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Über 400 Artikel wurden dieses Jahr auf Negative White publiziert. Wir blicken zurück auf zehn Geschichten, die am meisten gelesen wurden.

Es ist eine beeindruckende Zahl: Über 400 Artikel wurden 2018 auf Negative White veröffentlicht. Im November waren es ganze 61 Berichte, Playlists, Rezensionen und Verlosungen. Beeindruckend deshalb, weil unser Online-Magazin nachwievor ehrenamtlich betrieben wird.

Natürlich ging nicht jede Geschichte «viral», wie man heute so schön sagt. Doch die einige Storys sorgten definitiv für Aufsehen. Wir blicken zusammen mit den Reporterinnen und Reportern zurück auf die zehn Artikel, die dieses Jahr am meisten gelesen wurden.

 

Michael Patrick Kelly und die fragwürdige Bestuhlung

Bild: Steffi Sonderegger

Eigentlich war es ein ganz gewöhnlicher Konzertbericht. Steffi Sonderegger, Reporterin und Fotografin, erinnert sich: «Einst schwärmte ich von Michael Patrick Kelly in meiner Teeniezeit, seit seiner Show in Zürich bin ich beeindruckt von seinem musikalischen Können, seiner Leidenschaft und Authentizität auf der Bühne.»

Sie fand aber nicht nur Lob, sondern auch einige Kritik: Die schlechte Sicht für die Fotografen, die miesen Plätze für die Journalisten – und die fragwürdige Bestuhlung für das Publikum. «Schade, dass an diesem Konzertabend die Pressevertreter so schlecht behandelt wurden. Das hinterliess einen faden Beigeschmack, obwohl ich gewisse Vorkehrungen verstehen konnte», meint sie rückblickend.

Diese, vergleichsweise harmlose, Kritik sorgte aber für Entrüstung bei den fanatischen Kelly-Anhänger*innen. Wie wild wurde der Artikel in Fangruppen und Foren geteilt. Durch diesen «Shitstorm im Wasserglas» schaffte es der Bericht ganz nach oben.

 

10’000 pilgern zu den Böhse Onkelz – aber wieso?

Nathalie Meyer wollte vor allem wegen einer Band an den ersten Abend am Rock The Ring in Hinwil: Ihre Lieblinge heissen In Extremo. Der Headliner der Abends war allerdings ein umstrittener. Die Deutschrock-Truppe Böhse Onkelz werden seit Jahrzehnten schief beäugt, haben sie doch in den 80er-Jahren ein Album mit rassistischen Inhalten veröffentlicht. Seither versuchen sie sich immer wieder zu distanzieren.

Bild: Michelle Brügger

«Ich ging wohl noch nie mit so vielen Vorurteilen im Gepäck an ein Konzert, das ich eigentlich gar nicht sehen wollte», sagt unsere Reporterin heute. Entstanden ist ein differenzierter Bericht, in dem Fans zu Wort kommen und man den Gedanken der Autorin folgen kann. Meyer sagt: «Der Abend hat gezeigt, dass man sich seine Urteile vor Ort am besten machen kann.» Onkelz-Fan ist sie trotzdem nicht geworden.

 

Unser Tagebuch vom Greenfield Festival 2018

Bild: Francesco Tancredi

Ein mehrtägiges Festival abzudecken, ist immer ein kleiner Wahnsinn. Reporterin Patrizia Tschurr und Fotograf Francesco Tancredi haben sich dieses Jahr in das laute Getümmeln in Interlaken gestürzt.

«Das Greenfield war für mich ein Festival der fetten Bandbreite. Von Busdach-Band, über musikalische Überraschungseier bis zur Dr. Sommer-90ies-Party haben wir alles erlebt. Auch von Campingslums bis zum Luxuszelten hat nichts gefehlt. Das Greenfield war gewissermassen eine Hypertischbombe mit Gehörknalleffekt», sagt Tschurr.

Zusammen mit den Aufnahmen von Tancredi hat sie ein vielseitiges wie detailverliebtes Tagebuch veröffentlicht.

 

Fünf Schweizer Festival-Alternativen für 2018

Nachdem wir bereits für das Jahr 2017 einige internationale Festival-Alternativen vorgestellt hatten, war es dieses Jahr an der Zeit, auch hiesige Events herauszustreichen. Das kam ziemlich gut an. Multimedial und interaktiv mit einer Storymap aufbereitet, stellten wir fünf Schweizer Festivals vor, die etwas ausserhalb des Rampenlichts stehen.

 

Mainland Music wird durch Live Nation übernommen

Für Branchenkenner war es keine Überraschung: Der internationale Event-Konzern Live Nation übernimmt den Schweizer Veranstalter Mainland Music. Dies bestätigte ein Insider gegenüber Negative White, worauf der Primeur publiziert wurde. Zwei Tage später wurde der Insider-Bericht durch Mainland Music und Live Nation bestätigt.

