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Am 14. November besuchten Darkhaus und Letzte Instanz den Komplex Klub in Zürich. Vor dem Konzert traf sich unser Reporter Sacha Saxer mit Holly Loose zum Gespräch. 

Holly Loose im Gespräch (Foto: Christoph Gurtner)

Holly Loose im Gespräch (Foto: Christoph Gurtner)

Ihr nennt das neue Album den Beginn eines neuen Kapitels. Für mich hört es sich eher wie der Abschluss eines alten Kapitels an. Wie sieht das nächste Kapitel aus? In welche Richtung wird die Reise gehen?

Das wissen wir noch nicht so genau, für uns kristallisiert sich gerade heraus, dass «Im Auge des Sturms» tatsächlich eine Zäsur ist. Was ich mit Sicherheit sagen kann: Es ist noch nicht das Ende!

Viele der Songs handeln von Freiheit, dem Streben danach, dem Ausbruch aus Bestehendem. Woher kamen die Inspirationen dazu?

Sie schweben auf der Straße, tanzen vor meinem inneren Auge, Geschichten, die uns berühren und weiter erzählt werden wollen.

Letzte Instanz hat einige Personalwechsel durchgemacht, zuletzt hat Holger die Band Anfang dieses Jahres verlassen. Wie wirken sich solche Wechsel auf die Band und ihre Musik aus?

Im Großen und Ganzen geht es immer weiter. Da der Rest der verbliebenen Musiker ja immer noch an einem Strang zieht.

War guter Laune: Holly Loose (Foto: Christoph Gurtner)

War guter Laune: Holly Loose (Foto: Christoph Gurtner)

Eine Auswirkung war dein Beitritt zur Band. Dein Gesang ist doch sehr anders als jener von Sebastian. Eure Musik klingt nun wie eine gesungene Lesung. Wie groß ist der Einfluss deiner Tätigkeit als Buchautor darauf?

Klingt es so? Das höre ich zum ersten Mal! (lacht)

Nein, ich denke nicht, dass mein schriftstellerisches Schaffen etwas mit der Band zu tun hat. Selbst die Texte für die Band entstehen ja aus einem anderen Kontext heraus, als die Romane und Kinderbücher.

«Das weiße Buch des Jadefalken» ist ja auch schon ein paar Jahre alt. Bleibt neben Letzte Instanz überhaupt noch Zeit fürs Schreiben?

Aktuell gerade nicht wirklich, weil mit LI gerade sehr viel zu tun ist. Aber ich denke, im neuen Jahr werde ich sicherlich die langen Nächte dazu nutzen, um wieder etwas an meinen vielen Fragmenten zu arbeiten.

Du hast auch zwei Bücher herausgegeben, «Weiße Geschichten» und «Weiße Geschichten 2», hast Kinderbücher und einen Lyrikband geschrieben, daneben Musik mit Letzte Instanz. Sehr vielseitig. Was davon macht dir am meisten Spaß?

Das ist sehr tagesformabhängig.  Wenn wirklich mal Ruhe ist, sitze ich wirklich gern in meinem kleinen Kämmerlein und schreibe durch die Nacht. Genau so sehr liebe ich aber auch die Tourneen und Konzerte, egal ob Club oder Festival.

Für einmal konnte unser Reporter nicht vor der Kamera fliehen. (Foto: Christoph Gurtner)

Für einmal konnte unser Reporter nicht vor der Kamera fliehen. (Foto: Christoph Gurtner)

Ein paar Gedanken zur Schwarzen Szene. Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen der deutschen und der Schweizer Grufti-Szene?

Ich sehe überhaupt keine! (lacht)

Die Szene ist im ständigen Wandel. Als RTL II Bands wie Nightwish und Unheilig ins Rampenlicht gerückt hatte, erlebte sie einen großen Zuwachs. Was sind deine Gedanken aus der Sicht eines Musikers zu solchen Aktionen?

Sie öffnen die engen Kreise etwas und lassen neue Luft herein. Andere Strömungen vermischen sich mit den ach so schwarzen und Bösen und Neues wird geboren. Das sich irgendwann mal die Industrie dafür interessiert, war klar. Genauso klar ist auch, dass sie sich schnell wieder anderen Töpfen widmen wird, die wenig Arbeit machen…

Hat man von dem Zuwachs damals überhaupt groß etwas gemerkt? Mehr CD-Verkäufe, größere Konzerte?

Also an uns ging das vorbei!

Mittlerweile findet ein Gesundschrumpfen der Szene statt, gleichzeitig umfasst sie mehr Musikstile denn je. Dazu kommt die Spotify-Mentalität, dass Musik gratis zu sein hat. Das macht es gerade für Musiker im Gothicbereich nicht einfach. Welche Möglichkeiten siehst du, in Zukunft doch noch erfolgreich Musik machen zu können?

Das ist ein sehr zweischneidiges Schwert, dass Kultur ein Allgemein-Gut ist und bleibt, ist sicherlich wichtig und richtig, doch genauso wichtig ist, das die Kulturschaffenden für ihre Arbeit belohnt werden. Ruhm und Ehre machen da leider den Kühlschrank nicht voll. Um aktuell von der Musik leben zu können, arbeite ich zum Beispiel noch in einem kleinen Berliner Studio, welches Jingles und Soundtracks für Apps und Computerspiele komponiert. Die Summe der Einkünfte hält mich dann durch das Jahr über Wasser.

Guter Dinge vor dem Auftritt. (Foto: Christoph Gurtner)

Guter Dinge vor dem Auftritt. (Foto: Christoph Gurtner)

Und hier noch ein paar Fotos von unserem Gastfotografen Christoph Gurtner von den anschliessenden Auftritten von Darkhaus und Letzte Instanz.

Fotos: Christoph Gurtner