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«Nach dem Tod sind Sie bestimmt nicht alleine.», meinte der Kriminalbiologe Mark Benecke zum Ende seines Vortrages am vergangenen Freitagabend im Weissen Wind in Zürich. Wie recht er doch mit allem hatte. Hoffen kann man nur, dass niemand postmortal herumklugscheisst, wenn es einem selber trifft.

Dr. Mark Benecke ist Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie (Insektenkunde). Seine Spezialität: Fast aussichtslose, meist äusserst kuriose Mordfälle von denen er gerne, offen für alle Fragen und sehr bildlich, berichtet. Dass er bereits ein riesen Sammelsurium an besonderen Geschichten hat, bewies seine ellenlange Vortragsliste, die er in den Weissen Wind mitgebracht hatte. Beim diesjährigen CH Special wählte er das Thema „Grabbelkiste – Fälle vom Rand“. Wir waren gespannt, welche Kriminalfälle er und sein Team – die Maden, Fliegen und andere Helfer – aufgelöst haben.

Blut und Busen Experiment

Da war zum Beispiel die Geschichte des Busenmordes, welcher die deutsche TV-Sendung „Explosiv“ zum Anlass nahm, folgendes zu titeln: „Meine Ex wollte mich mit Ihrem Busen töten“. Klar doch: Blut- und Busen-Boulevard, was sonst? Das denkt sich unsereins. Marc Benecke hingegen findet: „Hey, lass‘ uns das nachstellen und herausfinden, ob das wirklich funktioniert.“ Denn dies könnte tatsächlich öfters vorkommen, als das „M“ann annimmt. Und so googelte er anno dazumal zuerst nach der Wörterkombination Busen und Mord. Natürlich fand er keine anderen Forschungsarbeiten darüber und so entschloss er sich, diesem Fall nachzugehen. Es sei immer wichtig, Experimente zu machen, denn wenn ein aktueller Todesfall vorläge, habe man keine Zeit mehr dazu. Ergibt soweit Sinn…

Der Körbchengrössenversteher

Und darum lies er sich zu aller erst einmal die Sache mit der Nummer vor der Körbchengrösse erklären, die ihm anscheinend nicht so schnell in den Kopf ging. Als er dann aber begriffen hatte, dass es vor allem auf die Buchstaben ankommt, war die Wahl schnell getroffen: Er brauchte Damen mit Körbchengrösse B, C und D.

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Dr. Mark Benecke mit seinen Assistenten (Foto: Thomas van de Scheck)

Sein Team machte sich also auf ins Bordell, wo die entsprechenden Brüste zu finden waren. Ein Kollege musste sich dann bis auf die Unterwäsche entblössen wie auch die Prostituierte, welche mit den Brüsten auf seinem Gesicht über ihm kniete. Ein sehr lustig anzusehendes Experiment und Benecke hatte auch sichtlich Spass dem Original zuzuschauen, wie ein Foto von dieser Aktion bewies.

Humor gepaart mit Wissen

Benecke der selbständige Forensiker, Rechtsmediziner, Wissenschaftler, Parteivorsitzender und Buchautor ist der Popstar unter den Kriminalisten. Mit solchen lustigen Fällen gewinnt er das Publikum im Nu. Natürlich hatte er auch dieses Mal wieder ein paar ernstere und seriösere Fälle dabei, von denen man sich beindrucken lassen konnte.
Er vermag es mit seiner Art und seinen Bildern von echten Todesfällen oder eben auch Experimenten ein sehr breites Publikum anzusprechen und zu begeistern. Sein pechschwarzer Humor kommt bei Polizisten, Krimifans, Gruftis wie auch bei Rechtsmedizinstudenten gleichermassen gut an. Voraussetzung, man sollte kein schwaches Gemüt haben.

Seine Aussagen sind grundsätzlich einfach zu verstehen, aber doch schwierig anzuwenden: Geh, wie ein Kind an die Sache. Mache keine Annahmen. Suche die einfachste Lösung. Postmortal herumklugscheissern kann jeder. Er lässt das Publikum mit rätseln, zeigt Bildern von realen Fällen und führt seine Fans Schritt für Schritt in die Spurensuche ein. Er ist nahe an den Leuten dran, bindet sie mit in den Vortrag ein und  darum war der Saal am Freitagabend wieder einmal bis auf den letzten Platz voll.

Ach ja, es funktioniert übrigens, aber erst ab Körbchengrösse C. Und postmortales Herumklugscheissern machen diejenigen, die hinterher sagen, sie hätten es gewusst, auch wenn sie es vorher nicht gewusst habe. Haben wir wieder mal etwas gelernt.