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Im ziemlich gut gefüllten Club abart lieferte die legendäre Rockgruppe Killing Joke eine mitreissende Show ab. Dabei verzichteten sie auf grosses Schwelgen in der Vergangenheit und legten den Fokus klar auf ihr neues Album «MMXII».

Der eine oder andere wird sich schon gedacht haben, dass eine halbe Stunde zwischen Türöffnung und Showbeginn recht knapp bemessen war. Die Bands kamen wohl mit Verspätung in Zürich an, weshalb sich der tatsächliche Beginn noch eine ganze Weile rauszog. Das Publikum nahm es gelassen hin und man genoss ein weiteres Bier an der Bar.

Eröffnet wurde der Abend von The Icarus Line aus Los Angeles. Blickfang war zweifellos Sänger Joe Cardamone, der den freien Oberkörper bloss unter eine Jacket verbarg, welchem er sich jedoch gleich nach dem ersten Song entledigte. Optisch wie Iggy Pop und die lasziven Hüftschwünge erinnerten gleich an Mick Jagger von den Rolling Stones. So konnte auch der Sound der Band, die bereits seit 1998 besteht, eingeordnet werden: harter Rock und Punk bis hin zu bluesigen Einflüssen. The Icarus Line spielte schnell, laut und schmutzig. Vor allem aber heizten sie dem abart gehörig ein, etwas, das nicht selbstverständlich ist für einen Support-Act.

Danach wurde das Publikum auf eine weitere Geduldsprobe gestellt, bis endlich die Stars des Abends – Killing Joke – die Bühne betreten würden. Doch dann endlich verdunkelte sich der Club wieder und die Engländer eröffneten mit einem Requiem, denn die Welt liegt im Sterben, doch zumindest die nächsten 18 Songs sollte gelebt werden wie nie zuvor, denn auf der Bühne stand Killing Joke! Die Musiker begeisterten mit ihrer Coolness nicht nur die Veteranen aus den 80er- und 90er-Jahren, sondern auch jüngere Gesichter. Frontmann Jaz Coleman zog alle in den Bann mit seiner ausdrucksstarken Mimik und Gestik: Mal riss er die Augen irrsinnig weit auf, dann zitterte wie ein unter Strom stehender Joe Cocker. Mit den Refrains, die mehrheitlich aus simplen Ausrufen bestanden, konnte das Publikum schnell gewonnen werden, das tatkräftig die Lungen strapazierte.

Gleich der zweite Track war ihr melancholischer Hit Love Like Blood, womit die Band klar Position bezog, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sich auf das Hier und Jetzt mit dem neuen Album zu konzentrieren. Dass das wohl bekannteste Stück gleich zu Beginn gespielt wird, hatte auch den Vorteil, dass das Publikum gleich voll ins Konzert einstieg. Killing Joke tobten und stampften mit Sun Goes Down weiter, die Menge frenetisch begeistert. Auch neue Songs wie das langsam dröhnende, marschierende Fema Camp fanden Einzug in die Setlist und wurden gut aufgenommen. Killing Joke holzte und klotzte mit ihrem brachialen Sound gewaltig durch den Abend. Industriell im grossen Stile dampfwalzten sie durch ihre Klangwelt, unterstützt von einer johlenden, applaudierenden Menge. Am Ende folgten alle ins Pandemonium und Killing Joke haben ein weiteres Mal bewiesen, dass sie immer noch zurecht auf der Bühne stehen.