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Die Broilers haben am 3. Februar ihr mittlerweile siebtes Studioalbum «(sic!)» veröffentlicht – das erste unter eigenem Label Skull & Palms Recordings. Grund genug, der Schweiz einen Besuch anzuhalten. Allerdings beliessen es die Düsseldorfer nicht bei einem Konzert, sondern boten den Schweizer Fans gleich drei Möglichkeiten, sie zu sehen.

Gleich zu Beginn holten die Broilers ihre Fans mit Zurück zum Beton und Tanzt Du noch einmal ab, bevor sie mit den Stücken des neuen Albums loslegten. (sic!) ist deutlich politischer ausgefallen als der Vorgänger Noir, gleichzeitig aber auch viel geradliniger. Das merkte man schon beim ersten neuen Song Bitteres Manifest, der auch als Vorabsingle seit dem 2. Dezember 2016 verfügbar war.

Vom insgesamt 27 Lieder umfassenden Set stammten acht vom neuen Silberling – stolze zwei Drittel der neuen Tracks wurden auf das Publikum, dass sich als ausgesprochen textsicher herausstellte, losgelassen.

Neben der Textsicherheit zeichnete die Besucher – zumindest in Zürich, wo Negative White mit dabei war – eine grossartige Kollegialität aus. Im Moshpit wurde nach verlorenen Handys mitgesucht, gestürzten Pogern wurde sofort wieder auf die Beine geholt und dem Rollstuhlfahrer wurde zu einem besseren Blick verholfen, indem man ihn kurzerhand mitsamt Rollstuhl über die Köpfe hob, wo er dann einen Song mit bestem Blick auf die Bühne geniessen durfte.

Man merkte dem Quintett die über 20 Jahre Bandgeschichte an. Das Zusammenspiel von Sammy Amara, Andi Brügge, Ines Maybaum, Ron Hübner und Chris Kubczak harmonierte perfekt. Niemand versucht sich in den Vordergrund zu drängen, jeder kriegte seinen Raum, was natürlich bei Chris am Keyboard und Andi am Schlagzeug etwas schwieriger war.

Die Broilers dankten dem Publikum mit einer intensiven und abwechslungsreichen Show, bei der vor allem die Bühnenpräsenz der drei Saitendrescher dominierte und die LED-Leinwand an der Rückwand eigentlich völlig überflüssig machte. Wenn die Musik mit einer solchen Wucht beim Hörer ankommt, dass solche Show-Gadgets gar nicht mehr auffallen, hat man als Band alles richtig gemacht.

Manch einer ging mit blauen Flecken nach Hause und sah diese als Trophäen eines perfekten Abends an. Und bei Ihr da oben hatten auch viele der härtesten Punks feuchte Augen, denn mit diesem Lied ist den Broilers eines der schönsten Requiems der letzten Jahre gelungen.

Die Broilers beziehen mit (sic!) politisch Stellung, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger rumzufuchteln. Dennoch kommt ihre Message deutlich rüber und sie ist heute leider wichtiger denn je. Auch wenn klar ist, dass sie sich primär auf die Vorfälle in Deutschland beziehen, so sind die Texte, dadurch, das nie konkrete Namen wie Pegida oder AfD fallen, allgemeingültig.

 

Und Zeilen wie

Auf einem Haufen steckt man Bücher an,
die Kunst verlässt das Land,
die Musik entartet,
der Rest ist uns bekannt.Keine Hymnen mehr
 oder

Wir haben’s in der Hand gehabt, das Wissen der Welt.
Wir haben lieber Katzenbilder ins Netz gestellt.
Es stand alles in Büchern, die Alten lebten noch.
Wir haben nicht gelesen, nicht gesprochen, weggeschaut, uns verkrochen.Als das alles begann
sprechen ein deutliche Sprache. Eine Sprache, die sich leider die wenigsten Künstler zu gebrauchen trauen. Deshalb an dieser Stelle ein Dankeschön nach Düsseldorf für den Mut, sich gegen den Rechtspopulismus zu stellen und natürlich auch für einen genialen Konzertabend.

Tipp an Mainland Music: Wenn ihr die Broilers das nächste Mal in die Schweiz holt, macht doch Kombi-Tickets: Konzert und Massage. Denn letztere hätte ich nach diesem Abend definitiv gebraucht.