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Das neunte Greenfield hatte für seine Besucher nicht nur in musikalischer Hinsicht alles zu bieten. Verwöhnt mit sommerlichen Temperaturen zauberte die reichlich vorhandene Sonne viel rote Farbe auf die freien Oberkörper, um sich dann mit Regen und Kälte die Klinke in die Hand zu geben. Genauso wie beim Wetter bot die musikalische Brandbreite Ohrenschmaus für jeden Geschmack. Mit über 27’000 Zuschauern wurde zudem ein neuer Besucherrekord aufgestellt. Ein klares Statement für ein gelungenes Festivalkonzept.

Eine Mischung aus Tarja Turunen und Lizzy Hale – Ist Floor Jansen Nightwish’s Zukunft? (Sacha Saxer)

Eine Mischung aus Tarja Turunen und Lizzy Hale – Ist Floor Jansen Nightwish’s Zukunft? (Sacha Saxer)

Gastbeitrag von Björn-Erik Thun

Während bei anderen Festivals mit der Darbietung der örtlichen Feuerwehr-Musikkapelle begonnen wird, versammeln sich beim Greenfield traditionell die ersten großen Publikumsmassen um den Klängen der Alphornbläser zu lauschen. Ausgelassene Stimmung und zahlreiche Forderungen nach Zugaben ließen den Festival-Start verheißungsvoll werden.

Donnerstag – heiß und kalt

Getreu Ihrem Motto «Wer tanzt, stirbt nicht» brachten bereits früh Saltatio Mortis mit ihrem dudelsack-schwerem Mittelalterrock die Tanzbeine in Bewegung, die sich in großer Anzahl vor der Mainstage eingefunden hatten. So war die Publikumsdichte bereits hoch genug, dass Alea der Bescheidene singend crowdsurfen konnte.

Wer den frühen Nachmittag traditionell zum Grillieren genutzt hatte, konnte… gestärkt und mit kühlen Getränken auf Betriebstemperatur gebracht – am frühen Abend mit Within Tempation einen Augenschmaus geniessen, bei dem Frontfrau Sharon den Adel nicht nur durch ihre bezaubernde Erscheinung, sondern auch mit Gesang und Show die Menge in ihren Bann zu ziehen vermochte.

Der erfahrene Festivalist hat sich direkt im Anschluss einen guten Platz vor der sich immer weiter füllenden Mainstage gesichert, denn es wartete einer der Hauptacts des Festivals auf: Queens Of The Stone Age waren mit neuem Album im Gepäck angereist. Während Sie mit ihren älteren Songs regelmässig den kleinen, aber feinen Moshpit befeuerten, hauten sie dem Publikum viele der ruhigeren, düster-klingenden Neuaufnahmen um die Ohren. Wer die Band gut kennt, weiß dass sie zu weit besseren Shows in der Lage sind, aber der frenetische Applaus zum Abschluss zeugte davon, dass sie den Geschmack ihrer Fans weiterhin getroffen haben.

Anschließend kam das, was sich auf einem Open-Air selten vermeiden lässt: Regen. Die Schleusen wurden geöffnet und fast schien es so, als wären die Naturgewalten darauf aus, sich ein Battle mit Rammsteins Pyro-Show zu liefern. Der Regen verlor das Duell und der Headliner präsentierte sich mit einer – fast schon gewohnt – bombastischen Bühnen- und Feuershow, an die keiner der anderen Acts des Festivals heranreichen konnte und die zumindest die vorderen Reihen wieder komplett trocken legte. Der wieder herrlich garstig aussehende Frontmann Till Lindemann versorgte das lechzende Publikum vor allem mit den Highlights aus den älteren Alben, was stimmungsmässig für grosse Furore sorgte.

Freitag – Let there be light

Der Freitag präsentierte sich erneut von seiner freundlichen Seite und die brennende Sonne ließ einen den nass-kalten Abschluss vom vorherigen Abend schnell vergessen. Auf der Mainstage begann der zweite Festivaltag ganz im Zeichen des Punk-Rock mit The Strapones aus Thun, sowie Itchy Poopzkid, die es ordentlich krachen ließen. Gerade die drei Jungs aus Eislingen, mittlerweile zum vierten Mal beim Greenfield, haben es geschafft, sehr früh den Bereich vor der Main Stage zu füllen, und das zu einer Zeit, in der sich die meisten noch mit der Regeneration vom Vortag beschäftigen. Trotz defektem Bass und kurzzeitigem Stromausfall eine gelungene Leistung.

