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Nick Waterhouse zeigt auf seinem neuen Album «Holly» auf, wie Rock’n’Roll aus dem R’n’B abstammt. Nachdem er mit seinem Erstlingswerk «Time’s All Gone» einen Klassiker vorgelegt hat, steht nun die Frage im Raum, ob er daran anknüpfen kann.

Nick-Waterhouse_Holly

Gastbeitrag von Nicolas Saameli

Das Erste, was auffällt, wenn man Holly von Nick Waterhouse betrachtet, ist das überspiessige Cover. Eine relativ schöne Frau im weissen Kleid guckt darauf, scheinbar ein wenig missmutig gelaunt, aus der Wäsche und suggeriert, auf einer deutschen Schlagerplatte der 1980er Jahre gelandet zu sein.
Das soll nun also die Arbeit von Nick Waterhouse sein. Dem Mann, der es geschafft hat seine 2012er 7-Inch Single Some Place auf Online-Auktionspreise von mehreren hundert Dollar zu bringen und der mit seinem ersten Album Time’s All Gone einen modernen R’n’B-Klassiker geschaffen hat.

Holly beginnt ohne Intro in einem Schlag. Der erste Track High Tiding markiert zwar keinen Höhepunkt der CD, lässt mit drückenden Bläsern aber wissen, auf was man sich eingelassen hat. Bei den folgenden This Is a Game und It No. 3 ist man dann schon mitten im dreckigen R’n‘B des Albums und auf Let it Come Down zeigt Waterhouse, welche Theatralik er mit seiner Musik aufbauen kann.
Im Vergleich zu seinem ersten Album fällt bei Holly auf, dass Waterhouse das Album anders aufgenommen hat. War es bei Times All Gone noch charakteristisch, dass das Mikrofon häufig übersteuert wurde und die gesamte Aufnahme ein bisschen nach Vintage klang, tönt Holly nun sehr sauber. Ob dies so besser oder schlechter ist, sei dem Hörer selber überlassen. Zumindest bei Money oder Dead Room – wohl einem der besten Songs des Albums – hätte es zumindest gut gepasst.

Wer Holly von Nick Waterhouse bis zum abschliessenden Hands On The Clock durchgehört hat, versteht sicher besser, wie Rock’n’Roll aus R’n’B entstanden ist. Zwar bringt das Album keine grossen neuen Ideen auf. Die bewährten Mittel, die es einsetzt, beherrscht es aber perfekt und das muss so auch reichen.

Nick Waterhouse wird diesen Sommer im Gratisprogramm der Winterthurer Musikfestwochen spielen.