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Nach ziemlich genau drei Jahren kehrten Rival Sons nach Solothurn zurück. Zurück in den schönsten Rostklotz, den die Stadt zu bieten hat: das Kofmehl. Diesen Frühling erschien ihr viertes Album «Great Western Valkyrie», welches sie an diesem Abend einem vor Freude tobendem Publikum präsentierten.

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Rival Sons im rot erleuchteten Kofmehl. (Foto: Marie Gfeller)

It’s good to be back!

Ja, schön, seid Ihr zurück, liebe Rival Sons! Und dies mit voller Wucht. Pünktlich gestartet und nur fünf Minuten überzogen – Schweizerische Bundesbahn-Manier könnte man sagen. Vor dem Konzert kann man’s sich im Kofmehl gemütlich machen und die Jacken verstauen in einem SBB-Abteil der früheren Generationen. Für all diejenigen, für welche die Anreise nach Solothurn bereits in Nostalgie getränkt ist oder bezahlte Garderoben als überbewertet empfinden. Aber auch ganz ein schönes Accessoire, diese Zugabteile. Betritt man das Kofmehl, erwarten einen zusätzlich viele bunte Lichterketten, aufgehängte Puppen und australische Strassenschilder – manche nennen es Kitsch, für andere ist es ein Paradies.

Aufwärmphase mit Jameson

Es ist Punkt 20 Uhr, als Jameson, ein junger stattlicher Herr mit Hosenträgern, die Bühne betritt und für eine halbe Stunde dem Publikum einheizt. Ein sympathischer Singer-Songwriter aus Santa Ana, Kalifornien, der ordentlich Potential aufweist. Das Publikum ist noch nicht vollständig, der Raum noch mehr oder weniger gut von links nach rechts, von hinten nach vorne zu durchgehen. In dieser halben Stunde steht Jameson selbstbewusst und mit kräftiger und doch auch sanfter Stimme auf der Erhöhung und konzentriert sich auf seine Klampfe und seinen linken Fuss als Taktgeber.

Rock’n’Roll, Hosenträger und (Schnauz)Bärte

Hosenträger scheinen wieder Mode zu sein, so treten zwei Viertel der Band Rival Sons mit solchen auf die Bühne. Gitarrist Scott Holiday mit seinem berühmten spitzigen Schnauz tritt für einmal ohne Sonnenbrille auf, Sänger Jay Buchanan trägt die Haare wieder kürzer. Ist deshalb das Freche, Düstere, Rock’n’Rollige weniger präsent?
Auf keinen Fall! Die Herren aus Long Beach, Kalifornien, spielen in ausverkaufter Räumlichkeit, bei der ein Durchdringen nach vorne endgültig nicht mehr möglich ist. Viel kommuniziert wird bei einem Konzert der Rival Sons nicht, Jay Buchanan’s Auftreten lässt einen introvertierten Charakter vermuten. Dafür kommuniziert Schlagzeuger Mike Miley ordentlich nonverbal mit der Meute – lässt sie mitklatschen, mitsingen und will ihnen Geschenke machen; allerdings fliegen die Plektren leider nur Buchanan an den Kopf, anstatt es bis ins Publikum zu schaffen. Miley wirkt als menschlicher Stimmungsheber. Auf Tour wird die vierköpfige Band von Todd Ögren-Brooks begleitet, der unter anderem für die Keyboard-Einsätze zuständig ist.

Aller Abschied ist schwer…

…und ebenso schwer drückte die gedämpfte Stimmung nach dem Konzert. Und etwas bedrückt waren alle, als die beiden Zugaben vorüber waren. Vor dem Konzert wurde in der Menge gemunkelt, dass sie vielleicht wieder zweieinhalb Stunden spielen würden, leider war nach 90 Minuten Schluss. In dieser Zeit wurde allerdings Vollgas gegeben, die Symbiose aus Rock und Soul sorgte für schwingende Tanzbeine und in Emotionen schwelgende Momente. Die Reise ins Solothurnische war es alle mal wert. Hoffentlich müssen wir nicht wieder drei Jahre warten, bis Rival Sons wieder schweizerischen Hallenboden betreten.