erleben. Das ganze wird musikalisch unterlegt und von den Bandmitgliedern mit verstellter Stimme gesprochen. Die Begeisterung war, trotzdem es alterstechnisch eigentlich die falsche Zielgruppe war, gross. Und in dem ein oder anderen brach dann das Kindliche in Form eines witzigen Zwischenrufes auch durch. Kindergartengetue herrschte jedoch in den hinteren Reihen, denn diese konnten partout ihre Mäuler nicht halten. So etwas von unhöflich und fehl am Platz! Wer sich während des Vorprogrammes langweilt, der kann sich ja auch im unteren Bereich aufhalten und dabei niemanden stören. Selbst nach mehrmaligen Auffordern der Band wurde weitergeplappert. Naja, ein paar schwarze Schafe gibt’s immer und weder die Band, noch die ersten Reihen, die gespannt an den Lippen der Geschichtenerzähler hingen, liessen sich davon die Laune verderben.

Nach einer guten Dreiviertelstunde verliessen Schandmaul die Bühne um sich kurz umzuziehen. Danach folgte ein fantastisches Akustik-Konzert mit Klassikern wie Dein Anblick oder Herren der Winde aber auch Liedern wie Sonnenstrahl, welches mit tosendem Beifall vom Publikum unterstützt wurde. Zwischendurch geschmückt mit witzigen Ansagen oder Bemerkungen, wie die blauen Adidas Schuhe von Thomas (Sänger), die überhaupt nicht zum Anzug passten, er jedoch die richtigen Schuhe leider vergessen hatte. Auch offenbarte uns Schandmaul, dass sie das Lied Wandersmann nie einüben dürfen und eine Wette am Laufen haben, wer sich öfters verspielt bzw. den Text vergisst. Das ganze Konzert über wurde selbständig mitgesungen und mitgeklatscht, weiter hinten bildete sich einen Tanz- und Hüpfkreis, in der Mitte wurde fleissig mitgewippt und selbst die Tratschtanten und Onkel verstummten im Verlaufe des Abends und genossen die Musik. Die Lieder waren durchgängig etwas ruhiger gewählt als bei einem normalen Schandmaulkonzert, aber das passte wunderbar zu der Akustikstimmung.

Durch die tiefgelegene Bühne war Schandmaul den ganzen Abend über zum Greifen nah. Auch bestand keine Absperrung und wenn man wollte hätte man locker auf die Bühne klettern können. Natürlich hat das keiner getan, aber es war trotzdem schön, die Band so Hautnahe zu erleben. Die eher kleine Bühne wirkte fast etwas überladen und die Schüür war zum Bersten voll mit Leuten, jedoch schaffte es Schandmaul trotzdem eine unglaublich lockere Stimmung mitzubringen. Man fühlte sich, als wäre man zu Kumpels eingeladen, die grad eine Band gründen und dir persönlich jetzt die Hauptprobe vorführen. Mit einigen Versprechern, Lachern und kleinen Pannen, aber dennoch professionell und grossartig! Eine gelungene Mischung, die ausnahmslos jeden an diesem Abend zu überzeugen vermochte.