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Es war der letzte Gig seiner allerersten Tour. Wincent Weiss performte im ausverkauften Komplex 457 in Zürich, was sowohl von den vorwiegend weiblichen Zuhörerinnen als auch von der Band selbst ausgiebig gefeiert wurde.

Den Abend eröffnete Alexander Knappe mit viel Witz, Charme und Energie. Dabei bediente er die unterschiedlichsten Emotionen: Mal brachte er die Zuhörer zum Lachen, als er einen Single-Aufruf an die Damenwelt startet. Man grinst vor sich hin, während er über die Bühne wirbelt und in sein Handy singt. Er berührt uns aber auch, als er die emotionalen Hintergründe zum Song mit dem schlichten Titel Du erläutert. Diesen Song widmete er seinem Vater und besingt dessen Verlust der Liebe seines Lebens.

Unter lautem Gekreische wurde dann Wincent Weiss auf der Bühne begrüsst. Dass Alexander Knappe und  junge Frauen anspricht, ist nicht weiter verwunderlich. Dennoch war der Altersdurchschnitt deutlich tiefer als erwartet, was mir auch die anwesenden Mitarbeiter des Medical Staff bestätigten. In der ersten Reihe wurden Plakate in Herzform und Lichterketten hochgehalten. Eins davon zeigte Mark Forster mit «Kogong Kongong». Wer den Zusammenhang kennt, soll mich doch bitte aufklären. Aber für mich wirkte es, als würde es auch Wincent Weiss kurz irritieren, als er es mit «Mark Forster… okeee» kommentierte.

Tourabschluss mit Überraschungen

Der junge Musiker freute sich wie ein Honigkuchenpferd, dass er seinen Tourabschluss vor ausverkautem Haus feiern konnte. Immer wieder spielten ihm die Bandkollegen und Crewmitglieder kleine Streiche, die ihn für einen Augenblick aus dem Konzept brachten und man ihn lachen sah.

Ab und zu flogen zwischen den einzelnen Songs Gegenstände auf die Bühne, die auch immer kommentiert wurden. 

«Meistens bekomme ich immer dieselben Geschenke: Schokolade, Gummibärchen und Alkohol. Ich finde das eine geile Mischung, könnt ihr gerne beibehalten.»

Doch auch er selber sorgte für einige Überraschungen. Beispielsweise schnappte er sich ein Handy von einer Zuhörerin aus der ersten Reihe, schoss ein Selfie von sich mit der Menge im Hintergrund und sagte: «Lannst du mir das bitte schicken? Danke!» Grosses Gelächter im Saal, weil sich jeder fragte, wie sie jetzt wohl zu seiner Nummer kommen könnte.

Dann kreischen die jungen Fans plötzlich lauter als zuvor und dem Publikum im hinteren Bereich wird klar weshalb, als er plötzlich auf dem Mischpult steht. Nach Songende entschuldigt er sich für das Drängeln, Geschiebe und die eingesetzten Ellenbogen, aber der Saal sei halt doch voller als erwartet. Kleiner Hinweis, Wincent: Vermutlich wäre es auch bei einem halb so vollen Saal eine ähnlich enge Gasse gewesen, das lässt sich niemand entgehen, einen Star so hautnah zu erleben. 

Die Tontechniker dachten sich, wenn Wincent schon mal da ist, könne man ihm doch gleich einen Drink anbieten. Erst zögert er, leert das Fläschchen dann aber in einem Zug und meint, genau so stelle er sich ein gelungenes Tourende vor. 

Stimmliche Kostproben

Die meisten Leute denken, der junge Typ hat nur Popsongs und Balladen im Gepäck. Dass er aber privat fast nur Metal hört und sich in ihm auch eine rauhe Stimme versteckt, wissen die meisten nicht. Eine Kostprobe erhalten die Anwesenden aber beim Song Weck mich nicht auf, den er in einer rockigen Version zum Besten gibt.

Auch Gitarrist/Keyborder Benni Freibott begeisterte stimmlich, als er am Ende des Songs Regenbogen kurzerhand Somewhere over the Rainbow anstimmte oder im Medley bei einigen Songs performte.

Ungefähr in der Hälfte des Konzerts erhielt das Publikum die Anweisung, bei folgenden Medley «Best of Deutsch» mitzusingen. Wer den Text nicht kenne, solle nach links oder rechts schauen und einfach dasselbe brüllen wie der Nachbar. Während gut fünf Minuten performte die Band im Sitzen, spielten auf Mini-Instrumenten und bedienten sich den unterschiedlichsten Genres. Auch hier wurden alle mit viel Witz und Charme in die grosse Party eingebunden, aufgefordert mitzusingen oder das Komplex in einen Hip-Hop-Schuppen zu verwandeln und wie an einem Rapkonzert abzufeiern. Ob sie eine Medley-Zugabe gaben, weil der Saal so ausgelassen mitsang und hörbar Spass hatte? 

Gelungener Tourschluss

Seine mit Gold ausgezeichnete Single Musik sein durfte natürlich auch nicht fehlen. Einziger Haken: nicht er sang, sondern wir. Und er feuerte immer lauter und vehementer an, wir sollen lauter und noch lauter singen. 

«Das ist der Tourabschluss und ihr habt die Arschkarte gezgen, Leute. Ihr seit doppelt so viele Leute wie in Bern, also müsst ihr auch doppelt so laut singen. Da müsst ihr jetzt durch.»

Unabhängig davon, ob sie an jedem Konzert eine so energiegeladene und abwechslungsreiche Performance hingelegt haben: vermutlich hatte nicht eine einzige Person im Saal das Gefühl, mit diesem Abend die Arschkarte gezogen zu haben. Im Gegenteil, sie feierten ihn bis zum letzten Song und  können es vermutlich kaum abwarten, Tickets für das nächste Konzert zu ergattern.

 

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