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Ein Bass, ein Schlagzeug und jede Menge Tequila. Das britische Rock-Duo Royal Blood feierte am Dienstagabend einen krachenden Tourabschluss in der Halle 622 mit jeder Menge Alkohol und einem ohrenbetäubenden Groovegewitter.

Royal Blood, ein aufsteigender Stern am Rock’n’Roll-Himmel. Kannte 2013 noch niemand das Power-Duo aus Brighton, so hatten die beiden 2015 schon ihre eigene Tour durch Europa und spielten sich in diesem Jahr durch die Crème de la Crème der Festivals: Glastonbury, Leeds & Reading, Austin City Limits, Montreux Jazz und ganz viele mehr.

In diesem Jahr mit neuer Scheibe How Did We Get So Dark, welches prompt Platz 1 der Best Album Charts der OCC im Vereinigten Königreich landete. Ein aufregendes Jahr mit aufregendem Abschluss, denn jenes aufstrebende Duo hat nun seinen Tourabschluss in der Halle 622.

What a tour. Truly biblical. Thank you so much 🙏🏻 📽 Joeseth Carter

Posted by Royal Blood on Dienstag, 12. Dezember 2017

Zürcher Power-Girl-Duo als Vorspeise

Der vorerst geplante Auftritt am Freitagabend, 3. November, sollte nicht sein: Royal Blood sassen krankheitsbedingt einige Stunden auf der Toilette. Nun folgt das Ausweichdatum, Dienstagabend, 19. Dezember. Als Ersatz für Black Honey durfte das Power-Girl Duo Ikan Hyu das Publikum aufheizen. Aber hallo. Zum Auftritt der Vorband ist die Halle bereits gefüllt. Die beiden Schweizerinnen punkteten mit ihrer spannenden Kombo von Rap, Rock, Pink Noise, was weiss ich schon? Die Gitarre, dreckig frech verzerrt, die Schlagzeug-Beats einfach, aber dafür mitreissend. Ein fesselnder Auftritt, nach 30 Minuten ist leider schon fertig.

…and the mob goes wild

Zeit für den Hauptgang, eine Wand von Gitarrenverstärkern und ein Schlagzeug mit Tiger-Emblem thronen auf der Bühne. Im Vorfeld dröhnt Iggy Pop und Queens Of The Stone Age über die Lautsprecher, meine Vorfreude kann sich kaum in Grenzen halten.

Unter Applaus betritt das Duo schliesslich die Bühne und Ben Thatcher lässt seine Kriegstrommeln für sich sprechen. Der verzerrte Bass stimmt zu Where Are You Now? ein und sofort beginnen sich alle Köpfe im Publikum zum mörderischen Takt mitzuwippen. Unwiderstehlich. Eine Zwei-Mann-Artillerie an Groove und Tightness. Durch den ersten Song halten sich die vorderen Reihen noch im Zaum, bei Lights Out beginnt das Moshen. Auch dies: unwiderstehlich. Schnell findet sich man sich im Getümmel, Schulter prescht an Schulter, während teuflische Blues-Licks die Trommelfelle durchkochen.

Tequila for the masses!

Bassgitarre, Schlagzeug und Spielfreude, was braucht man mehr für einen gelungenen Auftritt? Auf eine Lichtshow oder sonstige Spezialeffekte kann das Duo getrost verzichten. Vorne im Chaos hätte man es sowieso nicht zu schätzen gewusst. Lieber die Musik für sich sprechen lassen.

Und Tequila. So ein würdiger Tourabschluss wird natürlich auch auf der Bühne gefeiert. Immer wieder verteilt der Thatcher Tequila-Shots. Mit angereist sind auch zwei Backgroundsängerinnen, welche natürlich ebenfalls fleissig mittrinken dürfen. Wie einige glückliche Besucher in der ersten Reihe.

You Can Be So Cruel

Vorne geht derweil ordentlich die Post ab. Bier wird verschüttet, Haare wehen in alle Richtungen, man kracht ins Getümmel und Crowdsurfing wird zur Tagesordnung. Der Körper wird zum Spielball der Gezeiten. Die Band bietet einem keine Verschnaufpause: Wie eine Dampfwalze wird man Song für Song überrollt. Und dabei singt man so ziemlich alles mit: Lyrics, Bassriffs und auch Schlagzeugübergänge. Dafür bieten sich die Songs von Royal Blood wahrlich an. Ihre Tracks eher kurz, dafür eingängig. Jede Bewegung sitzt, jeder Schlag tight. 13 Songs und eine knappe Stunde später zieht sich die Band vor der Zugabe kurz zurück. Der Bass liegt am Boden und das surrende Feedback trällert weiter vor sich hin.

Out Of The Black

Das Publikum fleht um Zugabe. Was natürlich fehlt: Out Of The Black. Ihr Überhit als letzte Ekstase. Unter Jubel kehrt Mike Kerr zurück und animiert zur Wall of Death. Ben Thatcher zählt ein, man singt jeden Ton mit, ehe man sich ins Durcheinander stürzt. Vor dem Interlude malträtiert Kerr seine Bassgitarre und Thatcher nimmt sein obligates Bad in der Menge, ehe zum letzten Mal ein Groovegewitter über Zürich niederprasselt. Rockstars eben.

Nach 80 Minuten ist das Unwetter vorübergezogen. Hinterlassen wird mindestens ein taubes Ohr, ein Brummschädel, ein paar blaue Flecken und klebrige Schuhe. Die Ruhe nach dem Sturm. Der Sturm selbst – ein unbezahlbares Gefühl. Etwa so, als würde man einen Mustang mit gekappten Bremsleitungen und mit drei Litern Whiskey als Geisterfahrer den Highway runterbrettern.

Wer sind The White Stripes nochmal?

Wer braucht schon Gitarren? Royal Blood zeigt auf, dass man gleich so gut mit zwei Instrumenten ebenso alles zu Grund und Boden rocken kann. Bass, Schlagzeug, Gesang. Das Wesentliche auf’s Härteste maximiert. Groovige Bassläufe mit dreckigem Sound, eingängige Lyrics und Melodien und dazu ein antreibendes Schlagzeug. Das Ergebnis: Kompromissloser Rock. Live eine Wucht. Wer die beiden noch nicht Live gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt.