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Bier ist mehr als nur ein Getränk. Bier bedeutet Leben. Es ist Religion, politische Einstellung und vor allem auch Völkerverständigung. Mit diesem Motto frohlockte Turbobier, Wien-Simmerings ultimativste Rockband aller Zeiten, zu einer Huldigung ins Werk21.

Die wohl genau richtige Anzahl an Leute fand an diesem Abend den Weg ins Werk21 im Zürcher Dynamo. Die richtige Anzahl insofern, dass es sicher nicht so wenige waren, um irgendwelchen peinlichen Momenten beizuwohnen, in der eine energetische Band vor fast leerem Raum auftreten hätte müssen. Aber auch nicht so viele, dass man keinen Platz mehr vor der Bühne gehabt hätte oder gar – oh, Graus – lange an der Bar hätte anstehen müssen.

Der Konzertabend begann noch recht gemächlich mit der Mike Ständer Band als Vorgruppe. Einem Duo welches beherzten Poet-Punk spielt und – ich hätte es nicht für möglich gehalten – in Zürich ansässig ist. Mit klugen, wortwitzigen Texten, deutsch und deutlich vorgetragen, verstanden sie bildgewaltige Geschichten zu erzählen. Musikalisch lediglich von Schlagzeug, Bass und punktuell eingesetzter Trompete umrahmt, boten die beiden sympathischen Kerle ein kurzweiliges Vorprogramm, welches nach 35 Minuten sogar noch mit einer Coverversion des Backstreet Boys Klassikers I Want It That Way auftrumpfte und alle zum schmunzeln und mitsingen brachte.

Pure Eskalation

Die bierselige Stimmung hielt sich dann auch bis Turbobier auf der Bühne standen und die ersten Takte von Feuerwehrfestl anspielten. Die Szenerie verwandelte sich dabei schlagartig in pure Eskalation. Das Publikum grölte lauthals mit, Pogotanz brach aus und um das verschüttete Lebenselixier auf der Tanzfläche scherte man sich wenig – die Zapfhähne an der Bar waren schliesslich noch lange nicht versiegt und ausserdem brachten Turbobier auch gleich ihr eigenes Bier mit, welches am Merchstand käuflich zu erwerben gab. Und genau von diesem Gebräu wurde nach nur zwei Songs bereits ein Fässchen unter grossem Zeremoniell von Bandleader Marco Pogo angezapft und in den ersten Reihen ausgeschenkt.

Verdursten musste wahrlich niemand an diesem Abend, so setzte die Band selber ihre Prioritäten richtig und legte auch Mal mitten in den Songs eine kurze Bierpause ein. Und zwischen den Liedern blieb stets genug Zeit für Schabernack und Gimmicks, die die österreichische Truppe nur noch sympathischer machten. So wurde sich im Publikum artig niedergekniet, während zu kirchlichen Klängen Marco Pogo durch die Menge schritt und aus der «Heiligen Bierbel» die zehn Gebote der bieristischen Glaubensgemeinschaft sprach. Natürlich mit anschliessender Segnung des Publikums, bevor zur akustischen Umsetzung des Gebots «Jeder Tag ein Feiertag» wieder ordentlich Gas gegeben wurde.

«Die Sprache des Biers spricht jeder Mensch!»

Ganz die PR-Kenner, wurde nicht nur ihr aktuelles Album Das Neue Festament angepriesen und neue Anhänger für ihre Glaubensgemeinschaft gesucht. Die Band begab sich nebenbei auch auf Stimmenfang für ihre Bierpartei Österreich (BPÖ) und nachdem sie das dazu gehörende Lied spielten, forderte das Quartett einen schweizerischen Ableger, die Bierpartei Schweiz (BPS), zu gründen. Spass, Show und Aktivismus gehen bei einem Turbobier Konzert eben Hand in Hand mit der Musik.

Die fulminanten Hymnen für Bier und Nixtun zündeten genauso wie die Sprüche gegen Kiwarei und Engstirnigkeit. Weitere besondere Highlights aus ihrem 80-minütigen Auftritt hervorzuheben fällt schwer, so wurde doch vom Publikum komplett alles mitgefeiert und trotz Wiener Dialekt stets mitgesungen. Wie Turbobier proklamieren: «Die Sprache des Biers spricht jeder Mensch, egal woher er kommt und was er sonst im Leben tut.» Völkerverständigung leicht gemacht!