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Knapp einen Monat vor ihrem 58. Geburtstag hat die englische Pop-Queen Kim Wilde im Zürcher Volkshaus Halt gemacht. Mit im Gepäck: All die alten Hits, ein paar neue Songs und recht viel Familie. Ein guter Mix, wie sich herausstellte.

Böse Zungen behaupten: Kennt man einen Kim-Wilde-Song, kennt man sie alle. Mit den ersten paar Nummern im praktisch vollen Zürcher Volkshaus bemüht sich die bald 58-jährige Britin nicht eben, das Gegenteil zu beweisen. Water on Glass, gefolgt von Kandy Krush, dann Cambodia, darauf Yours ‘Til the End: Es ist ein Ping-Pong-Spiel undynamischer Pop-Schlager mit Sing-Along-Chorus von Kims ältesten und ihrem jüngsten Album. Die Drums donnern, die Gitarren brettern, der Synthesizer füllt die letzten Lücken mit seinem Elektro-Klangteppich. Und das vom ersten bis zum letzten Takt. Wenn die Show so überladen weitergeht, wird’s zügig langweilig. Und mit Nanana-Songs wie Cambodia für die gute Publikumslaune ist die britische Pop-Queen schon bald ausgeschossen. Zwei bleiben ihr noch.

Kim Wilde

Die Stimme ist brüchig geworden. Bild: Michelle Brügger

Aber das ist der Frau natürlich auch bewusst. Mit Solstice versucht sie den Turn-Around. E-Piano, dazu ihre Stimme. Sonst nichts. Plötzlich ist sie da, diese Stimme, schneidend wie ein Laserstrahl, frech wie Joe Strummer, fröhlich wie der Osterhase. Und ganz so ohne Sound-Dschungel zum Verstecken offenbart Kim Wilde Schwächen. Die Stimme zittert, bricht kurz, fängt sich wieder. Sie ist alt geworden. Man leidet mit ihr, bis endlich die Band einsetzt und Kim sich stimmlich wieder entspannen kann. Die Background-Sängerin, Scarlett Wilde, gibt ihr Halt. Ricky Wilde, der Rhythmusgitarrist, stimmt mit ein. Der Song hallt durchs Volkshaus wie ein Choral durch eine Kirche. Gerettet.

Familienshow

Ricky ist Kims Bruder. Scarlett, dessen Tochter, demnach ihre Nichte. Recht viel Familie in der achtköpfigen Band also. Das macht die Bühne zeitweilig fast schon zum Wohnzimmer, wäre da nicht das sichtlich unbequeme Outfit der Sängerin. Korsett hin oder her: Als sie zur Feier des 30-Jahr-Jubiläums ihres Albums Close ansetzt, wischt sie die letzten Langeweile-Bedenken vom Tisch. Close gilt als Höhepunkt von Wildes Schaffen. Und um diesen zu feiern, verbannt sie zunächst die gesamte Band bis auf die Familienmitglieder von der Bühne – zum Biertrinken, wie sie sagt.

Kim Wilde & Scarlett Wilde

Kim und Scarlett – Tante und Nichte zusammen auf der Bühne. Bild: Michelle Brügger

Zu dritt spielen die Wildes Hey Mr. Heartache, folkig geschrummt von Ricky. Ein recht intimer Moment, der von Four Letter Word noch übertrumpft wird. Kims Bruder zupft einen Bossa-Groove, während sie selbst – wieder relativ zittrig – von einer verflossenen Liebe singt, die sie zuvor in der Ansage zwar belächelt hat, nun aber plötzlich beweint. Die sprechende und die singende Kim sind zwei verschiedene Menschen.

Als die Band zurückkehrt, gibts einen weiteren Stimmungswechsel. Die Nummer Cyber.Nation.War vom aktuellen Album Here Come the Aliens zeigt Wilde von einer ungewohnt düsteren, weltpessimistischen Seite. Ungewohnt? Kleiner Irrtum. Als wüsste sie um diesen intuitiven Gedanken, hängt sie ihren 80er-Jahr-Hit View from a Bridge an, in dem es um ein Mädchen geht, das mittels Sprung von einer Brücke Suizid begeht. Düster ging auch vor über 30 Jahren schon. Nur der Beat war damals treibender, tanzbarer. Ob man zu solch einem Song tanzen sollte, ist eine andere Frage.

Tanzen – jetzt darf man

Und als ob Kim auch diesen intuitiven Gedanken lesen könnte, hängt sie in der Songreihe auch noch Chequered Love an. Derselbe treibende Beat, einfach in Dur statt Moll komponiert. Tanzen? Kein Problem. Nun nutzt sie den Moment. You Came folgt und die Halle singt. (You keep me) Hanging on setzt gleich noch einen drauf. Was für ein Lauf! Eigentlich müsste jetzt Schluss sein.

Doch Kim schnappt sich eine in Neonfarben blinkende Miniknarre und erzählt etwas von Aliens, die sie 2009 gesehen haben will. Sie seien real und sie wolle uns alle vor ihnen beschützen, sagt Kim. Und schwenkt dazu ihren Plastikrevolver. Dann kommt der Titeltrack des neuen Albums. Geshuffelter Groove, Sing-Along-Refrain, die Drums donnern, die Gitarren brettern, der Synth füllt, was es noch zu füllen gibt. Kim Wilde nach Schema F.

Nanananana

Das ist der Schluss. So gut wie. Der Kim-Wilde-Fan hat mitgezählt: Nach Cambodia und View from a Bridge fehlt der dritte Nanana-Song. Kids in America, der Superhit. Der kommt als letzte Zugabe. Das Volkshaus johlt «Nananananana». Glücklicher kann man einen Konzertsaal kaum verlassen.

Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Steve Power
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde & Ricky Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Steve Power & Ricky Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Ricky Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Steve Power
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde & Scarlett Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Kim Wilde
Bild: Michelle Brügger
Kim Wilde
Ricky Wilde
Bild: Michelle Brügger