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Nennt man sich Student, weil man in der Uni eingeschrieben ist oder ist es ein Gefühl, das daher rührt, wie intensiv man sich mit einem Thema beschäftigt?
Anna Aaron, «gefühlte Studentin», über Neuentstehung, Abschluss und Wendepunkt. Was eigene Verantwortung wahrnehmen, mit «sich freitanzen» zu tun hat.

Anna Aaron

Anna Aaron

Bald trittst du auf die Bühne, ändert sich etwas bei dir, bist du eine andere Person?

Eigentlich nicht, aber ich trete schon in einen gewissen Zustand, in dem ich nicht jeden Tag bin. Es ist vor allem ein Sinn für Verantwortung, den ich wahrnehme gegenüber dem Publikum und gegenüber meinen Bandmitglieder. Bevor ich auf die Bühne gehe, versuche ich mich zu reinigen, so dass die Kraft fliesst, um eine Verbindung mit den Leuten im Publikum aufbauen zu können.

Spirituell angehaucht?

Ich würde nicht unbedingt sagen spirituell. Aber Ich bin der Meinung, man kann nur so viel geben, wie man selbst bereit ist, sich hinzugeben.

Du bist christlich erzogen worden, setzt du dich in deinen Liedern damit auseinander?

Nicht bewusst, aber ich kann es gar nicht verhindern, dass gewisse Element einfliessen. Es gibt im Leben diesen Krisenpunkt an dem man alles hinterfragt. In diesem Moment fühlt es sich an, als ob die Welt zerbrechen würde. Alles was bis anhin einfach selbstverständlich war, wird hinterfragt. – Oh Gott, wer bin ich eigentlich? – Bei manchen trifft dieser auch nie ein (lacht). Es ist eine massive Krise. Aber ich glaube es ist etwas Positives, ich bin mir sicher an diesem Punkt wächst man. Momentan beschäftige ich mich dem Kreislauf von Tod zu Leben. Genau auch wie bei dieser Krise, die auch eine Art Tod darstellt und danach die Wiedergeburt kommt.

Auch bei deinem Album «Neuro» entstand wieder etwas Neues…

Genau, obwohl es für mich eher für einen Abschluss steht. Die Themen, mit denen ich mich beschäftige, ändern sich ständig und sind trotzdem miteinander verbunden. Obwohl ich nicht mehr an der Uni bin, fühle ich mich immer noch, als würde ich studieren. Die Lieder die entstehen sind dabei nicht unbedingt das Hauptergebnis.

Nehmen wir an das Konzert gelingt nicht, das Band zum Publikum kann nicht hergestellt werden. Du hast zuvor eine eigene Verantwortung erwähnt, gibst du demnach dir die Schuld?

Da spielen viele Faktoren mit, allein die Technik beispielsweise spielt eine grosse Rolle oder wenn das Publikum nicht vorbereitet ist. Obwohl, das kann auch positiv sein; ins kalte Wasser geworfen zu werden, wirkt schockierend. Das Element des Schocks kann in zwei Richtungen gehen, das Publikum öffnet sich oder verschliesst sich.

Wenn also Technik stimmt und das Publikum vorbereitet ist, fällt die Verantwortung auf dich zurück?

Wenn ich keine Blockaden spüre, hatte ich nie das Gefühl kein gutes Konzert gespielt zu haben. Wenn ich unzufrieden von der Bühne gehe, dann liegt es daran das ich Blockaden nicht abbauen konnte.

Dein Tanz führt zu einer intensiven Bühnenpräsenz, hat das auch etwas mit Blockaden abbauen zu tun?

Ich glaube Körper und Geist korrespondieren zusammen und beeinflussen einander. Ich tanze mich auf eine Art und Weise frei.

Tanzt du dich heute frei?

(lacht) Ja. Auf jeden Fall!