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In der herbstlichen Kälte am Sonntagabend haben Metal-Fans im Volkshaus Zuflucht und Lärm gefunden, allerdings äusserst organisierten Lärm. Geboten bekommen haben sie dies von Opeth und Sagh.

Das Volkshaus ist gefüllt, eine Masse von Träger und Trägerinnen schwarzer Metalshirts und langen Haaren hat den Saal erobert. Und ein kurzhaariger und weiss-shirtiger Negative White-Reporter. Die norwegische Vorband Sagh hat bereits angedeutet, dass der Konzertabend ein verdammt lauter wird. Vor der progressiven, ruhig-harten «Death Metal-mit-oder-ohne-Growling-Band» aus Schweden noch ein wenig Hardrock als Vorspeise.

Eine Wundertüte von Konzert

Opeth, unvorhersehbare Gigs. Nach elf Alben beginnend mit Death Metal bieten die Schweden nun Progressiv Rock und haben mit Damnation auch gezeigt, dass sie auch ganz ruhige vor-dem-Kamin-hocken-und-ein-Glass-Whiskey-geniessen-Musik kreieren können. Danke, Steven Wilson!

Nun führen sie mit ihrem neuesten und zwölften Album Sorceress die Prog Rock-Richtung weiter, immer noch mit Metal-Einflüssen. Also, was darf man an so einem Abend eigentlich erwarten?

Sorceress

Um 21 Uhr wird das Saallicht gedimmt und die Bühne in ein höllenähnliches Dunkelrot getaucht. Unter Applaus betreten Keyboarder Joakim Svalberg, Bassist Martin Mendez und Schlagzeuger Martin «Axe» Axenrot die Bühne. Dreckiger Hammond-Sound paart sich mit dem groovigen Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass. Der erste Track der gleichnamigen neusten Scheibe Sorceress wird zur Konzerteröffnung.

Als Leadgitarrist Fredrik Akesson und Mikael Kerfeldt auf der Stage dann die ersten Töne auf der Gitarre anstimmen, wird einem bewusst, dass die Band die Verzerrung von Klampfen in guter alter Death Metal-Manier nicht vergessen haben. Im Allgemeinen lässt der Sound keine Wünsche offen, Hauptsache man schützt die Ohren. Laut ist gar kein Ausdruck für den Lärmpegel.

Metal-Feuerwerk

Mit Ghost of Perdition kommt als zweiter Song gleich ein Death Metal-Feuerwerk. Und nun weiss die Schweiz: Akerfeldt hat das Growlen nicht verlernt! In lautester Manier brechen tosende Soundlandschaften auf das Publikum ein und tauchen das Volkshaus in eine musikalische Wildheit, während die bekannten und typisch ruhig melodiösen Zwischenteile in den Songs beruhigen. Diese Musiker gehen von 0 auf 100 in Sekunden, und umgekehrt.

The old shit

Während den Liedern unterhält Sänger Akerfelt mit trockenem Humor und einer Stimme, welche man aus Gute-Nacht-Höespielen kennen könnte. «Are you a sunday crowd?», will er wissen. Aus dem Publikum ertönt ein: «No, we’re a monday crowd!» Glücklicherweise nicht. Das Publikum wähnt sich still in den melodiösen Teilen der Show und zollt der Band ordentlich Jubel, sobald ein Song zu Ende ist. Weiter verkündet er, dass heute Abend auch einiges an älterem Material gespielt wird. «We’ll play some of the old shit», und unter Jubelschreien beginnt der nächste Song Demons of the Fall.

Eine variierte Setlist, aber Hauptsache laut!

Mit The Wilde Flowers folgt die musikalische Verkörperung von Tightness, im Anschluss mit The Face of Melinda eine gefühlvolle Ballade aus dem Jahre 1999. Beim Damnation-Track In my Time of Need bittet Akerfeldt dem Publikum mitzusingen. Was leider wenig genug gelingt, machen die Zuschauer beim Mitschmettern von Cusp of Eternity wieder wett.

Die Atmosphäre wird tatkräftig von einer Lichtshow unterstützt. Hierbei versetzt ein grüner Strobo passend zum Gitarrenriff das Publikum in Ekstase, während bei Gitarrensolis der Gitarrist mit einem klassischen Lichtkegel in Szene gesetzt wird und bei gelasseneren Tracks der Saal in helles Blau getaucht wird. No video clips or projections needed, just Opeth.

The kinda »doom-soft»

«I’ll have to warn you. This next song is a very soft one. It’s the equivalence to whale sounds that you hear in waiting rooms for therapies. Well, not that you would need any…» Was folgt wohl jetzt, ein weiterer Song von Damnation? Nein, bloss Heir Apparent, sehr «soft». Während Leadgitarrist Akesson die Haare sprechen lässt, verschliesst Akerfeldt verträumt die Augen, währenddem er die abnormalsten Riffs niederschmettert.

Ein pompöser Abschluss

«This last track is our death metal one-hit-single, I know this sounds stupid.» Und dann stimmt die Band The Grand Conjuration an, der Bass dröhnt bis tief in die Magengrube und die Gitarren beissen sich in die Trommelfelle. Als Zugabe gibt es statt drei Songs nur einen, dafür aber einen 15-Minütigen. Mit Deliverance verabschieden sich die fünf Schweden von Zürich.

Fazit

Elf Songs in zwei Stunden. Opeth lieferte eine harte Show mit grandiosem Sound, Licht und Humor. Und einem tollen Versprechen: «The Sunday band will be back.»

Tracklist