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Die niederländische Symphonic Metal-Band Epica zeigte einmal mehr, dass Pratteln die Metal-Hauptstadt der Schweiz ist und verzauberte ein beinahe ausverkauftes Z7 mit einem grossartigen Konzert.

Die Halle des Z7 war schon zu Beginn des Auftritts des ersten Support-Acts gut gefüllt. Xandria, so der Name der etwas in Vergessenheit geratenen Band aus Deutschland, legten mit einer kraftvollen Performance los und schufen einen soliden Grundstein für einen erstklassigen Konzertabend. Manuela Kraller, die mittlerweile dritte Sängerin der Band, muss sich auf keinen Fall hinter ihren Vorgängerinnen verstecken und vermochte auch die alten Songs mit gleichem Elan und Hingabe zu singen, wie die Tracks vom neuen Album Neverworld’s End. Leider war das Publikum noch etwas verhalten, was aber weniger am Auftritt von Xandria lag sondern wohl eher daran, dass viele noch auf Freunde, die es noch nicht bis in die mittlerweile immer stärker gefüllte Halle geschafft hatten oder an der Bar auf ihre Getränke warteten. Doch spätestens bei ihrem Evergreen Ravenheart, der dann auch schon der Abschluss ihres mit 7 Songs leider sehr kurzen Sets war, hatte die Band das Publikum in der Hand. Ein schöner Beweis für Kollegialität in der Metal-Szene ist die Tatsache, dass Bassist Fabio d’Amore (Serenity) kurzerhand als Ersatz für Nils, der wegen eines Unfalls die Tour leider verpasst, eingesprungen ist.

Nach einer kurzen Umbaupause, die – mit Besuchen an der Bar, Klo oder Merchandisestand – schnell überbrückt war, standen die Landsleute von Epica auf der Bühne. Hierzulande sind Stream of Passion eher noch etwas unbekannt, doch nach diesem Abend werden sie sicher auch hier viele neue Fans dazugewonnen haben. Stimmlich passte die Mexikanische Sängerin Marcela Bovio perfekt zwischen Xandrias Frontfrau Manuela und Simone Simons von Epica. Mittlerweils war das Z7 rappelvoll – zwischen 1400 und 1500 Besucher sollten anwesend gewesen sein – und die Stimmung im Publikum war sehr gut. Die Niederländer rockten die Bühne und rissen das Publikum mit; kurz, sie leisteten Bestarbeit als Vorband. Von Stream of Passion wird man sicher auch in Zukunft noch hören und ihre Performance zeigte, dass sie auch als Haupt-Act eine gute Figur machen würden.

Noch eine Umbaupause, noch ein Besuch an der Bar und am Merchandisestand, dann verdunkelte sich die Halle zum letzten Mal. Der Bühnenaufbau mutete schlicht an, war aber extrem effektvoll. Je vier Moving Heads, an geschungenen Stangen über dem Keyboarder und dem Drummer sorgten für dynamisches Licht und unterstützten die ausgeklügelte Lightshow perfekt. An dieser Stelle ist dann auch ein Lob an die Licht- und Soundtechniker fällig. Sehr atmosphärische Lightshows und sauber abgemischter Sound unterstützten die Bands den ganzen Abend über und sorgten für eine Stimmung, welche das gesamte Z7 in Euphorie versetzte. Schon vor dem ersten Ton der Mezzosopranistin Simone war die Stimmung in der Halle am Kochen und sie steigerte sich im Verlauf des Konzerts nur noch. Einer der Höhepunkte des Auftritts war der Song Cry for the Moon, bei welchem die Bühne zunächst in violettes Licht, durchzogen von einigen weissen Strahlen, gehüllt war. Die visuelle Komponente unterstrich das Ambiente des Songs in einer solchen Perfektion, dass mancherorts Freudentränen in den Augen der Besucher auszumachen waren. Generell wurden die Emotionen der Songs so stark aufs Publikum übertragen, dass man teilweise das Gefühl hatte, die Präsenz der Musik regelrecht spüren zu können. Ein weiteres Highlight war das Drum-Solo von Ariën van Weesenbeek, welches die Besucher zu Begeisterungsstürmen verleitete und sich durchaus mit den Soli von Mike Terrana messen konnte.

Ein gepflegter Konzertabend lebt aber nicht nur von der Musik sondern auch von der Stimmung im Saal, welche sich am Freitag schon während dem Auftritt von Xandria von „typisch schweizerisch verhalten“ auf „gut“ verbessert, von Stream of Passion auf „sehr gut“ gesteigert wurde und bei Epica einfach nur noch „gigantisch“ war. Das Publikum sang von der ersten Reihe bis zum Merchandisestand am andern Ende der Halle lautstark mit und man wurde das Gefühl nicht los, dass alle das Konzert gleich noch ein zweites Mal miterleben wollten. Dass sich die beiden Support-Acts auch noch unters Publikum mischten und teilweise auch gleich selber Shirts und CDs verkauften, mit den Fans rumalberten und bereitwillig Autogramme verteilten, gab dem Abend trotz der Menge an Besuchern ein familiäres Ambiente. Besten Dank an dieser Stelle noch an Xandrias Gitarrist Philip Restemeier für das spendierte Backstage-Bier. Selten konnte ich an einem Konzert so wenig kritisieren wie an diesem Abend. Die Zusammenstellung der Vorbands passte perfekt zum Hauptact, Licht und Ton liessen keine Wünsche offen, die Stimmung war herrlich – es hätte noch stundenlang so weitergehen dürfen.

To everybody: Job well done!