«Es war eine schwierige Entscheidung», sagt Redaktionsleiter Janosch Tröhler. «Einerseits haben wir mit Mainland Music eine langjährige, gute Partnerschaft, andererseits sind wir keine Hofberichterstatter. Wir haben die Unabhängigkeit dann höher gewichtet als die Beziehung.» Die beiden Unternehmen wurden durch den Insider-Bericht überrumpelt, aber keinesfalls aus Böswilligkeit, wie Tröhler betont, aber: «Man darf keine Angst haben, jemandem auf die Füsse zu treten.»

 

«Wir sind eine Liveband, das dürfen wir nicht aufgeben»

Dieser Artikel ist ein merkwürdiges Gemisch: Halb Interview, halb Konzertbericht. Halb Hintergrund, halb vernichtende Kritik. Tatsache bleibt: Der mit einem Gespräch angereicherte Bericht vom Editors-Konzert bewegte viele Leser*innen. Denn die Zustände im Komplex 457 während der Show waren katastrophal: Tropische Hitze, keine Kilmatisierung, keinen Weg nach draussen, fiese Security und schlechter Sound.

Editors

Bild: Evelyn Kutschera

Leserin Valérie kommentierte: «Genau so war’s… Das Tüpfelchen auf dem i war der letzte Kampf des Abends, nämlich wieder aus dieser Hölle raus zu kommen.» Janosch Tröhler, der am Abend vor Ort war, hat vor allem Mitleid: «Ich habe mich sehr auf den Abend gefreut. Und die Editors haben eine gute Show abgeliefert, aber wegen der Location war es unmöglich, es auch zu geniessen. Das ist eine Schande…»

 

Wenn die Luft brennt: Imagine Dragons live im Hallenstadion

«Eines der wenigen Konzerte, bei denen das ganze Hallenstadion bis zum letzten Ton blieb.» Michelle Brügger schrieb den Rückblick auf die Show der Imagine Dragons und denkt auch heute noch gern daran zurück: «Die positiv mitreissende Energie war für alle spürbar – auf der Bühne und im Publikum. Sie ergriff einen schon beim ersten Ton, bis zur letzten Faser des Körpers. Das Lächeln von damals erscheint noch heute, wenn ich an das Konzert zurückdenke.»

Bild: Evelyn Kutschera

Der Artikel kam nicht nur wegen der eindrücklichen Fotografien von Evelyn Kutschera gut an. Denn Brügger beschrieb nicht nur den Abend selbst, sondern lieferte auch spannende Hintergrund-Informationen zur Band mit.

 

Steiner & Madlaina zeigen mit «Wenn du mir glaubst» ihre Exzellenz

Besonders erfreulich ist es, wenn auch Schweizer Musik ganz vorne mit dabei ist: Das Zürcher Duo Steiner & Madlaina feierte die Video-Premiere zur Single Wenn du mir glaubst mitten im Hochsommer bei Negative White. Janosch Tröhler meint: «Auch Monate später fasziniert mich der Song immer noch. Wunderbar ausbalanciert und von einer sprachlichen Finesse, die man selten findet.»

Mittlerweile haben Steiner & Madlaina ihr erstes Album veröffentlicht und entwickeln sich mit Lichtgeschwindigkeit vom Geheimtipp zum nächsten grossen Musikexport der Schweiz.

 

Hände weg vom Regler!

Im August machte ein unaussprechliches Gespengst die Runde: V-NISSG, die neue Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch Strahlung und Schall. Sie sollte im ersten Halbjahr 2019 in Kraft treten. Der Kommentar von Redaktionsleiter Janosch Tröhler zum damals brandheissen Thema wurde deshalb viel gelesen.

Doch es regte sich Widerstand, der so laut anschwoll, dass der Bund nun zurückkrebste. V-NISSG wurde sozusagen lautstark weggeblasen.

 

Die wilde Vanja

«Auf der Bühne bin ich niemandem Rechenschaft schuldig. Ich habe eine Daseinsberechtigung.» – Wir trafen Vanja Vukelic, das unbändige Energiebündel hinter Mama Jefferson, zum langen Gespräch und Fotoshooting im Winterthurer Salzhaus. Ein Portrait, das hinter die Kulisse blickt.

Bild: Nicola Tröhler

«Ein solches Portrait ist immer eine Herausforderung: Gibt es ein gutes Thema, das man tiefer verfolgen kann? Ist die Person gesprächig?», erklärt Autor Janosch Tröhler. «Wenn es klappt und der Text funktioniert, ist es ein richtig schönes Gefühl.» Er würde gerne mehr solche Artikel schreiben, allerdings bräuchten sie verteufelt viel Zeit.

 

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