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Wir waren am ausverkaufen Eröffnungsabend der neuen Samsung Hall. Hält die Konzerthalle, was sie verspricht?

Es herrscht ein Verkehrschaos rund um den Bahnhof Stettbach. Die neuste Konzerthalle feiert sich selbst. Obwohl die Veranstalter darauf hinwiesen, dass man am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, stauen sich die Autos. 250 Parkplätze der Samsung Hall reichen nicht für die etwas über 5000 Besucher. Das Haus ist ausverkauft.

Es riecht nach Neubau und Ausgang: frische Farbe und Leim, Energy Drinks, Bier und den Zwiebeln der Flammkuchen. Ein Stand der namensgebenden Sponsoren Samsung katapultiert die Mutigen in die virtuelle Realität:

Ein Cüpli-Anlass

Zuerst die Mängel: Die Eröffnung verkam leicht zum Cüpli-Anlass für die Cervalat-Prominenz. Die Halle wurde erstmals dem Publikum gezeigt, das sich jedoch kein Bild von der Tribüne machen konnte. Denn im oberen Geschoss der Halle genossen die «VIPs» Freibier und Häppchen.

Die feierliche Zeremonie war bestimmt durch ein ziemlich schlecht inszeniertes Interview mit dem Financier Hans-Ulrich Lehmann. Man sprach von einer Punktlandung bei der Fertigstellung. Das stimmt natürlich nicht: Die Eröffnung musste verschoben werden und ein Musiker, der am Abend aufgetreten ist, erzählte, dass noch am Nachmittag die Fugen der Treppen ausgebessert wurden.

Eine Besucherin stellte uns zudem ein Bild zur Verfügung, das zeigt, dass nicht alle Toiletten eingebaut waren:

Bild: Leserreporter/zvg

Und die Wegweisung zum Club im Untergeschoss muss ebenfalls noch ausgebessert werden. Nur wenige Besucher verirrten sich etwa an den Auftritt von Yokko: Zeitweise waren nur rund 50 Menschen vor der Bühne im Raum, der bis 800 Leute fassen soll. Die Band nahm es gelassen und Sänger Adrian Erni sprang kurzerhand von der Bühne und tanzte mit einer Zuschauerin.

 

Musikfans werden die Halle lieben

Es war klar, dass die Samsung Hall zu Beginn noch an Kinderkrankheiten leidet. Die Entwicklung einer neuen Konzerthalle ist komplex und die Fehler erkennt man oft erst, wenn das Gebäude bereits genutzt wird.

Dafür werden Musikfans die Samsung Hall vor allem wegen der hervorragenden Tonqualität lieben. Etwas Vergleichbares gibt es nicht. Im grossen Saal – der mit Bligg und Gölä musikalisch eher uninteressant war – drang der Sound selbst in der hintersten Reihe kristallklar ans Ohr. Der Bass wummert und donnert, ohne dass nur auch eine kleinste Schraube im Raum scheppert.

Auch im Club war der Klang erste Sahne. Es ist der grosse Pluspunkt einer Halle, die neu gebaut und speziell auf Konzerte ausgelegt ist. Eins ist klar: Die Samsung Hall wird sich zu einem beliebten Hotspots für Musiker und Konzertgänger mausern.

Am «schlechtesten» ist die Qualität in der stimmungsvollen Lounge. Wobei schlecht hier immer noch auf einem hohen Niveau gemäkelt ist.

Wieso noch aus Zürich rausgehen?

Spannend wird die Entwicklung der Konzertlandschaft sein. Mit der Samsung Hall erhält die Schweiz die erste Midsize-Halle, die die Lücke zwischen Venues wie dem Komplex 457 oder dem Z7 und den grossen Locations wie dem Hallenstadion schliesst.

Für einen Veranstalter gibt es objektiv betrachtet keinen Grund mehr, ausserhalb der Zürcher Peripherie zu organisieren. Sämtliche Grössen sind vorhanden: vom kleinsten Bar-Konzert bis zu Megaevents im Letzigrund. Ob sich die Veranstalter jetzt noch um Locations ausserhalb der grössten Schweizer Stadt bemühen, bleibt abzuwarten – insbesondere weil die technische Qualität der Samsung Hall für einige Jahre die anderen ausstechen wird.