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Harte Klassik im burlesken Ambiente: Das Molllust-Konzert fand an einem mehr als stimmungsvollen Ort statt. Nach dem Gig liefen wir noch in Frontfrau Janika Gross hinein und stellten ihr ein paar Fragen. 

Die Absintherie ist auch ohne Molllust einen Besuch wert. Hier findet an jedem Wave-Gotik-Treffen das legendäre Absinth-Frühstück statt. Die kleine, elegante Bar mit dem Jahrhundertwende-Charme hat auch jedes Jahr neben den Konzerten noch andere Highlights. Dieses Jahr präsentierte die Sixitina im Untergeschoss die Ausstellung «Absurd Art».

Im Innern ist es brechend voll, der freie Blick zwischen den Kopfputzen und Haarkonstruktionen ist mit Handys gefüllt. Ich lasse mich vom Gequetsche vorwärts schieben, bis ich die Band nicht nur hören, sondern auch sehen kann.

Die harte Klassik und das burleske Ambiente gaben ein Steampunk-Feeling. Bild: MinjMaus

Im Programmheft wurden Molllust mit «Opera Metal» angekündigt. Die Musik, wenn auch wunderschön, will nicht so gar nicht zu dem Namen passen. Hart ist nur das Schlagzeug; E-Gitarre oder Bass gibt’s nicht. Dafür stehen Kammermusiker auf der Bühne: Cello, Violine, Pioano. Der burleske Varieté-Charme der Location passt perfekt zur Musik. Sie erinnert an Therions Fleur du mal. An Renaissance, Barock, Klassik, Chanson- und natürlich Haggard. Das wundert nicht, denn Molllust und Haggard haben personelle Überschneidungen: Molllust-Frontrau Janika Gross singt auch bei Haggard.

Die Sopranistin hat ein starke Stimme, voll und modelliert. Begleitet wird sie bisweilen von einem Tenor. Moderne Elemente werden marginal eingesetzt, zum Beispiel als Glockenspiel ab Konserve, das Janika über das Keyboard abspielt. Die Grundnote des Konzerts ist Barock, die Band beendet ihren Gig denn auch mit einer Hommage an Johann Sebastian Bach.

Mollust kommen sehr gut an. Das Publikum, das sich seinen Weg ins innere der vollgestopften Sixtina so mühsam erkämpft hat, hört gebannt zu. Als ich eine Bekannte begrüsse, wirft die Dame vor mir einen bitterbösen Blick nach hinten und legt den Finger an die Lippen. Recht hat sie. Man schwatzt ja auch nicht in der Oper!

«Wir haben uns für das Akustik-Set entschieden.»

Wir haben Janika beim Beladen ihres Autos getroffen und ein paar Fragen gestellt. Bild: MinjMaus

Nach dem Gig treffen wir Sopranistin Janika Gross vor der Sixtina und schwatzten ein paar Worte mit ihr. Sofort ist das Gespräch beim WGT und bei früheren Auftritten. «Wir waren schon öfter hier – mit Molllust, aber auch mit Haggard», erzählt Gross. «Das WGT ist immer toll, und da ist auch die ganze Band mit Herzblut dabei.» Dass ihre Show nicht wirklich Metal-lastig war, kann sie erklären: «Wir haben uns für das Akustik-Set entschieden. Die Sixtina ist relativ klein, damit wäre das Metal-Set viel zu laut geworden.» Ob sie noch etwas direkt den Fans mitteilen wolle, fragen wir sie: «Ich freue mich, dass sie diesen Bericht hier gelesen haben. Hoffentlich sehen wir uns bald an einem Konzert. Ich würd mich auch sehr über persönliche Plauschs mit Fans freuen – Kontakt über Interview oder Internet ist nett, direkt ist mir viel lieber.»