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Wo der Name Programm ist. Wettervorhersage im Z7: Dichter Nebel. Alle Rauchmelder vorsichtshalber abgeschaltet. Am 30.9 und 1.10 wurde die vierte Ausgabe des Stonerrock Festivals «Up in Smoke» zelebriert. Am Freitagabend hat Negative White das Stoner-Mekka in Pratteln aufgesucht.

Zwei Tage, zwei Bühnen und 21 Bands. Vor der Konzerthalle wurde kurzerhand mal eine zweite kleine Stage aufgebaut, grosse Bars draussen sorgen, dass auch niemand bei diesem Smog austrocknet. Ein Projektor beleuchtet die Aussenseite der Halle, alles in allem eine Oase für geflashte Besucher.

Ein vielversprechender Abend auch deshalb, weil Truckfighters, 1000mods und Monkey3 allesamt neues Soundmaterial auf die Bühne bringen werden. Drei grosse Stoner Bands, drei neue Alben. Ein Tiefschlag bleibt allerdings zu verkraften, denn der hochkarätige John Garcia-Ersatz Leech musste aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls Forfait geben. Die Veranstalter vom Up In Smoke entschieden darum kurzerhalb Sinistro, die Vorband von Subrosa, ins Programm aufzunehmen. Schade um Leech, denn zusammen hätte es einen perfekten Mix zwischen psychedelischem Post Rock und purem Stonerrock gegeben. Bei einer stillen Trauerminute gönne ich mir ein Bier, inmitten von Rauch, Rastas und fuzzigen Gitarren.

In Trance mit Post Rock aus Lausanne

Das Konzert von Monkey3 hat schon begonnen, als wir die Halle betreten. Sphärischer Post Rock, unterstützt von einer atemberaubenden Lichtshow, als würde man gerade von Aliens entführt werden. Geflasht wird hier definitiv auch ohne bewusstseinsverändernde Substanzen. Die Lausanner instrumental Post Rocker haben ihr fünftes Studioalbum erst seit dem 2. September draussen und versetzen das ganze Z7 mit psychedelischen Vibes ins Stoner Nirwana. Auf Astra Symetry gibts nun auch ab und an ein wenig Gesang. Besser gesagt Geflüster und Geschrei, aber beides mit enorm viel Hall. Hypnotisierend. Mit Through the Desert beendet Monkey3 eine gewaltige Show. Nach dem gefeierten Post Rock-Auftritt vermisst man Leech umso mehr.

1000mods

Die griechische Art, die Zuhörer in fuzzigem Gitarrensound zu ertränken. 1000mods, eine der bekanntesten Stonerbands aus der hellenischen Szene, erbrechen heftige und langsame Riffs über das Publikum. Die eher bewegungsarme Band (bis auf den Schlagzeuger mit Afro) spielen ebenfalls viel Stoff vom neuen Album, jedoch springt der Funke nicht sofort auf die Besucher über. Die wuchtigen und fuzzlastigen Riffs erschlagen die Konzertgänger, welche vom nicht allzu drogenfreien Rauch sowieso schon von der Rolle sind, und bringen nur teils deren Köpfe zum Schwingen.

Band und Publikum tauen aber je länger wie mehr auf. Ältere und bekannte Songs von Super Van Vacation und Vultures heizen ein, bei den schnelleren Songs entstehen erste Moshpits (auch dort wird geraucht, aber vorsichtig). Auch die Griechen, vom aktiven Passiv-Rausch der Halle benebelt, lassen ihre Körper und Köpfe zur Musik mitschwingen. Das Rauchverbot natürlich zum Festivalthema aufgehoben. Mit Vidage erklingt gegen Ende ihres Sets nun auch eine waschechte Stonerhymne. Z7 singt und mosht mit.

Dango, Ozo & El Danno alias Truckfighters

Das schwedische Trio spielt nicht bloss als letzter Act des Freitags, sondern veröffentlichen ebenfalls ihr fünftes Studioalbum V am selben Abend. Im Vorfeld gab es schon kontroverse Diskussionen über ihre Single Calm Before The Storm, dessen aufwändiges Video in realitätsnaher Art und Weise die Entführung und den Mord an einer jungen Frau zeigt. Basierend auf eine wahre Begebenheit in Schweden aus dem vergangenen Jahr. Anyway – kontroverses Video, neue und vielseitige Musik. Die sonst knochenharten Truckfighters mit ruhigem und melodiösem Intro und abwechslungsreichem Songwriting und immer noch «brätschenden» Stonerriffs. Man darf gespannt sein! Kurz nach 12 Uhr betritt das Trio die Bühne.

Hier geht es schon von Anfang an rasant zu und her. Mit Mind Control gibt es gleich einen an Kyuss angelegten Kracher, mit The Last Curfew oder The Chairman präsentiert die Band groovigen und vielseitigen Stoner. Und liefern eine tolle Show. Der Schlagzeuger überzeugt frech mit seinen Stick-Tricks und der versierten Spielart. Gitarrist Niklas „Dango“ Källgren, ein echtes Energiebündel, hüpft in Otto Waalkes Manier auf der Bühne, springt zig Mal auf und ab und dies während der ganzen Show. Bei jedem Auftritt. Sei dies vor tausenden an Festivals oder vor 50 Leuten im Bad Bonn.

 I’m out, cruisin‘ in the desert, it feels so fucking great

Das neue Material von Truckfighters V ist interessant. Lange und wuchtige Songs, beinahe keiner unter 6 Minuten lang. Basslastig und catchy. Die Band überzeugt mit altbekanntem Groove, aber auch mit neuerer ruhiger Manier. Ein schwedisches Vermächtnis der kalifornischen Kultband Kyuss. Der ganze Auftritt wurde auf Facebook via iPad (!) live gestreamt, das Trio samt Roadie-Kameramann eifrig am abrocken. Zu guter Letzt gab es als Zugabe noch die absolute Kirsche auf der Sahnetorte, nämlich Desert Cruiser. Ein must-know für Stonerfans. Wer nicht schon „chlatsch“ mit geschlossenen Augen an der Wand hockt oder vom Alkohol auf den Boden gedrängt wurde, hetzt nochmals in die Meute und schreit mit ausgebreiteten Armen laut: «I’m runnin‘ out of fuel, I’m runnin‘ out of gas!» Das Trio nimmt den Song auseinander und verlässt dankbar und schweissnass nach anderthalb Stunden die Bühne und schliesst damit den Freitag ab.

Das Schweizer Stoner-Mekka

Selten habe ich so viele versiffte Konzertbesucher gesehen, was ich auch nicht schlimm finde! Jeder soll seinen Spass haben und beim Up In Smoke ist eben der Name Programm. Fuzzig, versifft, wunderprächtig. Bier wird im halben Liter ausgeschenkt, der Merchstand ist mit bezahlbaren Platten, CDs und Shirts (ab 15.–) ausgerüstet, die bekannten Künstler von Elvisdead waren auch zugegen (mit u.a. Konzertplakaten von Queens Of The Stone Age) und natürlich feinster Wüstenrock auf den Bühnen. Wer kein Platz in den umliegenden Hotels gefunden hat, durfte mit Schlafsack in der Konzerthalle übernachten, der Morgenkaffee inbegriffen. Toll organisiert!

Zum Schluss gibt’s zwei Tipps: Für alle Stonerfans ist das Up In Smoke ein Muss, und Stoner Post Rock klingt live einfach wahnsinnig. Wahnsinnig gut. Monkey3.