Wer sich am Abend abseits der bekannten Punkrocklegenden NOFX oder den Metalgöttern Slayer bewegte, hatte die Chance auf der Club Stage eine eindrucksvolle Performance der selbsternannten Death Punker von Turbonegro zu erleben, die dort ihr Bestes gaben. Gewohnt schräge Outfits prägten das Bild auf der Bühne, während davor der Moshpit immer weiter eskalierte. Dort war auch die – unseres Wissens nach – einzige Wall of Death des Festivals zu «genießen», neben der mittlerweile schon fast traditionellen Wall of Death während den Alphornbläsern natürlich.

Zum krönenden Abschluss des Samstagabends fuhren The Prodigy ihre Geschütze auf und überfluteten die tanzwütige Menge mit Ihrem druckvollen Sound, als hätten sie ihre besten Zeiten erst vor sich, was bei vorherigen Konzerten leider oftmals anders war. Ein wahres Lichtgewitter illuminierte die Berge und animierte auch den letzten Headbanger zum Tanz.

Samstag – Grande finale

Schneller als man gucken konnte, war auch schon wieder der letzte Festivaltag eingekehrt. Doch er bot noch einmal die gesamte Palette der anwesenden Musikstile. Goth, Rock, Punk, Hardcore und Ska ließen geschmacklich keine Wünsche offen, so dass sich manch Festivalbesucher wohl gewünscht hatte, sich teilen zu können, um vor beiden Bühnen gleichzeitig anwesend zu sein.

Die sympathische Hamburger Truppe von Mono Inc. setzte am letzten Festivaltag die ersten wirklichen Akzente mit Ihrer soliden Dark Rock Performance. Die Akustikvariante von The Passenger sorgte für eine gelungene Abwechslung und zog das Publikum mit.

Wenig später liessen Bullet For My Valentine mit Ihrem kraftvollen Metalcore Sound die Bühne erbeben. Den Jungs aus England merkte man deutlich an, dass sie schon oft zusammen mit den Allergrößten auf fast allen Rock-Festivals dieses Planeten gespielt haben.

Noch wilder ging aber danach bei Airbourne zu. Mit der Reinkarnation AC/DC’s fegte ein australischer Zyklon über die Stage, dessen Power seines gleichen sucht. Erstaunlich wie  der Frontsänger Joel O’Keeffe Bierdosen nur mit seinem Kopf öffnen kann, zwar etwas schade um das Bier, aber auf jeden Fall eine gelungene Show. Definitiv der energiegeladenste Act des Festivals.

In diesem Tempo hätte es eigentlich weitergehen sollen, schliesslich stand mit SKA-P die nächste Partytruppe auf der Agenda, aber hier machte die Technik ein Strich durch die Rechnung. Lange passierte gar nichts, obwohl die Band bereit am Bühnenrand stand und auch die beginnenden Pfeifkonzerte konnten die unter Hochdruck arbeitenden Techniker nicht beschleunigen. Letztendlich kamen Sie aber doch noch zum Spielen, mussten sich aufgrund des gnadenlosen Timetables jedoch auf fünf Songs beschränken, in die sie dann ihre ganze Energie legten. Die Enttäuschung über den kurzen Auftritt war ihnen deutlich anzumerken.

Das große Finale des neunten Greenfield Festivals lieferten die finnischen Symphonic Metaller Nightwish, die mit pompöser Show glänzten, auch wenn ihre Pyro-Effekte nicht an die von Rammstein heranreichen konnten – aber wer kann das schon? In die großen Fussstapfen der Gründungsängerin Tarja Turunen getreten ist die neue (Gast-)Sängerin Floor Jansen, die den hohen Erwartungen aber durchaus gerecht wurde und mit ihrer facettenreichen Stimme überzeugte.

Kurzum: Ein gelungenes Festival mit reichhaltiger Musikdosis und großem Wiederholungswert zum zehnjährigen Jubiläum, dass sicherlich neue Superlativen erwarten lässt.

Neben der Galerie unten, die einen Querschnitt über das gesamte Festival zeigt, gibt es noch weitere Impressionen von den einzelnen Festivaltagen zu sehen:
Donnerstag
Freitag
Samstag

Fotos: Sacha Saxer