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Rock the Ring 2017: Heiter bis wolkig

Das Rock The Ring 2017 ist schon wieder Geschichte. Was bleibt in Erinnerung vom Festival auf dem Autobahnkreisel?

Das Festival: Auf dem Autobahnkreisel in Hinwil liess es sich vom 23. bis 25. Juni 2017 definitiv gut feiern. Durch die relativ abgelegene Location ist man wirklich auf dem Gelände und muss nicht durchs Dorf laufen. Andererseits ist man somit auch abhängig von der Infrastruktur, die vorhanden ist. Die Preise waren im Gegensatz dazu, was man sonst so sieht, wirklich sehr moderat. Die Verpflegungsstände waren qualitativ gut ausgewählt; es war für jeden etwas dabei.

Das Konzertgelände selber bestach durch viele Orte, an denen die Besucher es sich gemütlich machen konnten. Ob auf der Wiese oder den etwas höher gelegenen Punkten: stets war die Sicht auf die Bühne möglich. Das Wetter spielte bis auf ein paar kleine Regengüsse mit und es musste niemand mit den Gummistiefeln aufwarten. Soweit ein gelungenes Festival.

Rund 24 000 Besucher konnte das Rock The Ring dieses Jahr verbuchen, was dem Ziel entspricht, das man sich seitens der Organisation gesetzt hat. Der Samstag punktete mit über 11 000 verkauften Tickets weit vor den anderen beiden Tagen. Grosse Zwischenfälle gab es nicht, die Sanität wie auch die Security hatten mehrheitlich mit Menschen zu tun, die aufgrund der Hitze Hilfe in Anspruch nehmen mussten.

Das ewige Thema «Golden Circle» minderte offensichtlich die Stimmung. Da dieser zu Beginn noch nicht gefüllt war, wollte bei den Bands, die im Line-Up ganz am Anfang spielten, nicht so richtig Stimmung aufkommen. Seitens des Veranstalters wird der Golden Circle immer der Anzahl verkaufter Tickets angepasst, dass dieser an jedem Abend auch gut gefüllt ist. Der Preisunterschied von 30 Franken ist nicht enorm, somit kann es dafür maximal für die fehlende Stimmung Minuspunkte geben.

Einziger Wermutstropfen war die liebe Technik. Es gab fast keine Band, die nicht mit der Technik gekämpft hat. So knallte es doch das ein oder andere Mal in die Ohren oder die Mikros waren nicht offen zu Beginn der Show.

Der Freitag

Wer sich gerne dem Mainstream hingibt, der war am Freitag sehr gut bedient. Eine erstaunliche Präsenz legte Nemo an den Tag, der das Festival eröffnete. Gute Laune und eine überraschende Diversität legte der 17-Jährige an den Tag, mit der er den ein oder anderen überraschte. Es war ein Schwanken zwischen «Jö, isch de härzig» und «Wow, superprofessionell». Aus dem Konzept kam der junge Mann, als ein Schild hochgehalten wurde mit den Worten «Willst du mit mir gehen?» Eine leichte Röte war unumgänglich, aber entscheiden konnte sich Nemo dann doch nicht so schnell.

Voller Energie starteten Dabu Fantastic in ihren Slot, der mit der Melodie von Sidos Bilder im Kopf begann. Sie dichteten allerhand selber zusammen in diesen ersten Minuten und bezogen ihre ganze Umgebung von den Konzertfotografen bis zum Publikum, mit ein. Die 5-köpfige Band sprudelte vor Energie, welche ungefiltert vom Publikum aufgenommen wurde. Mit der Melodie von MFG der Fantastischen Vier. Allerdings wurde daraus MSG für «Mir Säged Grüezi», was sehr gut ankam. Das Sommer-Festival-Feeling war spürbar vorhanden.

