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Mehrere Handvoll Leute versammelten sich am Mittwochabend in Lausanne für ein Prog-Metal-Fest mit Destrage, The Contortionist und Periphery.

Les Docks, ein Wahnsinns-Schuppen. Irgendwo in einer Sackgasse in Lausanne. Eine breite Bühne, Balkon, tolle Lichtshow, drei Bars. Dursten musste man nie, konnte man nie. Bloss ungewöhnlich, dass ein Martini Orange billiger als ein Halbliter Bier wurde. The price is wrong. Mir egal, damit kam ich sowieso auf meine Kosten.

Apropos Kosten: Das Konzert kostete 27 Franken, ein ziemlich gnädiger Preis in Anbetracht der Bands. Nach zwei EPs und drei Alben touren Periphery nun mit ihrem vierten Streich um den Globus. In Lausanne der einzige Zwischenhalt in der Schweiz.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Vor Periphery treten die Herren von The Contortionist aus Indiana auf. Die Band liefert melancholisch verträumten Prog-Rock. Fast ein wenig zu sehr verträumt. Nach der rabiaten Band Destrage gehen die sanft melodiösen Soundlandschaften ein wenig unter. Besonders wenn vom Hauptact anschliessend ein exzessives und explosives Prog-Metal-Chaos erwartet wird. Technisch klasse, die Lichtshow des Wahnsinns, die Songs ansehnlich, aber halt leider am falschen Platz. Zu wenig wird in harter und heftiger Manier gespielt. Vielleicht sollten sie die Gitarristen einen Amp von Spinal Tap-Gitarrist Nigel Tufnel ausleihen und den Overdrive auf 11 aufdrehen.

What is Prog? Baby don’t hurt me, don’t hurt me, no more

Der Gig macht durstig, aber nicht allzu sehr, nach einem Blick in die Brieftasche. Um 22 Uhr wird Periphery erwartet. Die Massen drängen sich schon deutlich früher hinein, niemand möchte es verpassen. Das Les Docks ist halb voll, auf dem Balkon niemand zu sehen. Dann betreten die drei Gitarristen, Schlagzeuger und Sänger die Bühne, die Leute toben. Halb voll und doch voll am abgehen. Publikum als auch Band. Nur bei technisch wirklich wohl verdammt schwierigen Riffs und Licks bleiben die Gitarristen still, ansonsten wird die Haarpracht schwungvoll präsentiert. Die breite Bühne wird ausgenutzt, die Proger aus Maryland geben sich publikumsnah.

Ein Auftritt des Wahnsinns

Ein irrsinniger Auftritt. Über eine Stunde lang gibt es mörderisch verzerrten Groove à la Sauce Prognaise. Die Gitarren so tief gestimmt, das niemand einen Bass vermissen würde (macht man übrigens auch sonst nicht). Das Publikum geht ab und singt den «Chor»-Teil von Marygold lauthals mit, das Licht versetzt einen Strobo-mässig in Trance, der Sound bringt das Hirn zum Schmelzen und es gibt bei The Way The News Goes… einen Drum-Blast als Refrain, was will man mehr?

Zum Les Docks? Immer den Vögeln folgen

Nach einer Zugabe muss man Abschied von diesem Metal-Märchen nehmen, kann sich aber auch noch von den Musikern ein paar Autogramme erluchsen. Da sich das Les Docks an einer Stricher-Strasse befindet, blickt man beim Wegfahren zwar noch an holde Bordsteinschwalben, denkt aber dabei immer an das leere Portemonnaie. Das Geld ging schon fürs Bier drauf.