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Das atmosphärische Live At Sunset Festival lud dieses Jahr seine Zuschauer zum 20. Mal ein. Der 9. Juli stand ganz im Zeichen des ursprünglichen Rocks. Wie die Riffs von ZZ Top beim Publikum angekommen sind…?

Nach der heissen Woche davor war ich ehrlich gesagt um den lauen Sommerabend letzten Donnerstag erfreut. Das Wetter passte also bereits wunderbar zu einem Abend im Zeichen des Rocks. Die Stimmung war locker, das Publikum (nicht anders zu erwarten) grau meliert, die Getränke kühl. Nachdem ich einige schiefe Blicke zugeworfen bekommen hatte – ich muss gestehen, mein Outfit war mehr Pop als Rock – schlängelte ich mich auf meinen Sitzplatz. Das Konzertgelände war an diesem Abend fast komplett belegt.

Als Vorband trat die Ben Miller Band auf. Das Trio aus Joplin, Missouri versprühte mit ihrer Mischung aus Blues, Folk und Country einen Hauch von Südstaaten-Flair über den Zürichberg. Nebst dem Banjo wurde auch auf elektrischen Löffeln, einem Waschbrett, einem Waschzuber und einer Mandoline gespielt. Die Kombination mit Alltagsgegenständen hörte sich verdammt gut an! Ich ertappte mich, wie ich dazu mittanzte und mein Musikgeschmack sich um ein Genre erweiterte. Die Zuschauer waren grössenteils noch in der Catering-Zone, um sich ihre Bäuche voll zu schlagen. Deren Problem – sie haben nämlich echt was verpasst! Nach etwa 40 Minuten verliessen die drei die Bühne. Ich war nun umso mehr Gespannt auf die 66 jährigen ZZ Top-Männer aus Texas.

80er-Jahre Feeling…

Die 20-minütige Pause vorüber, die Plätze gefüllter als vorhin bei der Ben Miller Band, die Sonne ging langsam unter; es konnte also los gehen! Der schlaksige Billy Gibbons und der stämmigere Dusty Hill betraten die Bühne, dich gefolgt von ihrem Drummer Frank Beard. Applaus ertönte, die Gesichter erröteten, die Augen wurden glänzend. Man konnte den Zuschauern die Freude über den Anblick ihrer Jugendmusiker ansehen – noch einmal in die 70er und 80er zurück versetzt werden, mit gutem alten Bluesrock, gemischt mit dem nötigen Hard Rock Anteil. Ziemlich schnell wurde klar: Der Abend lebt von den Klassikern Gimme All Your Lovin , La Grange oder Tush. Auf den Sitzplätzen wurde eifrig mitgewippt, zeitweise geklatscht, aufgestanden jedoch selten. Bei den Stehplätzen war die Stimmung ausgelassener – ein Mann fiel mir ins Auge, er ging zu jedem Song ab, klatschte und tanzte was das Zeug hergab. Der Drummer Frank Beard hatte ein riesiges Set an Becken, Toms, Snare und Base Drums bereitgestellt; von allem zwei, somit konnte man ihn kaum sehen. Dafür war die Schlagzeug-Wucht gegen das Publikum umso grösser und der Showeffekt konnte dadurch verdoppelt werden. Die Gitarrenriffs der bärtigen Musiker waren gewohnt gut und harmonisch. Man konnte den beiden ansehen, dass sie seit 46 Jahren miteinander auftreten – die Bewegungen waren stets synchron, die Showeinlagen abgestimmt, die Pausen dazwischen durchdacht. Nebst ihren «Tanzeinlagen» auf der Bühne wurden im Hintergrund auf zwei Screens die dazugehörigen Videoclips aufgezeigt. Toupierte Haare, enge Röhrenjeans und kurze Röcke – das 80er Jahre Feeling kam somit nicht zu kurz.

…mit Plüschgitarren

Die Stimmung war nach den ersten Songs abgeflaut, das Publikum horchte weniger, zeitweise erschien es mir so, als ob sie abwarteten bis es zu Ende ist. ZZ Top war das schlichtweg egal – sie hatten ihr Programm und leisteten vollen Einsatz. Gegen den Schluss tauschten sie die Gitarren aus – es gab stattdessen Plüschgitarren. Gekreische, Getobe, Gehüpfe! Wieso zum Teufel rasten die Leute ab den Plüschgitarren derart aus? Vielleicht bin ich noch zu jung dafür und die Gitarren werden mit speziellen Geschichten verknüpft. Vielleicht auch nicht. Zwischendurch wurde ein Song von Jimi Hendrix gespielt – Gibbons frühere Band The Moving Sidewalks spielte bei Jimi Hendrix‘ erster US-Tour als Vorband. Die Gruppe hatte in den 80er Jahren eine Synthi-Phase, welche am Konzert gänzlich ausgelassen wurde. Von einem eingefleischten Fan erfuhr ich, dass dies einer der besten Auftritte seit langem gewesen sei. Nun dann; er muss es wohl wissen! Mich erstaunten – nebst der Fitness der drei – die Lichter. Sie wirkten derart klar und intensiv, dass ich bei der Firma AudioRent Clair AG vor Ort nachfragte. Es handle sich hierbei um neue LED Lichter, welche eine um ein vielfaches längere Lebensdauer haben. Okay, jetzt weiss ich es. Nach gut 1.5 Stunden ging die Show zu Ende – das Zürcher Publikum schien nun endlich erwacht zu sein. Sie verlangten Zugabe. Ein Wunsch, welcher selbstverständlich erfüllt wurde. Mein Fazit zum Konzert? Ich bin froh, dass ich ZZ Top einmal live miterleben durfte, bin mir aber sicher, dass das Live At Sunset nicht die richtige Location dafür ist. Es ist ein wunderschöner Ort – zweifelsohne – aber ZZ Top ruft nach deftigeren Orten.