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Hinter Yes It’s Ananias steckt der Schweizer Musiker Nicolas Streichenberg. Das Werk «Tuesday Improvisation VI» wurde von der Filmerin Lea Gygli begleitet. Die spontan entstandene Dokumentation feiert heute Premiere.

Schritte im Dunkeln. Dann entspringt aus der Dunkelheit das Bild: Schuhe auf dem Asphalt. Dann eine Stimme, die von der Vergangenheit erzählt. Diese Stimme gehört Nicolas Streichenberg, einem Schweizer Musiker, bekannt als Teil der Indie-Pop-Band Who’s Panda. Doch Streichenberg mehr Facetten: Mit seinem Projekt Yes It’s Ananias sucht er die Melodien im Entstehen.

Es war irgendwann, 2010 oder 2011, und Streichenberg wollte unbedingt Gitarre spielen lernen. «Tatsächlich war meine erste Inspiration für Yes It’s Ananias, ein Video zum Lo-Fi-Stück Melodies & Surgeries zu drehen, das wiederum von der finnischen Wave-Punk-Band French Films inspiriert war», erzählt uns der Musiker. Es sei ein verträumter Song, ohne Platz für Lyrics: Nur eine Melodie und simultane Powerchords.

Seine Musik habe etwas Szenisches, provoziere Bilder und Geschichten in den Köpfen, haben die Zuhörer*innen ihm gesagt, als er 2013 das Debüt Yes It’s Ananias veröffentlichte. Zwei Jahre später kam Yes It’s Ananias II – finanziell unterstützt vom Förderprogramm «Kulturdünger». «Das war wohl mein Kickstart als Pianist», erinnert sich Streichenberg.

«Improvisation ist die ehrlichste Musik.»

Die Improvisation zieht sich durch das Schaffen des Musikers. Selbst seine Schallplatten nimmt er direkt an den Konzerten auf, in Gegenwart eines Art Directors, der vor Ort das visuelle Konzept für die Vinyl erstellt. Diese Live-Alben sind jeweils auf die Anzahl des Publikums limitiert und können nur dort vorbestellt werden. Ein spezielles Vorgehen – und sicherlich ein gelungener Marketing-Effekt.

Nicolas Streichenberg alias Yes It’s Ananias. Bild: Tim Woodtli

«Improvisation ist die ehrlichste Musik, die existiert», meint Streichenberg. Doch Improvisation ist zugleich auch ein Seiltanz: Man kann abstürzen. «Fehler gehören dazu», sagt der Künstler ganz nüchtern. «Doch Fehler werden nur als solche wahrgenommen, wenn man sich auf sie konzentriert und so die direkte Antwort des Künstlers verpasst, die durchaus mit besinnlichem Witz, spannendem Furor oder gar schmerzhaft-gewünschter Atonalität daher gleitet.»

Improvisation ist der rote Faden von Yes It’s Ananias. So war es nur konsequent, für die Tuesday Improvisation VI eine ebenso spontane Filmemacherin an Bord zu holen. «Lea Gygli ist eine aufmerksame Cinematographin», erzählt Streichenberg. Zusammen haben sie lange nach einer passenden Location für den Dreh gesucht, denn Streichenberg wollte unbedingt an zwei Flügeln spielen. So entstand in der Villa Burghalde in Baden eine improvisierte Aufnahme der improvisierten Musik. Ohne geplante Szenen, ohne doppelten Boden.

«Wir möchten den Moment zelebrieren», verrät Streichenberg. «Der Prozess ist das Spannende, finde ich. Die Tuesday Improvisation VI ist ein grosser Verarbeitungsprozess, frei aus dem Kopf heraus, ohne Vorbereitung. Eben psycho-automatisch.»

Gemeinsam mit Yes It’s Ananias versinkt man im Moment. Das Geschehen fühlt sich unfassbar natürlich an. So sehr, dass man sich immer wieder vergewissern muss, dass es sich um eine reine Improvisation handelt. Der Augenblick dehnt sich zur Ewigkeit. Oder wie Streichenberg es beschreibt: «Die Musik ist Therapie in schweren Zeiten und Erfüllung in schönen. Ich spiele mich in Trance. Es ist und bleibt meine Droge.»