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Jetzt ist er nicht mehr so allein im Norden: North Alone meldet sich mit neuem Album «Cure & Disease» zurück, dieses Mal mit kompletter Bandbegleitung und ein paar Überraschungen.

Artikel 2015-02-28 North-Alone-Cure-Disease Artikelbild

Schon beim ersten Anspielen der Scheibe fühlte ich mich zurück versetzt ins mittlerweile abgerissene Molotov am Hamburger Kiez, wo ich 2012 den sympathischen Folk-Punk Manuel Sieg, respektive sein (damaliges) Solo-Projekt North Alone, zum ersten Mal zu hören bekam. Dieselbe in Jameson marinierte und mit unzähligen Zigaretten gewürzte Reibeisenstimme, die schon auf dem inzwischen vergriffenen Debütalbum Collecting Pictures für Gänsehaut sorgte. Dasselbe virtuose Geigenspiel von So-Kumneth, dasselbe tiefgründige Songwriting und doch so viel mehr Dank der Unterstützung seiner Band, welche dem Sound nun endlich die Tiefe verleiht, die seine Texte schon immer hatten.

Elf Songs sind auf Cure & Disease zu finden, viele neu, einige Neuinterpretationen von alten Liedern. Durch die Neuvertonung mit der kompletten Band klingen aber auch die alten Stücke erfrischend anders. Stellte das Gitarrenspiel von Manuel und die Violine von So-Kumneth bereits eine harmonische Basis für Lyrics, so eröffnet der Einsatz von Schlagzeug, Bass und E-Gitarre wunderbare Klangkompositionen, die alleine schon den Kauf des Albums wert wären. Dazu gesellen sich die neuen Songs, die das Reisethema sowohl wörtlich wie auch im übertragenen Sinne weiterführen. Jeder einzelne erzählt ein Stück aus der Reise durch sein Leben. Wie Ingo Donot es so schön formuliert hatte: «Wer viel reist, hat halt was zu erzählen.»

Auf den Inhalt der fünf alten Songs gehe ich an dieser Stelle nicht ein, sondern verweise gerne auf meine Rezension von Collecting Pictures. Die Songs sind noch genauso wahr wie vor zwei Jahren, nur klingen sie jetzt noch viel mächtiger, nicht zuletzt dank den Guestvocals von John E. Carey Jr. (Old Man Markley) bei Old Dog Barking.
Manuel ist allerdings nicht bei Nuklear Blast unter Vertrag und muss deshalb nicht jeden Song auf 2-3 Alben recyclieren, sondern darf auch neue Lieder schreiben. Das hat er auch für Cure & Disease getan.

Mit dem Titelsong Cure & Disease erzählt er die Geschichte einer gescheiterten Liebe, bei der sich eine Seite noch immer (vergeblich) um deren Erhalt bemüht. Der Bass von Michael Groom steckt mit der Violine von So-Kumneth die Grenzen des Sounds ab und bieten so den übrigen Instrumenten viel Raum, den sie geschickt nutzen. Chis Knokes E-Gitarre bei The Last Inch überrascht, gibt dem Song aber zusätzlichen Drive, den er bei dem melancholischen Text auch dringend nötig hat. «There ain’t no new love songs to write.», singt Manuel. So hoffnungslos die Lyrics auch erscheinen, die Musik dazu verspricht Hoffnung. Ein wunderbarer Kontrapunkt.

Black Water ist der wohl melancholische Track des Albums. Auf keinem anderen Stück des Albums klingt die Geige so wehklagend wie hier. Der ganze Song ruht auf dem Gitarrenspiel und dem Gesang von Manuel. Schlagzeug und Violine setzen nur dezent Akzente und stellen das Songwriting in den Vordergrund. Doch Melancholie soll nicht vorherrschen und so kommt die Uptempo-Nummer Some Other Day gerade recht um die Stimmung wieder aufzuheitern.

Die wichtigste Nummer des ganzenAlbums ist aber Shatter My Ashes Into The Sea. Eine wunderschöne Hommage an das Leben und die Vergänglichkeit. Die Gastvocals von Ian Cook (Larry And His Flask) geben dem eh schon grenzgenialen Song noch mehr Wirkung.

When the day comes that I should die.
Put my guitar in my coffin,
Hand it over to the fire.
Scatter my ashes into the sea.

Manuel Sieg hat hiermit einen Song erschaffen, der ihn überleben wird. Zeitlosigkeit in eingängige Worte gefasst. Einfach nur ganz grosses Kino.

Der letzte neue Song ist Greetings From Someone Else, ein Song über einen einsamen Musiker, der alles verloren und nur noch seine Musik hat.Darüber, wie man sich im Lauf des Lebens verändert, sich selber findet und doch alte Liebschaften nicht aufgeben will. Dieser innere Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Aber am allermeisten singt er allen Musikenthusiasten aus denn Herzen mit den folgen Zeilen aus The Road Most Traveled:

Why do you stand next to the stage
And talk the whole time.
Will you show some respect,
Be quiet for a while.

Mehr braucht es eigentlich nicht zu sagen.

Release:
23. März 2015

Label:
Country Bumpkin Records

Tracklist:
01 – Cure & Disease
02 – The Last Inch
03 – Black Water
04 – Some Other Day
05 – Scatter My Ashes Into The Sea (feat. Ian Cook)
06 – Hydrogen Peroxide
07 – Old Dog Barking (feat. John E. Carey Jr.)
08 – Missing Heart Shadow
09 – Greetings From Someone Else
10 – Inscription
11 – The Road Most Travelled