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Trotz markanter Neuerung, das jährliche Bergwerk-Event bei Flums auf zwei Abende auszuweiten, hat sich zum letzten Jahr weniger verändert, als erwartet.

Der neue Anstrich des Versuchsstollens Hagerbach schien das Farbthema des mittlerweile in der Gothic-Szene etablierten Events Eine Nacht im Bergwerk vorzugeben: blau. Die Gänge des Stollens waren dieses Mal mit LED-Leuchten so gut ausgeleuchtet, dass man nicht mehr Gefahr lief, auf dem unebenen Boden in ungesehene Matschpfützen zu treten oder mit den hochhackigen Demonia-Boots unerwarteterweise auf den Gleisen auszurutschen. Jedoch hat dadurch das ganze Event auch massiv an Atmosphäre eingebüsst. Blaue Strom-Strahler sind nun mal nicht so gothiclike wie die Gänge säumenden Wachskerzen der vergangenen Jahre.

Blaues Stollentor. Bild: Francesco Tancredi.

Von Stockholm, über Kanada nach Italien

Zugegeben, ein Konzert tief in einem Schweizer Bergwerk zu erleben ist ein wahrlich einmaliges Erlebnis. Sowohl für Zuhörer als auch für Künstler. So haben sich beispielsweise am Samstag die vierköpfige Band Principe Valiente mit ihrem Batcave-Sound ideal in die Szene eingefügt. Die etwas bewegungslosen, mimikarmen Stockholmer mit ihrem Glitter-Sci-Fi-80ies-Outfit wirkten äusserst passend zum vorherrschende feucht-kalten Ambiente – der perfekte Sound für die Gothromantiker, die den grössten Teil des Minen-Publikums ausmachte.

Die alteingespielten Goth-Musiker Escape With Romeo aus Deutschland verzichteten dafür ganz auf Gruftiekleidungsschnickschnack und verliessen sich komplett auf ihren vollmundigen Sound, mit dem sie den dekokargen Steinkeller gekonnt mit bassigen Klangfarben schmückten. Ein solides, aber etwas applausarmes Schweizer-Adieu ihrer diesjährigen Abschiedstour.

«Lieber mehr Rock und Metal, dafür weniger Bands.»

Spätestens mit dem Auftritt der deutschen Dark-Wave-Legenden Deine Lakaien wurde klar, dass das Bergwerk-Samstagsprogramm die ältere Generation der dunklen Szene anvisiert hat, die sich beim Avantgarde-Sound der 80er-Welle am wohlsten fühlt. Dabei wurden die Szenegänger mit breiter gefächertem Musikgeschmack leider nur wenig bedient.

Wenngleich Vokalist Veljanov und Instrumentalvirtuose Horn ihr Akustik-Programm zum Besten gaben, so war ihr Klassiker Over and Done trotz abwesendem Synthesizer mein persönliches Highlight des Abends. Mehr Gothic geht nicht. Sogar die dunkelromantische Dramatik war inkludiert, als Alexander versehentlich sein Mikrophon aussteckte und durch einen Kurzschluss zwei hörbare Stromschläge abbekam, weswegen der Bühnenhengst schlagartig die Stage verliess und das Programm nach einer kurzen Schockpause wieder aufnahm.

Band-Name ist Programm. Bild: Francesco Tancredi.

Synthastisch ging es mit den Kanadier Psyche weiter, die mit ihrem selbstredenden «experimentierfreudigen» Sound den Synthesizer schnurren liessen. Die Darbietung vom sich am Boden rumwälzenden «Mr. Happyface Jazzfingers» war fürwahr etwas gewöhnungsbedürftig und man fragte sich, ob die Kreisch-Schrei-Parade elementar für die kanadische New-Wave-Musik sei. Aber ganz im Sinne der gothicalen Toleranz wogte und tanzte das hyperzivilisierte Publikum anerkennend mit, als das Bass&Synthie-Highlight Youth of Tomorrow durch die Minenhalle schallte.

Während der Bühnenshow von Kirlian Camera wurde klar, weswegen sie als «Schlusslicht» des Konzertteils im Bergwerk auftraten. Ihre von Videoinstallationen unterstützte Bühneninszenierung war ein Spektakel sondergleichen. Dagegen hätten alle bisherigen Bands farblos und karg gewirkt. Die kontrastreiche Musik – rhythmisch hämmernden Marschierbeats zu choralen Tönen gepaart mit melodiöser weiblicher Frontstimme – bildete ein fulminantes Finale der Liveacts.

Sidestories

«Ich werde nächstes mal schauen, wie das Line-up ist und ob der Sektor Angst wieder aktiviert wird, und je nach dem die Tickets kaufen oder nicht.»

Wie auch schon im vergangenen Jahr wartete die Nacht im Bergwerk mit einem Zusatzprogramm zu den Konzerten auf. So stellte einerseits das OK-Mitglied Markus Nauli eine eigens für das Berg-Event produzierte fünfminütige Multimedia-Installation vor, bei der der Berg als Klangorgan und ein Stollentor als Kinoleinwand genutzt wurde. Durchaus kunstfertig erstellt faszinierte das Projekt, wurde das Vorgängermodell «Sektor Angst» nach Aussagen von Bergwerk-Wiedergängern dennoch vermisst.

Lichter am Ende des Tunnels. Bild: Francesco Tancredi.

Andererseits war da die öffentliche Sprengsimulation, weswegen sich um Punkt 23 Uhr circa fünfzig Besucher um die Sprengführerin scharte, die mit angenehmen Humor und dompteusen Geschick durch die eindrückliche Sprengsequenz leitete. Bereits 70g Sprengstoff ergeben nämlich einen doch recht passablen Wumms, was mit anständigen Applaus honoriert wurde.

Punktgenau mit der Sprengung wurde auch der Second Floor eröffnet, der das Pendant zum letztjährigen EBM- und Industrialraum bildete. Zwar in einer neuen Nische heimisch, erinnerten sowohl die Licht-, als auch die Bodenverhältnisse ans vergangene Jahr. Leider fehlte auch in diesem Jahr ein physisches Programmheft, indem nebst der Konzertabfolge auch die DJs adäquate Erwähnung gefunden hätten.

«Der Berg ist halt der Berg»

Sicherlich sollte man als Anhänger der schwarzen Szene einmal eine wahrlich eindrückliche Nacht im Bergwerk erleben. Konzerte auf einer Bühne tief im Gemäuer eines Versuchsstollens, Tanzparty auf dem steinigen Boden einer Minennische, Burger und Kuchen speisen in Höhlenatmosphäre – solch ein Ambiente erhält man fraglos nirgendwo. Dies wussten die extra von näher und weiter angereisten Gäste durchaus zu schätzen.

«E spezielli Lokalität, aber das allei macht längwiligi Dancefloors und unübersichtlechi Bandwechsel nid wett…»

Allerdings wäre eine Steigerung, oder zumindest Optimierung der Veranstaltung wünschenswert gewesen. Da eine bessere Anfahrtsangabe, eine Information zu den Kälte- und Feuchtigkeitsverhältnissen in der Zeche, dort ein kreativeres Dekokonzept und ein etwas vielseitigeres Programm. Und wenn es schon nur Burger als einziges Essensangebot geben muss, dann doch wenigstens durchgehend warm. Dann würde das doch so potenzialreiche Ereignis auch für willige Wiederkehrer attraktiver. Denn die Location allein macht nicht den Event.

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Foto: Francesco Tancredi
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