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Thrash Metal-Riffs und Posaunen: The Burden Remains & The Horns of the Seventh Seal haben mit einmaligen Konzerten am 17. und 18. September die Fundamente des Fri-Son erschaudern lassen. Negative White hat sich die volle Ladung Metalorchestra gegönnt.

Manfred Jungo dirigiert das Orchester. (Foto: Yannick Waeber)

Manfred Jungo dirigiert das Orchester. (Foto: Yannick Waeber)

Samstagnacht, kurz vor 21 Uhr. Draussen in der windigen Kälte hat sich eine lange Schlange anstehender Konzertbesucher gebildet. Immer rein in die gute Stube! Das Fri-Son füllt sich allmählich, viele bestaunen die beiden Bühnen des Lokals: Auf der vorderen finden sich Orange-Verstärker und E-Gitarren, auf der hinteren die Waffen des Blasorchesters. Jeder Zentimeter wird ausgenutzt. Die Spannung und der Durst steigen (es ist schliesslich Samstagabend), was sich irgendwie noch gemeinsam verstärkt.

Seit zwei Jahren haben die Band The Burden Remains sowie der Dirigent und Arrangeur Manfred Jungo an diesem Projekt gearbeitet und nun werden zwei Welten auf der Bühne kollidieren. Die Rauchmaschinen geben Gas, das Licht wird gedämpft, die 50 Musiker des Blasorchesters nehmen Platz, shit is about to get real.

Let’s get this party started

Die Prog Thrasher aus Wünnewil beginnen alleine. In ruhiger Opeth-Manier gibt es ein zärtlich bittersüsses Intro mit sphärischem Gesang. Im Saal herrscht absolute Ruhe: Was wird uns bloss erwarten? Der Aufbau wird harscher, die Stimme lauter und die Gitarren verzerrter, als Dirigent Manfred Jungo schliesslich die Bühne betritt. Das Blasorchester bewaffnet sich. Pünktlich zum ersten Metal-Riff bläst das Orchester eine gewaltige Soundwand auf das Publikum – eine Prog-Thrash-Groove-Orchestra-Explosion.

Eine Lichtshow betört die Augen, die Paarung von Metal und Posaunen den Geist. Die Rocker lassen in ungestümer Weise die Haare walten, wie die Thraser, so das Publikum. Zwischen Rauch und nervösen Lichtstrahlen thront die Silhouette des Dirigenten, welcher in ebenso kraftvoller Art das Orchester regiert. Zwei Musikdimensionen verschmelzen. Gänsehaut erobert den Körper. Im Hintergrund laufen verzerrte Videos. Eine Lawine von Reizüberflutung. Licht, Sound, Video, Musiker, Bier… Man weiss gar nicht mehr, wem man seine Aufmerksamkeit schenken soll.

Ein Mammutprojekt

Nach zwei Jahren Arbeit, 800 Seiten Partitur und zig zerbersteten Drumsticks steht das Projekt auf der Bühne. Konzertlokal finden, ein Orchester aus den Musikgesellschaften von Freiburg zusammenstellen, Sponsoren überschnorren, Proben, Songwriting, Kaffee ist schon wieder alle… kurzum ein organisatorisches Mammutprojekt.

Das Orchester The Seventh Seal nimmt die ganze Bühne ein. (Foto: Yannick Waeber)

Das Orchester The Hors of the Seventh Seal nimmt die ganze Bühne ein. (Foto: Yannick Waeber)

Tommy Schweizer lässt es krachen. (Foto: Yannick Waeber)

Tommy Schweizer lässt es krachen. (Foto: Yannick Waeber)

Und es lässt sich sehen, während fast zwei Stunden wird der Auftritt nie langweilig. Die geschriebenen Songs sind flächiger und lassen dem Orchester mehr Platz sich zu entfalten. Weniger Thrash, mehr Post-Rock. Band und Orchester harmonieren und halten zusammen. Über 1000 Besucher haben sich das Spektakel an diesem Wochenende angesehen. «Zuvorderst feierte ein Familienvater mit seinen beiden kleinen Söhnen, weiter hinten standen Punks mit Iros», erzählt Dirigent Manfred Jungo, «ein wundervolles Gefühl, so viele verschiedene Menschen an diesen Event gebracht zu haben.»

Pornös pompös

Den Prog-Thrashern verpasst der Auftritt ein riesen Smile, verdienterweise. Gemeinsam treibt man sich an und lässt den Kopf in Mitleidenschaft ziehen. Oder man jagt sich die Gitarre an den Schädel… Na ja, jedem das Seine. Heftige Breakdowns, Blasts und sexy Grooves, alles mit Orchester. Pompöser geht’s nicht. Lässt einem nichts zu wünschen übrig. Nach dem Set mit den neuen Songs spielen die Jungs noch alte Songs von ihrem letzten Album Fragments, zu hören war Govern The Sleepers, Horror Vacui, Wander The Desert und A Thousand Lives. Auch hier tatkräftig von Kesselpauken und Fagott unterstützt.

Thomas Jenny und Philippe Aebischer kommen aus sich raus. (Foto: Yannick Waeber)

Thomas Jenny und Philippe Aebischer geben Gas. (Foto: Yannick Waeber)

Drummer Silvan Mangold wirbelt mit den Stücken. (Foto: Yannick Waeber)

Drummer Silvan Mangold wirbelt mit den Stücken. (Foto: Yannick Waeber)

Stürmisches Finale bildet der Song A Martyr’s Lament von den Bikini-Blues-Session (einer meiner Favoriten), wobei das Orchester erst beim allerletzten Refrain einsetzt und bemerkbar macht, wieviel Kraft und Feuer die Musiker mit sich bringen. Des Wahnsinns. Nach fast zwei Stunden sind alle Musiker «flätschnass» und überglücklich und das Fri-Son zollt ihnen mit tosendem Applaus.

What now?

Soviel sei verraten, Schlagzeuger Silvan Mangold hockt gerade im Studio und schwingt die Trommelstöcke. Die Orchesteraufnahmen von The Horns of the Seventh Seal fanden schon statt, dafür wurde mal kurzerhand das Konzertlokal Fri-Son in ein Tonstudio umgewandelt. Wann die Klampfen und der Gesang auf Band festgehalten werden, ist noch unbekannt. Ebenso, in welcher Form das neue Album rauskommen wird.

Tosender Applaus zum Schluss. (Foto: Yannick Waeber)

Tosender Applaus zum Schluss. (Foto: Yannick Waeber)

Gespannt sein darf man aber auf jeden Fall. Zwei Konzerte reichen jedenfalls nie aus, um alle Details aus der geschriebenen Feder von Manfred Jungo oder den dreckig-frechen Gitarren von The Burden Remains zu erkennen. Ich werde mich jedenfalls im dunklen Keller einsperren und die Scheibe vor- und rückwärts hören (vielleicht entdecke ich ja geheime satanische Botschaften – Led Zep knows…) um mich bestens und ungestört an jene Abende im Fri-Son erinnern zu können.