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Reggae ruled dieses Wochenende – und das nicht nur wegen der Musik. Das Reeds Festival hat es geschafft, ein Stück Karibik in die Schweiz zu bringen. Das Festival wurde auch dieses Jahr trotz finanziellen Schwierigkeiten mit ganz viel Liebe fürs Detail organisiert und steht den grösseren Festivals der Schweiz in nichts nach: Eine grandiose Atmosphäre am See, kulinarische Köstlichkeiten, Marktstände, mehr als ausreichend sanitäre Anlagen und ganz viele Überraschungen.

Wer am diesjährigen Reeds Festival am Sonntag noch mit dabei gewesen ist, der konnte sich endlich etwas lang Ersehntes holen: Einen Sonnenbrand! Klingt komisch, ist aber so. Die Organisatoren und Besucher mussten nach mehrjährigem Wetterpech länger auf die Sonne warten. Et voilà, mit dem Sonntag kam sie auch und mit ihr zahlreiche gutgelaunte Besucher. Das Regenwetter vom Freitag und Samstag tat der Laune der wenig tapferen Festivalgänger aber gar nichts ab. Wieso auch? Die tropische, fröhliche Musik und das familiäre Ambiente am Reeds bringen die Sonne ins Herz. Wer sich also überwunden hatte, der wurde zwar nass aber auch belohnt. Die Spuren in der Wiese verrieten, dass an den Tagen zuvor wild gehüpft und getanzt wurde. Es ist  alles nur Einstellungssache.

Eine gute Einstellung haben die Organisatoren des Reeds auf jeden Fall. Das siebte Reeds stand ganz im Zeichen von You can get it if you really want, but you must try, try and try… Die Leute hinter den Kulissen haben es trotz finanziellen Schwierigkeiten nochmals versucht und alles daran gesetzt, das World Music Festival weiterleben zu lassen. Ob sie finanziell nach zwei Tagen Regen und einem Tag Sonnenschein besser dastehen, ist noch nicht bekannt. Auf ihrer Homepage gaben sie seit Beginn des Festivals auf einem “Thermometer“ bekannt, wie es aussieht. Die Hälfte des Defizites wurde immerhin schon eingefahren. Weitere Beiträge sind wohl weiterhin herzlich willkommen.

Gespendet wurde während dem Reeds Festival aber vor allem für das Trinkwasserprojekt in Mosambik: Viva con Auga. So konnte man seine Depot-Mehrwegbecher bei mehreren Helfern abgeben oder in die vorgesehen Behälter werfen. Das Reeds als eines der grossen Reggae Festivals der Schweiz ist genau wegen solchen Details ein sympathisches Konzept. Die Idee fürs Reeds entstand übrigens als Abschlussarbeit der Hotelfachschule Thun. Viele helle Köpfe am Werk, und so fehlt es an nichts, um als vollwertiges Festival durchgehen zu können. Neben – natürlich dem wichtigsten und dazu kommen wir gleich, der Musik – fanden diverse Shows und Workshops statt. So durften die Zuschauer afrikanische, afrokubanische Tanzeinlagen geniessen oder die akrobatisch geschickte Capoeira Truppe bewundern. Für Kinder stand ein Sandkasten zur Verfügung und wer es ganz gemütlich wollte, konnte unter den echten Palmen in den Hängematten chillen und den wunderschönen Ausblick auf den Pfäffikersee geniessen.

Nachdem am Freitag und Samstag das Festival vor allem in den Händen von Schweizer Reggaemusikmachern lag, standen am Sonntag nur internationale Acts auf dem Programm. Den Anfang durfte Africa Unite machen. Sie hatten einen wirklich harten Einstieg mit nur knapp 50 Leuten vor der Bühne. Die italienische Gruppe, welche bereits seit 1981 besteht, lockte aber immer mehr Zuschauer an und so schlossen sie schlussendlich mit rund 300 Leuten ihre Show. Die Deutsche Band Jamaram hatte dann im Vergleich leichtes Spiel, die bereits aufgewärmte Masse weiter in Schwingung zu halten. Mit ihrem Mix aus Reggae, Funk, Latin und Blues liessen sie die Zuschauer ausgelassen tanzen und Choreografien ausführen. Die einzig weibliche Frontsängerin Tanya Stephens überzeugte im Anschluss mit tiefsinnigen aber auch witzigen Ansagen und natürlich mit ihrer einmaligen Stimme. Was wohl allen männlichen Zuschauern in Erinnerung geblieben ist, wird die freche Ansage zum Song Boom Wuk über lange Dingdongs gewesen sein, welche sie ach so sehr liebt.

Wie so oft, das Beste und wohl Älteste zum Schluss. Mit seinen 64 Jahren Jimmy Cliff ist er einer der Urväter des Reggaes und hat es bis heute noch drauf.  Reggae hält vital, jung und fröhlich. Der von Freude und Energie sprühender Cliff tanzte und sprang auf der Bühne herum, als würde er sein Alter überhaupt nicht in den Knochen spüren. Seine Stimme ist klar reifer als in früheren Zeiten, aber dies ist durchaus positiv gemeint, denn sie blieb klar und kraftvoll übers ganze Konzert hinweg. Die Fans waren vom ersten Song bis zum letzten voll bei ihm. Ein wahrer Stimmungsgarant.

Für kurz bleibt uns nun noch der Sonnenbrand, aber hoffentlich für länger ein positives Feeling, Sonnenschein im Herzen und ganz viele schöne Erinnerungen ans diesjährige Reeds Festival. Wer noch nicht genug Reggae für dieses Jahr hatte, der darf sich auf das Reeds Indoor Festival im Zürcher Komplex am 3. November 2012 freuen. Die Informationen dazu folgen unter: Reeds.