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Go Go Berlin zeigen sich im Eldorado von ihrer besten Seite: jung, wild und perfektionistisch. Gut durchdachte Lyrics zu ausgefeilter Musik, passende Outfits und unglaublich viel Energie. Go Go Berlin bewiesen, warum sie sehr wohl mit den Rolling Stones verglichen werden können, ohne dabei ihren eigenen Stil zu verraten.

Christian Vium’s Kleider sind hauteng und nach zehn Minuten von Schweiss durchtränkt. „Ich kann euch nicht hören, ich hab so viel Schweiss im Ohr“, ruft er, während er seine blonde Mähne schüttelt, um sie zu trocknen. Kein Problem, dann schreit das Publikum eben doppelt so laut. Gar „slippery“ fühlt sich Gitarrist Mikkel, und wie er und der Sänger sich über den Ausdruck amüsieren können („Any slippery girls in here, tonight?“) erinnert glatt daran, dass diese erfahrenen Musiker doch noch sehr, sehr jung sind.

Alles andere als panisch

Als Manolo Panic pünktlich 20 Uhr den Abend vor knapp zwanzig Leuten eröffnen, braucht man keineswegs Mitleid mit ihnen zu haben. Sie stehen so souverän und gelassen wie eh und je auf der Bühne und erinnern uns daran, dass man gute Musik in der Schweiz zu Hauf finden kann. Nach den ersten zwei Songs hat sich das Publikum dann auch schon etwas mehr in Richtung Bühne verschoben, von Minute zu Minute werden die Leute mehr und die Songs besser.

„60-ish“

Go Go Berlin lässt an diesem Abend keine Hoffnung unerfüllt. Mit Charme und überraschend gutem Körpergefühl umgarnt Vium das Publikum, Bassist Emil Rothmann sendet alle paar Minuten ein liebenswürdiges Lächeln in die Menge. Die Jungs sind sich bewusst, dass nicht nur die gute Musik und ergreifenden Texte, sondern auch ihr Gesamtbild die Leute durchaus beeindruckt. Und das zu Recht: an diesem Abend wird klar, weshalb Go Go Berlin skeptisch reagieren, wenn man sie auf ihre Ähnlichkeit zu anderen Bands hinweist; auf der anderen Seite legitimieren sie aber den Hang mehrerer Journalisten dazu, sie auf eine Stufe mit Bands wie Oasis oder Led Zeppelin, vielleicht gar den Rolling Stones zu stellen. Natürlich sind sie da noch nicht; aber sie sind auf bestem Weg dazu, hinzukommen. Wie es Mikkel im Interview ausdrückt: „Klar mag ich es, wenn die Leute sagen, die Musik klingt 60-ish, denn das war eine gute Zeit für die Musik. Aber es soll nicht heissen, dass unsere Musik klingt, als käme sie aus dieser Zeit, denn der Bezug zur Gegenwart ist uns in unserer Musik sehr wichtig.“

Die Kunst des perfekten Auftritts

Dagegen hat wohl auch niemand etwas einzuwenden. Doch was an den jungen Männern diese Erinnerungen an „früher“ wach werden lässt, ist gar nicht nur die Musik; es ist, wie gesagt, alles, vom Anfang bis zum Ende, von oben bis unten und aussen bis innen. Go Go Berlin sind selbst, genau wie die Show, die sie bieten, ein Gesamtkunstwerk. Sie überlassen nichts dem Zufall. Und obwohl man merkt, wie leidenschaftlich sie sind und wie viel Spass ihnen die Musik macht, so ist es doch ihre erste Priorität, dem Publikum etwas durch und durch Gutes zu präsentieren. Die angestrebte Ästhetik und musikalische Perfektion ist aus allem herauszulesen: aus den Outfits, der Länge der Pausen zwischen und inmitten der Songs, dem Hüftschwung, der Ausnutzung der Bühne. Dabei wird auch nicht das Album von A bis Z durchgespielt, Texte werden leicht abgeändert, und der Auftritt ist so in sich abgeschlossen, dass es keine Zugabe gibt und braucht. Das ist Kunst.

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