Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Devon Sproule und Mike O’Neill spielen miteinander auf der Gitarre. Sie haben sich dabei aufgenommen und unverhofft eine CD daraus gemacht. Eine Vogelperspektive:

Devon-Sproule_Colours

Devon, verehrte Kulturfetischisten, Devon war früher mal Folkmusikerin. Rischel-Raschel. Sie hatte Blumen im Haar, einen Damenbart, Gitarre stets griffbereit, wenn immer ein Lagerfeuerchen zischelte, qualmte American Spirits, trampte durch die Staaten und tötete etwas Zeit, wie es so schön heisst, in Charlottesville im Bundesstaat Virginia. Dort gab und gibt es jede Menge Quäker. Marmorstatuen von den Founding Fathers Tommy und George, eine Handvoll Lachmöwen, zahlreiche Heckenbraunellen und nicht zuletzt, das häufig anzutreffende nicht ungefährliche Karolinensumpfhuhn. Die junge Blondine Devon spielte damals noch religiös angehauchte Songs. Naja ihr wisst schon, diese Joni-Mitchel-Songs, dazu den traurig-schönen Gesichtsausdruck der Anstandsdame Joan Baez.
Miss Devon Sproule rasierte sich die Beine nur einmal im Monat. Lachte geschmeidigen Typen mit Tattoos ins Gesicht und gab sich etwa so alternativ, wie momentan viele von uns; mit Rucksäcken bewaffneten. Sie war „The Village Voice“ mit kaum 16 Jahren und deshalb fantastisch genug um eine Platte aufzunehmen. „A refreshing-Sweetness“ hiess es aus der Garderobe der Kritiker. Folk, Country und eine Prise Jazz. Nun ja, Freunde der E-, U- und F- Musik, gerne würde ich hier weiter dichten, aus dieser Idylle, umringt von nordamerikanischen Walnussbäumen.
Devon aber lebte zwischenzeitlich schon in Berlin, Knicker-Knacker. Kreuzbergergeschichten rauf und runter, Actionpainting, Methodacting und Yoga, das gar kein echtes Yoga war, mit ihrem Lebensgefährten, versteht sich. Der liess sich wiederum einen Damenbart wachsen, rasierte sich die Beine und hatte eine Vorliebe für Altbauwohnungen. Devon stach sich Tattoos auf den Hintern und gab das Rauchen auf.

Lasset uns nun aber doch ans Eingemachte gehen: Die „neue“ Scheibe von Devon Sproule und Mike O’Neill heisst Colours und beweist im Grunde nur eines: dass Folkpop auch ohne Zigaretten und Karo-Hemd geht.

Lass uns über uns reden

Die Songs auf der Scheibe von Devon und Mike plätschern mit Ruhe und Bedachtsamkeit vor sich hin. Von „Nachhausegehn, Wiedersehn, Meer, Wolken und Wind“ ist die Rede. Magie, Family, Schmerz. Wohlfühlsongs gemacht dafür, auf Wiesen zu liegen, sich gegenseitig mit Grashalmen zu kitzeln, Enten mit Brotstücken zu füttern, Eier beim Bauern zu kaufen, mit Händen zu malen und im Frühling über Flohmärkte zu bummeln. Mit Freunden zu Abend zu essen und Wein mitzubringen, sowieso und überhaupt zusammen zu kochen. Latte Macchiato zu trinken, Fotoalben zusammen zu kleben, Grüne zu wählen, aber Stimmzettel Zuhause zu vergessen. Mike singt manchmal mit im Duett mit Devon. Ansonsten schliesst er die Augen, hört tief in sich rein und spielt seine Chords. Da schlummert sein Seele, in diesem tiefen wohligen Gitarrenbauch. Mike singt schon auf dem zweiten Titel der Scheibe, was Sache ist: „Home, Home, Home“ reimt sich da auf „Bones, Bones, Bones“ und es geht im Grunde um die Rückkehr nach Hause. Niemand sei da, frotzelt es: „Magic in the Panic.“ Das Verlorene wieder finden, einfach alleine sein. Älter werden.

So geht es dann auch munter weiter auf der Scheibe. Schöne Melodien ab und an etwas jazziger, mit Bass- und langgezogenen Perkussionsspiel. Die gleiche Stimmlage für etwa eine knappe Stunde. Ganz vorsichtige, kaum bemerkbare Mini-Solis kommen auch noch vor. Man fühlt sich wie einer dieser Gelbbauchschnäbler aus Virginia, hoch oben im Geäste der Bäume im Nestchen sitzend oder auf einem Zweiglein lauschend. Das Köpfchen drehend, während die Seele vor sich hinbaumelt. Oder aber als einer dieser flinken Drosseluferläufer, die sich, mit vollem Vogelbauch und müde vom Heuschrecken sammeln, am Seeufer ausruhen.

Charlottesville in Virginia, nicht nur aus rein ornithologischer Sicht, ist unwiderlegbar vorhanden auf dem Album Colours. Ohne viel Trara liefern die Beiden eine gemütliche Scheibe ab. Eine Scheibe, die so harmlos ist wie fettige Handabdrücke auf einer frisch polierten Fensterscheibe. Ein Album, das keine Ecken und Kanten hat. Vielmehr ein Vollprogramm aus „heisse Schokolade-Gefühlen“, einem Bedürfnis nach Nudeln mit Tomatensauce oder Abstecher ins Reich der Vögel der Atlantikküste Amerikas; Man möchte einen Pyjama anziehen und Geschichten erzählen, am Besten ganz guten und netten Freunden“ zwitscherte es, als die Scheibe letztes Jahr rausgekommen war.