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Liam Gallagher macht auf solo, klingt aber wie Oasis. Das zeigte das ausverkaufte Konzert im X-Tra in Zürich.

Strobolichter zucken über die Bühne. Ein treibender Beat klingt aus den Boxen. Fuckin‘ in the Bushes? Hier? Vorm Liam-Gallagher-Gig? Der Song, der durch den Streifen Snatch bekannt wurde und vom Oasis-Album Standing on the Shoulders of Giants stammt, diente jeweils als Intro zu den Konzerten der legendären Britpopper aus Manchester. Aber das hier ist nicht Oasis.

Oder doch? Liam, der nicht gerade als kreative Treibkraft der Brüderband galt, macht hier ziemlich hart auf Oasis. Auf der Bühne hängt ein Plakat mit der Aufschrift «Rock’n’Roll». Und die Band hinter Liam donnert den ersten Song auf die Bühne, im Oasis-Stil, aus dem Oasis-Repertoire: Rock’n’Roll-Star.

Kleiner Flashback. Liams Bruder Noel, Komponist der meisten Oasis-Hits, hat irgendwann letztes Jahr unter dem Namen Noel Gallagher’s High Flyin‘ Birds eine neue Platte veröffentlicht, die Liam gelinde gesagt beschissen findet. Zu viel Elektro-Shit sei da drauf. Und der Bandname: Prätentiös. Das sagte Liam in mehr als einem Interview. Er hingegen stehe für geradlinigen Rock’n’Roll. Direkt ins Gesicht. Also wie Oasis einst.

Liams erstes echtes Solo-Album ist genau das, was er versprach. Und das klingt nun mal wie Oasis. Und ja: Die Songs sind geil. Wall of Glass etwa: Der knallige Britrock-Refrain im rauen Bluesrock-Kleid. Oder das balladeske Universal Gleam, das eine Sixpence-Alternative-Gitarre und Liams Hooligan-Organ kombiniert. Das ist gut komponierter Stoff.

Liam der bessere Oasis als Noel

Die Realität ist, dass Liam im X-Tra in Zürich zu 50 Prozent Oasis-Songs spielt, und man den Unterschied zwischen ihnen und den eigenen Songs nicht wirklich feststellt. Wer Oasis nachtrauert, ist an einem Liam-Konzert also besser aufgehoben als an einem von Noel, auch wenn der das einstige Bandrepertoire genauso rigoros bemüht.

Liam spielt auch Wonderwall – im Wissen darum, dass sein Bruder den Song hasst. Dass er den Publikumsliebling ins Repertoire nimmt, ist fast schon eine Charme-Offensive. Er spielt aber auch Klassiker wie Morning Glory oder Live Forever und die Halle johlt mit. Glückliche Gesichter also, wäre da nicht die kurze Konzertdauer: Nach 60 Minuten ist der offizielle Teil der Show durch. Und nach zwei Zugaben ist ganz Schluss.

Kein Rockstar

Ist Liam jetzt Oasis? Und ist er ein Rockstar? Es bleiben Restbedenken. Da steht er in seiner gelben Pelerine. Immer dieselbe Pose, bananenartig zum Mikro geneigt, die Hände an der Seite oder hinter dem Rücken. Und in der Rechten hält er zwei Rasseln. Mit denen tut er praktisch nichts. Und wenn, dann im falschen Moment und im falschen Rhythmus. Ist an sich nicht weiter schlimm, da sie ohnehin nicht verstärkt sind – also hört man sie nicht.

Aber was sollen diese Rasseln? Lächerliche Deko, Rock’n’Roll ad absurdum geführt. Sie könnten genauso gut durch eine Triangel ersetzt werden. Kann der Mann nicht Gitarre spielen, wenigstens? Und falls nein, wie komponiert er dann seine Songs?

Vielleicht kann man Liam die beiden Kinderrasseln als Selbstironie auslegen. Vielleicht will er das Rockstar-Bild, das er da grosskotzig von sich zeichnet, gleich selbst wieder demontieren. Das hätte gar Stil. Aber so subtil ist Liam nicht. Viel näher liegt die Annahme, dass der Mann sich an etwas festhalten muss. Mag sein, dass das Küchentischpsychologie ist. Aber allein schon die nicht vorhandene Diversität seiner Rockstarposen zeigt, dass er offenbar nicht weiss, was er mit sich selbst auf der Bühne anstellen soll.

Deshalb also wohl die Rasseln. Sie machen das Raubein zum Schuljungen. Und das, offen gestanden, ist gar nicht mal so unsympathisch. Wenn da nicht der Kontrast zu seiner grossen Klappe wäre.