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Die Zürcher Band Redwood und das Nordportal Baden luden zu einer Unplugged-Session. Zahlreiche Besucher waren dem Ruf gefolgt und durften einer energiegeladenen Performance der zum Quartett geschrumpften Band beiwohnen.

Die Räumlichkeiten im Saal Fjord des Nordportals in Baden sind zwar nicht übermässig gross, doch waren sie gut gefüllt als am Donnerstag Abend ein kleines unplugged Set auf dem Programm stand. Einige aus dem Publikum genehmigten sich noch während dem abschliessenden Soundcheck ein leckeres Abendessen – Kompliment an die Küche an dieser Stelle, das Essen war wirklich sehr gut – während andere sich mit Smalltalk über einer Stange Bier die verbleibende Zeit bis zum Auftritt von Redwood vertrieben.

Schon während den Vorbereitungen waren die Musiker gut gelaunt und immer für ein Spässchen zu haben. Diese gute Laune haben sie zum Glück den ganzen Abend nie verloren und das gesamte Publikum damit angesteckt. Nach einer kleinen Pause – scheinbar essen auch Musiker mal – betraten die drei Jungs und Nicole Kammermann die Bühne wo sie sie auch gleich zum ersten, aber nicht letzten, Mal improvisieren mussten. Mark Lim hatte seine Mundharmonika im Backstage vergessen und durfte sich kurzzeitig sportlich betätigen, was dem Rest der Truppe etwas Zeit gab, mit dem Publikum ein paar Spässe zu treiben.

Relativ pünktlich um 20:30 startete das gut 90-minütige Konzert und die Band hatte sämtliche Zuschauer ab dem ersten Ton in ihrem Bann gezogen. Der Sound war sehr sauber abgemischt – gerade bei solch eher kleinen Konzerten leider die Ausnahme, deshalb ein dickes Lob an den Mischer – das Bühnenbild für ein Unplugged-Konzert bewusst schlicht gehalten und der ganze Fokus lag auf den vier Musikern: sie haben praktisch „nackt“ gespielt und damit eine Atmosphäre geschaffen, wie man sie leider nur all zu selten antrifft.

Während des ganzen Konzertes scherzte sie Band mit den Besuchern und freute sich riesig, wenn das Publikum mitsang. Die lockere Stimmung sorgte dafür, dass man sich gar nicht mehr als Zuhörer an eine Konzert sondern viel mehr als ein Kollege von talentierten Musikern, die gerade mit Freunden eine entspannte Jam-Session abhalten – familiärer wäre der Abend kaum möglich gewesen.

Das Set, das verständlicherweise vornehmlich Songs ihren erst kürzlich erschienen Albums A 1000 Punches beinhaltete, war passend auf den Auftritt mit „den Hölzernen“ – was gemäss Gitarrist Mark ein paar Entschärfungen hier und da erforderte – abgestimmt. Auch wenn man die Band nicht bewusst kennt, den einen oder andern Song hat man sicher schon am Radio gehört – Oh Yeah zum Beispiel – und da sich die Musik von Redwood durch sehr eingängige aber alles andere als langweilige Melodien und Rhythmen auszeichnet und von der soliden Stimme von Nicole, welcher Chris von Rohr bestimmt das gewisse Quäntchen „meh Dräck“ attestieren würde, getragen wird, fühlt man sich direkt zu Hause und wippt zumindest mit. Es war diversen Besuchern anzusehen, dass sie am liebsten alle Hemmungen über Bord geworfen hätten und sich einfach tanzend der Musik hingegeben hätten. Wie es scheint, sind die Schweizer noch etwas unsicher, was an einem Akkustikkonzert geht und was nicht. Kleiner Tipp am Rande: „Alles geht! Musik ist etwas Persönliches und wenn euch nach tanzen ist, dann tanzt!“

Ich habe selten eine Band erlebt, die mit solch offener ehrlicher Freude ihre Musik dargeboten und dem Publikum die ganze Zeit über das Gefühl gegeben hat, es wären alles die besten Kollegen der Musiker. Immer wieder gaben sie kleine Anekdoten zum Besten und scherzten – meistens über sich selbst – mit dem Publikum. Wir wissen jetzt, dass zumindest eine Metzgerei in Baden besser gerochen hat als eine Bäckerei – Namen werden an dieser Stelle bewusst weggelassen – gerochen (was ich als „weniger gestunken“ interpretiert habe) hat und das für Schlagzeuger Francescos Vegetariernase. Und dass Nicole auch noch singen kann, auch wenn sie gerade mit hochrotem Kopf vor lauter Lachen im Boden verschwinden würde, nachdem Mark sie auf einen kleinen Gestikunfall – die Songzeile war „raise your hand“, den Rest kann man sich denken – aufmerksam machte.
Man hat der Band angemerkt, dass sie trotz der kürzlichen Operation von Sängerin Nicole, die deswegen noch nicht ganz so fit auf den Beinen war, gerne noch länger gespielt hätten – offenbar hatten sie die Weisung, so um 10 Uhr ihren Auftritt zu beenden.

Redwood geben noch einige Konzerte in nächster Zeit, und wer sich’s einrichten kann, der soll unbedingt vorbeischauen: Ich habe noch nie eine solche ehrliche Freude auf der Bühne erlebt! Seit letztem Donnerstag ist meine Definition von einem perfekten Abend wie folgt: „Ein gemütliches Sofa, seinen liebsten Menschen im Arm, ein gut temperiertes Glas Rotwein in der Hand und dieses Konzert von Redwood…“

Redwood sind am 30. März nochmals in Magden AG zu sehen und wer sich einen gemütlichen Abend bei guter Musik gespielt von hervorragenden Musikern, die absolut auf dem Boden geblieben sind, zu Gemüte führen will, der sollte sich das Ticket besser heute wie morgen sichern.