Die Strassen Leipzigs verfärben sich dieses Wochenende tiefschwarz. Schleier, wallende, barocke Kleider, Spitze und Silberschmuck – begleitet von dezentem Patchouliduft und düsteren Klängen aller Art. In Leipzig geht das 21. Wave Gotik Treffen über die Bühne und Strassen und lockt Schwarzkittel aus der ganzen Welt in die charismatische, ostdeutsche Stadt.

Der Auftakt zu diesen vier düsteren Tagen wurde am Freitag mit strahlendem Sonnenschein und stahlblauem Himmel eingeleitet – was den Düsterfaktor nicht gerade erhöhte, doch perfektes Festivalwetter für den ersten Tag darstellte. Um sich zu aklimatisieren, schien dieser Tag für die meisten als Aufwärmphase, Stadtbesichtigungs- und Shoppingtag zu fungieren. Auf dem Agra-Messegelände, dem grössten Treffpunkt des Festivals, begann wohl für die meisten das Treffen. Hier sind der offizielle Treffen-Zeltplatz und die Bändchenausgabe. Die grosse Konzerthalle wurde an diesem ersten Tag erst nachmittags geöffnet, doch vor allem die weibliche Fraktion kann sich in der „Agra“ auch wunderbar einen Tag lang anderweitig beschäftigen: Die grosse Shopppinghalle bietet dutzende von Verkaufsstände, um sein Outfit zu ergänzen, in Plattensammlungen zu stöbern und vor allem viel Geld unter die Leute zu bringen! Das Agra-Gelände lädt jedoch auch ein um alte Bekannte zu begrüssen, bei einem Glas Met oder einer leckeren Zwischenverpflegung von einem der unzähligen Essensstände ein Schwätzchen zu halten oder sich einfach von der gewaltigen Masse an schwarzgewandeten Gleichgesinnten verzaubern, inspirieren und begeistern zu lassen.

An diesem ersten Nachmittag fand ausserdem das traditionelle Viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park statt. Zahlreiche Paare und Fans der vergangenen Jahrhunderte, in aufwändig, liebevoll und detailliert verzierte, oft handgeschneiderte Rokoko-Gewänder und barocke Kleider gehüllt, mit Picknickkorb ausgerüstet, machten sich um 15:00 Uhr auf in den Park, um längst vergangene Epochen romantisiert und ein klein wenig verkitscht wieder aufleben zu lassen. Einst ein Geheimtipp unter Gleichgesinnten war es dieses Jahr mehr ein Massenauflauf von Schaulustigen, Fotografen und Spaziergängern, als ein romantisches Picknick und zurückfühlen ins 17. Jahrhundert. So herrschte im wunderschönen Park am Wasser leider eher Badi-Stimmung als Romantik.

Das Programm des Wave Gotik Treffens zu überschauen, und dann auch noch für sich so zu reduzieren, dass man aus den hunderten von Künstlern, Lesungen, Ausstellungen und Partys eine Auswahl trifft ist eine echte Herausforderung. Seine Auswahl dann noch einzuhalten: schier unmöglich.

So begab sich Negative White am Freitagabend lediglich zum Kohlrabizirkus, um sich die italienischen Lacuna Coil rund um die energiegeladene Sängerin Cristina Scabbia anzusehen. Da Bilder bekanntlich mehr als tausend Worte sagen, sind die besten Schnappschüsse dieses gelungenen WGT-Auftaktes in der Bildergalerie zu finden.