Pegasus, Dauergäste bei fast allen Festivals, kämpften zu Beginn etwas mit der Technik, was sie aber professionell überspielen konnten. Enthusiastisch war die Menge spätestens dabei, als Fragments angestimmt wurde. Dass die Jacketts nach dem dritten Song den Weg zurück an die Garderobe fanden, war verständlich bei den sommerlichen Temperaturen.

Lo & Leduc – was soll ich sagen? Party on stage trifft es wohl am besten und härtesten. Die Stimmung war sommerlich aufgeheizt und liess viel Platz für Spass und gute Laune.

Der Headliner an diesem ersten Abend stand in Form der Fantastischen Vier auf der Bühne. Qualitativ wie immer top, aber so richtig in Fahrt wollten die Zuschauer nicht kommen. Woran das lag ist schwer zu sagen – eventuell aber daran, dass die Musikrichtung nach den Schweizer Acts nicht so gepasst hat.

Der Samstag

Mit QL startete der zweite Tag in Hinwil. Die Coverband machte gut Stimmung bei den Gästen, die schon da waren. Jedes Lied konnte mitgesungen werden. Crystal Ball gaben so richtig Gas und wurden vom Publikum, welches schnell zur Bühne strömte lautstark unterstützt.

Fiddlers Green kann man eigentlich nur lieben. Das Pub-Feeling kam schneller, als ein Bier besorgt war über die Zuschauer. Sie spielten und liessen ihre Instrumente ein Gefühl von Leichtigkeit vermitteln.

Krokus und Gotthard waren die Abräumer des Abends. Noch vor dem Headliner Deep Purple schafften sie es, mit dem Publikum einen Bund zu schliessen, der über beide Konzerte anhielt. Gotthard lieferten Rock-Feeling vom Allerfeinsten – entsprechend wurde vor der Bühne gefeiert.

Deep Purple wurden heiss ersehnt – und lieferten bedingt. Insgesamt war das Konzert etwas lahm. Die langen Solo-Phasen waren zwar schön zu geniessen, aber so richtig aufkochen wollte die Stimmung auch hier nicht. Allein mit dem Namen ist es heutzutage nicht mehr getan. Die 1968 gegründete Band ist mit dem neuen Album Infinite auf Tour. Handwerklich lässt sich nichts bemängeln, aber so richtig agil war die Sicht auf die Bühne dann doch nicht.

Der Sonntag

Toni Vescoli & Co. hatten leider einen etwas unglücklichen Start, da sie etwas früher beginnen mussten. Somit begann das Konzert mit Einlass der Zuschauer, was der Stimmung nicht gerade zuträglich war. Dafür konnte Danko Jones so richtig loslegen. Die Kanadier liessen keine Gelegenheit aus, das Publikum mit einzubeziehen, was das Stimmungstief gleich wieder in ein Hoch verwandelte.

Black Star Rider bildeten einen gelungenen Übergang zum lange erwarteten Konzert von Bonnie Tyler. Es war schön zu sehen, dass diese Frau, die schon auf allen Bühnen der Welt stand ihr Handwerk einfach im Griff hat. Es verging keine Minute, in der sie das Publikum nicht animierte, Witzchen riss oder einfach mit ihrer immer noch unfassbar rockigen Stimme verzauberte. Die grossen Hits fanden ihren Weg zurück in die Herzen der Anwesenden. Alles wurde mitgesungen und Bonnie stand sogar noch ein zweites Mal mit John Fogerty auf der Bühne.

Cheap Trick wurde es von der Menge etwas schwer gemacht. Der Sound war nicht besonders und plätscherte einfach so nebenher während das Publikum auf John Fogerty wartete.

Dieser liess sich ordentlich Zeit. Dem Publikum wurde eine etwa 15-minütige Geschichtsstunde erteilt – die Stationen, die John schon durchlaufen hat, waren schon faszinierend, aber für das wartende Publikum war es doch etwas zu viel. John Fogerty wäre aber nicht John Fogerty, wenn er die Fans nicht eben so schnell wieder bei sich hatte, als er dann endlich auf der Bühne stand. Ein würdiger Abschluss für das Rock The Ring.