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Moderne Poltergeister und rachsüchtige Gespenster, die etwas auf sich halten, verrücken nicht mehr proletarisch schwere Möbel in der Wohnung, sondern laden kompromittierende Bilder ihrer Opfer auf soziale Netzwerke hoch.

Das weiss ich dank des neusten Horrorfilms aus der Filmschmiede von Hollywood. Unfriended heisst das Werk, das die Geschichte einer Handvoll amerikanischer Teenager aus Kalifornien erzählt, die eine Mitschülerin, die an einer Party gehörig über die Stränge schlägt und den Gang zur Toilette verschläft, dabei aufnehmen und sie mit der Veröffentlichung des Videos in den Selbstmord treiben.

Der Film spielt dabei durchwegs aus der Sicht der Protagonistin Blaire Lily, die mehr als eine Stunde lang auf den Bildschirm ihres Laptops starrt und den Zuschauer dazu zwingt, genau dasselbe zu tun. Dabei unterhält sie sich mal mit ihren Mittätern auf Skype, zeigt ihrem Freund fast die Brüste, damit er von der selbstauferlegten Keuschheit wenigstens etwas hat – wenn auch nur stark verpixelte, weibliche Geschlechtsmerkmale – und guckt verwackelte Videos im Internet. Der wahre Horror spielt sich indessen auf subtilen Ebenen ab: Als ich mir beispielsweise vorstellte, dass sich der Teenie in über 80 Minuten nicht einmal vom Bildschirm entfernt, etwa um mal zu Pinkeln, eine Tüte Chips zu holen oder eine zu rauchen, bemerkte ich, wie sich meine Nackenhaare aufrichteten und kalter Schweiss meinen Rücken entlanglief.

Weniger furchteinflössend, sondern eher eintönig aufgrund der gewählten Erzählperspektive, entwickelt sich der weitere Verlauf der Geschichte. Jene junge Frau, die vor genau einem Jahr den Freitod gewählt hatte, schreibt auf einmal wieder Nachrichten auf Facebook, und das ohne Beachtung jeglicher Interpunktions- und Rechtschreibregeln, obwohl man einem Geist ja etwas mehr zutrauen würde in dieser Hinsicht. Und dann klinkt sich der Geist auch noch in die Skype-Konservation der Gruppe um Blaire Lily ein. Als allen langsam dämmert, dass es sich dabei um die verstorbene Laura Barns handelt, die als Gespenst mit anscheinend ziemlich ausgeprägten Hackerfähigkeiten nach Rache trachtet, dauert es auch nicht mehr lange, bis etwa ein Lockenwickler oder Mixer von der Wiederauferstandenen kreativ als Mordwaffen an Angehörigen der Gruppe ausprobiert werden.

Und wenn dieser Film auch wenig Originelles oder Spannendes bietet, kann man ihm wenigstens anrechnen, dass er das unrühmliche Cybermobbing thematisiert und anprangert, wenn auch auf ziemlich blutige, mit Klischees beladene Art und Weise.

(Foto: zvg)

(Foto: zvg)

Ich hoffe indessen, dass ich dereinst nach meinem Ableben nicht so viel Zeit auf den sozialen Medien verbringen muss wie der polternde Geist von Laura Barns. Dieser Umstand spricht nicht gerade für ein breit gefächertes Freizeitangebot in den himmlischen Höhen des ewigen Lebens danach. Das ist übrigens auch der einzig beklemmende Gedanke, den ich aus diesem Horrorfilm mitgenommen habe.