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Mit «Master/Slave» legen uns Freelancer in Ketten

Morgen veröffentlicht die Indie-Folk-Band Freelancer ihren ersten Clip. «Master/Slave» ist ein eingängiger Song mit starken Bildern, die zum Nachdenken über sichtbare und unsichtbare Ketten anregen.

Ein Mann sitzt fast nackt auf einem staubigen Dachboden. Der Wind zerrt an seinen Locken, während er Gitarre spielt. Es handelt sich um Freelancer-Frontmann Fabian Moor, der den Beginn des Songs allein bestreitet.

Symbolträchtige Bilder und klare Licht/Schatten-Kompositionen ziehen sich durch den ganzen Clip. Bild: fabbl TV

Das Intro ist langsam, die Bilder noch unklar. Man weiss nicht, ob einem etwas romantisches oder verstörendes erwartet. Aber die film-noiresken Schlagschatten und ein einzelner Close-Up von Fabians Auge machen schnell klar, dass sich dieser Videoclip nicht in ein familienfreundliches Genre einordnen lässt.

Sklaven in Ketten

Ketten kriechen über den Boden und gleiten schlangenartig auf den Musiker zu. Die Versklavung manifestiert sich und bemächtigt sich des Musikers, mit schartigen Kettenglieder, die sich um seine Arme wickeln.

Die Musik steigert sich. Schlagzeug, Bass, Gesangsharmonien und Geigen gesellen sich zur akustischen Gitarre und brechen beim Erreichen des Höhepunktes eruptionsartig in den Chorus des Songs. Die Kamera rast in den Mund des Sängers und öffnet eine neue Welt. «Some people die but I’m the one whose already dead», singt Fabian, der seiner Verzweiflung headbangend und spastisch freien Lauf lässt. Hinter ihm schälen sich zerlumpte Gestalten aus der Dunkelheit. Apathisch und in Jutesäcke gekleidet, strahlen sie eine innere Leere aus, die einem das Sklaventhema noch präsenter machen.

Die zarte Elfenstimme bringt Kontrast. Bild: fabbl TV

Der Film nimmt die Anfangsszene wieder auf. Sängerin Jana Rüedi sitzt zusammengekauert auf Fabians Platz. Sie wirkt anders als ihr Bandkollege, singt traurig lächelnd über die Verworrenheit der Welt.

«Every slave’s a master»

Und wieder kriechen Ketten heran. Diese Fesselung ist stärker als die vorherige, als müsse man auch noch das Lächeln der Protagonistin brechen. Die Musik steigert sich, das Bild zersplittert. Die Kamera rast in den Mund der Sängerin.

Jetzt ist sie die Sklavin vor den Bandmitgliedern, die neu Hippieklamotten tragen. Die Sklaverei ist in der Moderne angekommen, und auch wenn wir keine Kutten mehr tragen, auch wenn wir tanzen und singen, wir bleiben doch versklavt. Das Problem schwingt allgegenwärtig zwischen den tanzenden Bandmitgliedern, die gleichzeitig ekstatisch und apathisch wirken

Verträumte Zufriedenheit gegen Ende des Songs. Bild: fabbl TV

Und die Sklavin? Sie ist verstört, verwirrt, Schatten zerren an ihr, ihr Tanz wirkt ungelenk. Nur Violinistin Savanah Childers macht einen zufriedenen Eindruck, wie sie da am offenen Fenster sitzt und spielt.

Und plötzlich wird es besser

Ein letztes Mal wird das Anfangsbild aufgenommen. Fabian und Jana sitzen sich in Ketten gegenüber. Sie wirken wie Liebende, zufrieden und in Zuneigung verbunden. Frei sind sie nicht.Aber die Ketten wirken nebensächlich.

«Tell the world that yes means no – and every slave’s a master» singen sie erneut und man bekommt das gute Gefühl, dass auch das Unmögliche irgendwie zu erreichen ist.

Weil es die Verlorenheit ist, die uns in die Sklaverei treibt. Und wenn wir einen Anker gefunden haben, ist selbst die Sklaverei nicht mehr ganz so schlimm.