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Nur neun Monate nachdem Airways als Vorgruppe von Nothing But Thieves das Zürcher Dynamo rockten, kehrte das englische Quartett wieder an Ort und Stelle zurück um selbiges nun als Headliner zu tun. Zwar im kleinräumigen Werk21, dafür aber kein bisschen kleinlaut.

Als ich um 20.15 Uhr die paar Treppenstufen ins Werk 21 hinab schritt, waren Raincoast bereits voll in ihrem Element. Die erst seit kurzer Zeit existierende Band gab gerade ihre erste Single Endless Summer wieder. Ausgerechnet mit diesem Lied konnte mich die Band bisher wenig begeistern, was mitunter auch ein Grund war, warum ich mich nicht wirklich zu ihrem Auftritt sputete. Doch die Neugier und der Umstand, dass das Internet noch recht wenig über die Basler verrät, wollte der Fünfer-Combo eine faire Chance geben.

Neue Sounds aus Basel

Die früh anwesenden Zuschauer beklatschten Raincoast herzlich und rasch wurde ersichtlich, dass einige mitgebrachte Fans extra für sie da waren. Ich persönlich war dann ganz froh, dass die Band noch ein, zwei elanvollere Nummern in petto hatte, so lenkte die Instrumentalisierung immerhin etwas davon ab, dass die doch sehr eigenwillige Stimme des Sängers inkompatibel mit meinem Geschmack zu sein scheint.

Kaum war dann der letzte Ton von Raincoast ausgeklungen, verliess das Publikum den Raum scharenweise. Alle nochmals kurz auf Klo, bevor Airways den Klub auseinander nehmen? Aber auch 30 Minuten später, als Airways schliesslich auf der Bühne standen, waren irgendwie weniger Leute da, als gerade eben noch bei der Vorgruppe. Oder war das nur mein Eindruck? Auch egal. Das Quartett aus Peterborough, England kümmerte sich schliesslich auch nicht darum wie viele Leute anwesend waren, sondern legte direkt einen mitreissenden Start hin.

Lasst die Gitarrenband von der Leine

Ganz unscheinbar mit dem entspannten Schlagzeug-Rhythmus aus One Foot, eröffneten sie ihre Show. Und von dem Moment, als die Gitarren gemeinsam einsetzten und über die Zuschauer wie eine gigantische Soundwelle hereinbrachen, war für mich der Fall klar: Dies konnte nur noch ein guter Abend werden. Die mir bereits bekannten Songs klangen live wie auf Platte, nur noch sehr viel druckvoller, ungezügelter und nahezu mächtig.

Der Funke auf die Fans sprang schnell über. Es wurden immer wieder Handys in die Höhe gehalten, mitgesungen und im Takt mitgewippt. Bei den treibenden Beats war dies auch nicht sehr verwunderlich. Zwischen den bereits veröffentlichten Liedern streuten Airways immer wieder Songs, die es dann auf der nächsten EP zu hören geben wird, wie Sänger Jake stets beteuerte. Anscheinend also doch noch kein Airways Debutalbum demnächst. Klingt aber trotzdem alles sehr viel versprechend, was da noch kommen kann.

Mit Substanz um zu bleiben

Der Fakt dass an diesem Abend mehr Leute vor dem Dynamo abhingen, als dass sie den Weg ins Werk 21 gefunden hätten, tat mir zwar für die Band ein bisschen Leid, aber der ausgelassenen Stimmung vor und auf der Bühne tat dies keinen Schaden. Besonders bei der neuen Single Alien und dem direkt darauf folgenden Reckless Tongue, die beide mit Tempowechseln spielen, war der Raum wie elektrisiert.

Einziges Manko am Konzert: Die verständlicherweise sehr kurze Spielzeit. Nach 40 Minuten Vollgas ohne Zugaben, war der Zauber bereits schon wieder vorbei. Wer wollte, konnte Sänger Jake und Bassist Jamie noch am Merchstand treffen und testen ob ihre coole, bodenständige Art auch abseits der Bühne Bestand hält.

Ich meinerseits möchte mein erstes Urteil nach ihrem Auftritt als Vorband bei Nothing But Thieves soweit revidieren, dass ich durchaus mittlerweile grossen Gefallen an der Musik von Airways gefunden habe. Die Kritik, dass die junge Band das Rad nicht neu erfunden hat, bleibt natürlich nach wie vor bestehen, aber dies ist auch nicht immer nötig. Allen die auf der Suche nach neuen Gitarrenbands sind, kann ich Airways nur wärmstens empfehlen. Sie haben sich einen festen Platz auf meiner Playlist erspielt und ich werde mich besonders freuen, wenn ich sie in naher Zukunft wieder einmal auf einem Konzert feiern darf.