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Mit Oomph konnte das Wochenende nur gut starten. Die Band macht auch nach 25 Jahren immer noch beste Stimmung und überzeugte musikalisch und gesanglich.

(Foto: zvg)

Oomph! überzeugen immer noch (Foto: zvg)

Huch, die sind ja alle frisch aus dem Ei geschlüpft. Am Freitagabend waren wir etwas sehr früh, gleich zur Türöffnung, im Komplex in Zürich und trafen auf eine Horde sehr junger Gothic-Mädchen und -Buben. Das Publikum setzte sich dann auch am späteren Abend eher aus jungen Leuten zwischen 16 und 22 Jahren zusammen. Das hatte Auswirkung auf die Stimmung. Schon bei Unzucht drehten die jungen Hüpfer voll auf und feierten begeistert, als wäre es ihr erstes Konzert (war es ja vielleicht auch).

Unzucht lieferten eine nette, sympathische Show. Musikalisch betrachtet, könnte ich mir aber vorstellen, dass, wenn Helene Fischer mal etwas Rockigeres produzieren möchte, Frontmann Daniel Schulz ihr perfekte Duettpartner wäre. Mehrheitlich spielten Unzucht brave Lieder und es gab höchstens zwei Songs, die ihrem Namen von der Härte und den Lyrics her gerecht wurden. Immerhin gab es noch ein schönes Oben-ohne-Muskelspiel vom Gitarristen.

Oomph bewegten und berührten

Überrascht hat mich der Start bei Oomph. Statt einem knalligen Song, spielten sie als erstes Alles aus Liebe zu dir von ihrem neuen Album XXV. Vielleicht wollten sie sich etwas an die Schlager-Rock-Parade von Unzucht anpassen. Dero Goi hielt aber das Publikum trotzdem, wie gewohnt, ab erster Sekunde an der Leine. Während des ganzen Konzerts forderte er zum Jubeln, Schreien, Fäuste ballen, Hüpfen und auch zur Wall of Death auf. Man folgte im Schritt auf Tritt. Wir wissen es ja schon länger: Er ist der neue Gott.

Und Gott gab auf der Bühne alles: Er schnitt Grimassen, tanzte wild umher und wagte sogar einen Stage Dive. Es war klar, dass Oomph, als sie We will Rock nach dem ersten Song anstimmten, dies genau so meinten. Respekt, dass die Band nach 25 Jahren mit immer noch so viel Freude und Elan dabei ist.

Für ihr langes Bestehen bedankte sich Goi bei den Fans. Ein kleiner Diss lag darum noch drin. Er wies darauf hin, dass sie heute zu siebt auf der Bühne stehen, denn alles sei live, handgemacht ohne beschissene Loops. Dies sei nicht selbstverständlich in der Neuen Deutschen Härte Szene. Oomph spielten den ganzen Abend astrein und brachte einen guten Mix an alten – also wirklich sehr alten wie Das weisse Licht – und neuen Songs.

 

Auch zwei wunderschöne Balladen, bei denen Gois Stimme super zu Geltung kam, fanden wie immer Platz. Vor allem Auf Kurs ging, wie schon bei den letzten Auftritten, ganz tief unter die Haut und riss ein kleines Stück Narbe im Herzen wieder auf. Eine wunderbare Reise durch die lange Oomph-Geschichte. So fragte Goi das Publikum: Wer weiss, welches unser erster Song war? Betretenes Schweigen. Nur ein Fan wusste oder getraute sich die Antwort mit Sicherheit zu rufen: Mein Herz! Alles klar, auch das wurde gespielt.

Mein Herz hüpfte, litt und freute sich zu gleich an diesem Abend. Und so kam ich wieder einmal wortwörtlich bewegt und verschwitzt aus dem Komplex. Oomph – ein genialer musikalischer Mix mit Texten, die berühren. Auch die nächsten 25 Jahre gerne immer wieder.