Mit 13’000 Besuchern war das Hallenstadion am Sonntag, 3. März 2013 definitiv ausverkauft. Jung und Alt waren angereist um den Abend in Zürich mit Unheilig und ihrer Hallentournee «Lichter der Stadt II – Letzter Halt» zu geniessen. Der Graf trotzte dem Ruf des Kommerz‘ eindeutig – und siegte.

Artikel 2013-03-06 - Unheilig - Artikelbild

Das Hallenstadion bis auf den letzten Platz besetzt zu sehen, das lässt jedem Zürcher das Herz aufgehen. Ein derart durchmischtes Publikum ebenso.
Staubkind eröffneten donnernd mit dem Intro zum gleichnamigen Album, welches 2012 erschien. Der Titel Gnadenlos folgte dem Paukenschlag, der die Halle erfasste und ebenso gnadenlos breitete sich gute Stimmung und Konzertlaune der Extraklasse aus. Leadsänger Louis Manke begrüsste das Publikum mit grossem Enthusiasmus, dem die Zuschauer nur folgen konnten. Neben den schnellen und Energie geladenen Songs wie Nur Ein Tag oder Unendlich, klang Kleiner Engel durch die Weiten der Halle und liess ein Meer an Feuerzeugen aufleuchten. Gänsehehaut pur! Nachdem ich Staubkind bis anhin noch nicht auf so grossen Bühnen gesehen habe darf ich sagen, die Jungs haben gerockt und die Erwartungen um einiges übertroffen!

Nach einer kleinen Pause war es für F.R.E.I so weit. Fast etwas verloren wirkte die Band, von der noch niemand etwas gehört und gesehen hat. Dem entsprechend nervös war auch der Sänger, der die halbe Zeit damit verbrachte zu erzählen, wie ihn das Lampenfieber im Griff hat und er aber doch glücklich ist vor so vielen Menschen zu spielen mit seiner Band. Etwas kommerzieller als Staubkind waren F.R.E.I allemal, aber sie schafften es mit einer soliden Leistung dennoch, die Stimmung aufrecht zu halten.

Nun war die Halle bis auf den letzten Platz belegt und alle fieberten dem Auftritt des Grafen entgegen. Auf der Bühne die Kerzenhalter welche schon vor 10 Jahren in den kleinen Clubs dieser Welt standen. Mit einem stimmungsvollen Intro, das mit Bildern die auf den Monitoren zu sehen waren untermalt wurde, stürmte der Graf dann auch endlich hinter dem Vorhang vor, um sein Publikum zu begrüssen. Mit Winterland stieg er ein und verzauberte auf seine eigene Weise. Mit Eisenmann gab er die Initialzündung, die auch die letzten Zweifel derer Besucher wegwischten, die Angst hatten, dass Unheilig zu sehr in den Kommerz gerutscht sein könnte. Nichts dergleichen! Hier kam die Power und Attitüde, die der Graf schon immer hatte in geballter Form und liess auch mich, nicht nur einen Moment mit offenem Mund dastehen. Die Titel der neuen Scheibe Lichter der Stadt die 2012 auf den Markt kam, hatten eine Live-Qualität, wie ich sie mir heimlich nur erhofft hatte. Wie gewohnt war die Band etwas im Hintergrund, dennoch möchte ich hier erwähnen, dass man gehört hat, dass hier eine Combo am Werk ist, die nicht mal eben für einen Liveauftritt zusammengesetzt wurde. Pures Herzblut in jedem Ton! Der Graf liess den Fans aber auch keine Verschnaufpause. Jeder Song wurde von Videosequenzen eingeleitet, die die Spannung immer wieder steigerten, bis man es kaum mehr aushalten konnte.

Als das Intro zu Mein Stern erklang, war es ganz still in der Halle. Der Graf hatte es geschafft, die 13’000 Menschen derart zu überzeugen, dass sie ihm fast blind folgten. Als ich mich umsah, konnte ich verträumte Gesichter, Tränchen und Lächeln sehen die, dem noch so hartgesottensten wohl einen Schauer über den Rücken gejagt hätte.
Wenn ich es von meinem Platz aus richtig gedeutet habe, standen auch dem Grafen die Tränen in den Augen. Ein Wow-Gefühl vom Anfang bis zum Schluss! So emotional, wie die Stimmung dann war, bedankte er sich auch beim Publikum.

Natürlich musste auch niemand auf ältere Stücke verzichten. Spiegelbild und Sage Ja liessen das Hallenstadion beben. So Wie Du Warst brach wie eine Welle der Emotionen über das Parkett. Laola-Wellen, Sprechchöre und ein gerührter Graf – der Abend war schlicht perfekt, denn es geschieht selten, dass ich mit einem Kribbeln im Bauch und Lächeln auf dem Gesicht ein Konzert verlasse.
An dieser Stelle auch ein grosses Lob an die Organisatoren und die Tontechnik – denn hier kam keiner zu kurz.

Fotos: Matt Hoffmann

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