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Video-Premiere: Haubi Songs macht mit «Kafi Togo» Screenshots des Lebens

Haubi Songs, die One-Man-Band aus Luzern, nimmt den urbanen Lifestyle mit «Kafi Togo» grandios auf die Schippe. Wir feiern heute die Premiere der neuen Single.

Die Zeit rast. Im Dezember 2013 kommt erreicht mich eine Nachricht – mitten in der Nacht. Geschickt hatte sie Nick Furrer: «Ich spiele am Montag mit meinem Soloprojekt mein erstes Konzert.» So oder ähnlich lautete die Botschaft. Ich lernte Nick bei einer Backstage-Reportage kennen, als ich Alvin Zealot im Gaswerk Winterthur begleitete. Er war der Bassist der Luzerner Band.

Wiedersehen in Winterthur

Also war ich am besagten Montag im Kleinstlokal «Portier» am «Monomontag». Ein Wiedersehen in Winterthur, und eine erste Begegnung mit Haubi Songs. Und wie es sich für einen ersten Auftritt gehörte, klappte nicht alles so, wie es sollte: Furrer musste seine geloopten Songs teils neu beginnen oder las die Texte, die gerade erst am Nachmittag entstanden, vom Smartphone ab. Haubi Songs anno 2013: Das war eine Idee, aber eine mit Potential.

Haubi Songs im Portier, 2013. Bild: Janosch Tröhler

Schon damals spürte man: Haubi Songs hat die lyrische Qualität eines Endo Anaconda. Alltagspoesie eben. Es dauerte nicht lange, da waren die Lieder gereifter. Etwa das «schmucke Unikat» Göteburg. Vor zwei Jahren trat Haubi Songs wieder in Winterthur auf, im Rahmen der legendären Sommerbar im Salzhaus. Aus Haubi Songs ist ganze Kunst geworden.

Professionell originell

Nun ist Furrer, der auch bei Black Sea Dahu an den Drums aushilft, drauf und dran, sein drittes Album zu präsentieren: Highlife – entstanden zwischen Luzern und Berlin – erscheint am 1. März.

Haubi Songs ist weiter gereift: Heute lässt die One-Man-Band in die neue Orchestration blicken. Kafi Togo, eigentlich «Kafi to go», feiert hier Premiere.

Das Grundrezept hat sich in den letzten sechs Jahren kaum verändert: ein funkiger Sound, dazu originell gedreschte Phrasen. Haubi Songs schürft mit einfachen Strophen tief in den Alltag des urbanen 21. Jahrhunderts. Es sind Screenshots – oder besser: Snaps – des jungendlichen Lebens zwischen Konsum und der Suche nach dem Sinn. «Wär ämol gärn so indie wie du, ey, jedem Arsch sind Füchsli-Rucksack», sprechsingt Furrer in Kafi Togo. Oder auch: «Leg din Secondhand-Mantel ah, gang hei und mal es Mandala.»

Bild: Olivia Sturny

Präzis raffinierte Kritik

Haubi Songs nimmt den Hipster-Lifestyle auf die Schippe, zerpflückt den Schein der Individualität mit unerreichter Leichtigkeit. Aber er verkommt nie in plumpes Bashing. Denn im Grunde ist Haubi Songs ein Virus: Selbst mittendrin im Coolness-Ranking und FOMO-Hype infiziert Haubi Songs die skurrile Szenerie mit präzis raffinierter Kritik: «Investiered id Fassade, schön vo usse wie hüüslichi Gwalt in Skandinavie.»

«Immer wieder redemer vom gliiche Züüg. Müed usgseh es No-go, yo-yo.» Die Brillanz der Momentaufnahmen gründet in der Einfachheit. Spartanische Poesie trifft auf geloopte Lo-Fi-Electronica. Maximaler Effekt, minimale Ablenkung. Haubi Song schält die opulente Pop-Frucht bis nur noch der Kern bleibt.