Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

The John-Pauls stammen aus Texas und klingen die Engländer. Im Dezember hat das Trio ihr Debüt veröffentlicht.

Austin, Texas. Vor dem inneren Auge treiben Cowboys Lassos schwingend ihre Rinder zusammen. Ein romantisiertes Bild, fernab jeglicher Realität.

Die Realität sieht anders aus, und sie klingt erschöpft. The John-Pauls ziehen durch die neblige Nacht, machen dort weiter, wo Joy Division aufhörten.

Phillip Niemeyer, Mark Fagan und Mikila Zaorski haben sich zu The John-Pauls zusammengeschlossen und an einem grauen Wintertag in Jim Eno’s «Public Hi Fi» Studio, wo schon Arcade Fire, Nada Surf oder Lady Gaga ein- und ausgingen, eine 7-Inch aufgenommen. Vier dissonante und einvernehmende Songs in bester Post-Punk-Manier wurden auf das Debüt gepackt. Der Sound bleibt sich treu: schnörkellos und treibend.

Island of Lanes lässt die durchgetanzte Nacht ausklingen – ein Song für alle, deren Tanzbeine noch nicht geschwollen sind. Die Dropped-D-Stimmung zieht sich dennoch durch den Track. Im Gedächtnis bleibt Island of Lanes allerdings nicht hängen.

Die ultimative Reinkarnation von Joy Division kommt mit We Should Be Armed. Einzig die Stimme erinnert noch daran, dass hier die John-Pauls und nicht die Legenden aus Manchester spielen. Ein grossartiger, düsterer Song. Gleichzeitig offenbart We Should Be Armed eine unverkennbare Wahrheit: Es ist unmöglich, melancholischen Post-Punk zu machen, ohne Joy Division zu plagiieren – sie haben das Genre allumfassend geprägt.

the-john-pauls_7

Let’s Burn Down Westlake findet dann die Balance zwischen den dunklen Anleihen der 80er und der punkig-rockigen Grundlinie. Ein Song, der Licht und Dunkelheit vereint. Die Gitarren reissen krachend alles in Fetzen, doch der magische Moment folgt erst, wenn das Piano in den Ring steigt. Eine wunderbar einfache Line ergänzt das Arrangement und verleiht Let’s Burn Down Westlake eine neue, eigenständige Facette.

Mit Sweeden tritt das Trio zum Schluss voll auf die Bremse. Zaorskis Stimme führt durch den Gitarren-bestimmten Song, der viel näher beim Folk als beim Post-Punk ist. Sweeden ist somit der Beweis, dass die John-Pauls eben mehr sind als eine blosse Kopie alter Helden.

Hier kannst du in das selbstbetitelte Debüt reinhören.

The John-Pauls

4
/5
11. Dezember 2015

Release

Aagoo Records

Label

Tracklist

  1. Island of Lanes
  2. We Should Be Armed
  3. Let's Burn Down Westlake
  4. Sweeden