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Black Peaks – All That Divides: Ein Album wie ein Schnauzbart

Anfang Oktober haben Black Peaks aus Brighton ihr zweites Album «All That Divides» vorgelegt. Die neun Songs überzeugen durch Kunsthandwerk: borstig, mächtig, aber gepflegt.

ein Gastbeitrag von Vinzenz Greiner

So eine Rückkopplung zu Beginn eines Albums ist ja schon mal eine klare Ansage: Jetzt wird’s handwerklich. Im Fall der Scheibe All That Divides der Vier-Mann-Kapelle Black Peaks ist es Kunsthandwerk.

Das Album ist Anfang Oktober erschienen. Zwei Jahre nach ihrem ersten Werk haben die Jungs aus Brighton (Was ist das bitte für eine krasse Stadt, die so unterschiedliche, unterschiedlich geile Künstler wie Bonobo, Architects und Royal Blood hervorbringt?!) also nachgelegt.

Der Opener Can’t Sleep leuchtet schon mal den Weg aus, den die insgesamt neun Lieder pflastern: treibend die Drums, morbid rockig die Gitarre, die nach mehr als nur einer klingt. Klug durchdachte Harmonien, unter denen die Bass-Läufe durchrollen. Und: Sänger Wil Gardener. Mal irre schreiplappernd, mal in Höchstlagen, mal unerwartet die Dur- oder Moll-Melodielinie in den lyrischen Modus verschiebend… Okay, Theorie beiseite! Die Scheibe prog-rockt!

Kein Lied kommt aus ohne überraschende Harmonie- und Rhythmuswechsel. Drummer auf der einen und Gitarrist und Bassist auf der anderen Seite, driften auseinander, um sich alle paar Takte wieder auf der Eins zu finden – ein Stilmittel, um den Klangteppich zu vergrössern, das Black Peaks fein kalkuliert einsetzen.

Die Vielschichtigkeit und Breite des Sounds wie bei Aether lässt erahnen, dass die vier Jungs Oceansize in ihren CD-Regalen stehen haben. Der Mittelteil von The Midnight Sun hätte mit seiner deliriösen Atmosphäre und überlappender Rhythmik auf jedem Tool-Album Platz gehabt. Immer wieder schimmern auch verspielte, verzerrte Riffs durch, wie sie Queens of the Stone Age-Gitarrist Josh Homme seinen Saiten abverlangt – etwa in Electric Fires. Und: Waren das nicht grade eine Hommage an Biffy Clyro im Song Home? Anyway…

Dreh- und Angelpunkt der Songs ist Gardener hinter dem Mikrophon. Problemlos folgen tiefe Schreie auf hohe Shouts auf glasklare Kopfstimme. Seine Präsenz in den Liedern ist so zwingend, wie jene, die er im Juni auf die Bühne brachte, als Black Peaks für A Perfect Circle in Zürich eröffneten und den Haupt-Act geradewegs in die Schranken spielten. Und so zwingend wie die Präsenz unter seiner Nase: ein fetter Schnauz.

Man könnte sagen: wie seine Gesichtsfrisur, so die Musik auf der Platte. Borstig, dicht, mächtig, aber gepflegt.

Wermutstropfen: Den Schnauz trug Gardener auch schon beim ersten Album Statues. Auch der Sound hat sich seither nicht merklich verändert; und das obwohl 2017 der Bassist ersetzt wurde und die neue Scheibe bei Rise Records erschien, eigentlich einem viel rockigeren Label als der Riese Sony, unter dessen Fittichen Statues ausgebrütet worden war.

Vielleicht war Gardener stimmlich damals sogar noch mutiger. Vielleicht war es auch 2016 einfach nur ungewohnt, so einen fetten Schnauz zu sehen. 2018 kann man jedenfalls sowohl zum Sound als auch zum Sänger-Bart sagen: Hey, still a fucking awesome moustache!

Black Peaks All That Divides Artwork

All That Divides

4
/5
5. Oktober 2018

Release

Rise Records

Label

Tracklist

  1. Can't Sleep
  2. The Midnight Sun
  3. Electric Fire
  4. Aether
  5. Across the Great Divide
  6. Home
  7. Eternal Light
  8. Slow Seas
  9. Fate I & II