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Discofieber mit Arcade Fire

Mit ihrem neusten Studioalbum «Everything Now» haben sich Arcade Fire weit von ihren Anfängen entfernt. Die neuen Songs sind kürzer, plakativ und widerspiegeln unsere heutige Gesellschaft: Mit viel Ironie, Witz und Kreativität nehmen sie Konsum und Social Media auf die Schippe.

ein Gastbeitrag von Christina Brand

Arcade Fire beschreiben im neuen Album Everything Now den Zustand unserer westlichen Gesellschaft. Dafür hat die in Montreal gegründete Band – passend zum Werk – den fiktiven globalen Konzern «EN» (Everything Now) erdacht.

«Ready to rumble!»

Während die Fans im gutbesetzten Hallenstadion auf die Band warten, werden Werbeslogans von vermeintlichen Produkten auf den Monitoren eingeblendet. Immer wieder spricht ein animierter Cowboy Slogans wie «Ready to rumble!» ins Publikum.

Die Lichter gehen aus und Discomusik ertönt, Lichtstrahlen streifen wie Blitze durchs Publikum. Daraus entwickelt sich ein gigantisches Wirrwar aus verschiedenen Klassikern aller Musikrichtungen. Schlussentlich erkennt man nichts mehr. Doch dann entsteht daraus die Melodie von Wake up. Darufhin kündigt eine Stimme die Band wie bei einem Boxkampf als die «Meister des Indie» an.

Win Butler von Arcade Fire begeistert das Zürcher Publikum

Bild: Evelyn Kutschera

Arcade Fire betreten den Saal und laufen mitten durchs Publikum auf die Bühne zu. Auf dem Weg zur Stage trinkt Frontmann Win Butler den Drink eines Fans aus. Die Menge flippt aus.

Stimmung im Hoch – Politik im Tief

Das Konzert wird gleich mit dem Titelsong zum gleichnamigen Album Everything Now eröffnet. Die poppig-verträumte, ja schon fast nostalgische Melodie, welche an ABBA erinnert, elektrisiert das Publikum sofort und reisst auch die Zuschauer auf den Sitzplätzen auf ihre Füsse.

Schnell greift die Band auf alte Klassiker wie Rebellion und No Cars Go zurück und stellt damit das Publikum im Nu zufrieden. Die Stimmung ist fantastisch, die Fans singen und tanzen zu den wundervoll orchestrierten Songs.

Win Butler spricht nur wenig mit dem Publikum, nutzt aber zwischen den Songs Put Some Money on Me und We Used to Wait die Gelegenheit, seinen Unmut gegen Präsidenten Donald Trump und die aktuelle politische Situation in den USA zum Ausdruck zu bringen.

Selbst im Video zu Everything Now versinnbildlichen Arcade Fire den politischen Tiefpunkt der Vereinigten Staaten. Für den Dreh begab sich die Band ins Death Valley, den tiefsten geografischen Punkt des Landes.

Arcade Fire

Bild: Evelyn Kutschera

Während zwei Stunden powert die Band einen Song nach dem andern durch das Zürcher Hallenstadion. Zwischen den Stücken bleiben sie dem Motto Infinte Content treu und verlängern ihre eigenen Lieder mit Texten von Bands wie Nirvana und den Smiths.

Zum Schluss spielen Arcade Fire einen Ohrwurm nach dem andern aus dem mehrfach prämierten Album The Suburbs, darunter den gleichnamigen Titeltrack sowie Ready to Start und Suburban War.

Während des Liedes Sprawl II durchquert Multitalent Regine Chassagne das Publikum und tanzt – passend zum Stück – neben einer riesigen aufgestellten Diskokugel. Beim nächsten Song tut es ihr Ehemann Win Butler gleich. Die Setlist war so prall mit Hits gefüllt, dass man gar keine Zugabe erhoffen mochte.

so in ? @arcadefire #wedontdeservelove

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Doch Arcade Fire betreten die Bühne noch einmal und fahren voller Elan mit ihrem «Content» fort. Der Frontsänger geht abermals durch die euphorische Menge und steigt auf die Bar, wo er sich ein Bier einschenken lässt um sich frisch gestärkt auf die Bühne zurück zu begeben und drei weitere Songs zu performen.

Das letzte Lied ist die Melodie zum Intro der Show – Wake Up, welche sie fast nicht beenden wollen. Das Publikum ist mit dem wunderbaren Inhalt der Show mehr als infinitely content.

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