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Eine Kampfansage an Rassisten, Fremdenfeinde und Arschlöcher.

arschlochMüssen wir das Sozialamt der Welt spielen? Ja, solange wir Shirts für zehn Franken tragen. Ja, solange unsere Banken das Geld von Despoten verwahrt. Ja, solange wir Kriegsmaterial exportieren.

Tausende Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten ziehen von Griechenland über Mazedonien nach Norden, auf ein friedliches Leben hoffend. Ihr Hab und Gut haben sie in den zerbombten Ländern zurückgelassen. Sie reisen zu Fuss, in überfüllten Zügen – Betagte, Eltern, Kinder.

Und wir Europäer, wir aus dem Westen, die sich immer für eine «bessere Welt» einsetzen? Wir, die jubelten, als der Arabische Frühling von einem Land aufs Nächste übersprang? Wir, die noch vor gar nicht langer Zeit die Welt kolonialisierten und noch immer ausbeuten?

Wir sitzen in den warmen Stuben, beobachten Aktienkurse und schimpfen über Scheinasylanten, Sozialschmarotzer, Islamisten und Wirtschaftsflüchtlinge. Wir sind nicht nur der dumme Nazi-Mob, der Heime angreift, donnernd und idiotisch polternd durch die Strassen zieht. Wir sind alle, die nicht Nein sagen. Wir sind alle Schuld, wenn wir den braunen Dreck nicht von unseren Sohlen wischen.

Nationalismus ist die Strassenhure unter den Gefühlen: billig, muss fast jeden ranlassen, und wenn man nicht aufpasst, fängt man sich was Schlimmeres ein. In der letzten Zeit sind doch erstaunlich viele Menschen durch die Strassen spaziert und haben unverhohlen das Vakuum zwischen den Ohren zur Schau gestellt. Ich halte es für grundsätzlich gut, wenn man seiner politischen Meinung auf der Strasse Ausdruck verleiht, aber vielleicht zwei Minuten Ursachenforschung vorher wäre doch ganz nett. (…) Wer hinter Schildern herläuft, auf denen eindeutig rassistisches Gedankengut ausgedrückt wird, der darf sich auch nicht wundern, wenn er mit diesen Leuten in einen Topf geworden wird.Max Uthoff

Fremdenfeindlichkeit ist durch nichts zu rechtfertigen. Niemand wird als Rassist geboren, nur dazu erzogen. Niemand streitet, dass der Andrang der Flüchtlinge ein drängendes «Problem» ist. Wobei alleine der Begriff Problem völlig lächerlich ist, denn erstens tragen wir eine Mitschuld und zweitens sind es Menschen, die genauso ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben.

Dumme Argumente

Und wer jetzt palavert, dass viele Wirtschaftsflüchtlinge – etwa aus Eritrea – kommen, dem muss ich eine ernsthafte Weltfremdheit attestieren. Der seit Jahren dieselben Phrasen dreschende Christoph Blocher wurde ja mit offenen Armen in dieser ostafrikanischen Diktatur empfangen. Wer sich gegen Wirtschaftsflüchtlinge stellt, soll dann bitte auch gegen Nestlé, Glencore oder die Fifa – um nur einige Steueroptimierer zu nennen – auf die Strasse gehen. Das sind auch Wirtschaftsflüchtlinge, nur haben die Milliarden und sind nicht auf «besorgte Bürger» (lese: Xenophobe) angewiesen.

Noch dämlicher ist die Forderung, die umliegenden Staaten im Nahen Osten oder der Arabischen Halbinsel sollen die Flüchtlinge aufnehmen. Ernsthaft?! Das sind eben jene Diktaturen, deren Geld wir gerne annehmen, denen wir eine Fussball-WM gönnen und in denen wir ein Selfie vor dem Burj Khalifa schiessen. Das sind Staaten, in denen keine Meinungsfreiheit herrscht, in denen Frauen nicht Autofahren dürfen. Und wir fordern tatsächlich mehr Menschlichkeit von denen ein als von unserer demokratischen Gesellschaft?

Wenn wir schon bei der Meinungsfreiheit sind. «Das wird man wohl noch sagen dürfen…» wurde bereits zum geflügelten Wort unter den Wir-sind-keine-Nazis-aber. Wie es um die Auslegung von Meinungsfreiheit und dem Recht auf Menschenwürde steht, schrieb Rechtsanwalt David Gibor bereits 2012 in der NZZ. Die Forderungen werden immer abstruser: Nur noch die, die mit dem Flugzeug kommen, werden aufgenommen. Oder der Bau von Auffangzentren in Nordafrika, etwa in Lybien, einem Land, das der die Bezeichnung Staat nur noch zynisch zugeordnet werden kann.

Wir müssen aufstehen

Die Globalisierung rückte uns alle näher zusammen und entfremdete uns gleichzeitig. Das Bewusstsein für einfachste Zusammenhänge ist uns abhanden gekommen. Wir haben die Orientierung verloren, auf die eine oder andere Weise. Das darf aber keine Ausrede zu sein, uns zu verschanzen, die Humanität zu bespucken und Rassisten als Randerscheinung abzutun.

Wir sind geboren, um frei zu sein.
Diese Angst vor allem Fremden sperrt uns ein.
Wir sind geboren, um frei zu sein.
Wir haben die Pflicht nicht zu vergessen.
Geschichte muss Geschichte bleiben.Betontod – «Geschichte»

Mir kommt das Kotzen wenn ich durch die Kommentare auf Online-Portalen oder Facebook scrolle. Die Angst vor Ächtung wurde so gering, dass diese Kreaturen ihren Bullshit bereits unter Klarnamen absondern. Dunkle Wolken brauen sich über Europa zusammen. In der Ukraine herrscht Krieg, Italien und Griechenland sind überfordert, Ungarn baut einen Zaun. Und die Politiker schweigen.

Wie Konstantin Wecker schon vor Jahren sagte: «Wir hätten nie gedacht, dass man sich vierzig Jahre später mit einer neuen Generation von gehirnamputierten Faschisten herumschlagen muss.»

Verdammt, hat er Recht. Wir sind auf der Seite der Guten. Deshalb bleibt uns nur eins übrig: Aufstehen, rausgehen, Nein sagen! Es braucht den Aufstand der Gerechten.

Deshalb hier die Cover-Version von Weckers Sage Nein, gespielt von der Gothic-Rock-Band ASP, die dem Song nichts von seiner Bedrohung und Dringlichkeit genommen hat.