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Villagers zwischen Tiefsinn und Leichtfüssigkeit

Sie reisen von Stadt zu Stadt und verzücken dabei ihre Fans. Auf der Tour zur aktuellen Platte «The Art Of Pretending To Swim» machte die irische Band Villagers auch im Zürcher Papiersaal Halt.

Ein Blick aufs Thermometer zeigt: Der Winter hält auch bei uns allmählich Einzug. Was könnte es also besseres geben als sich einen Becher Glühwein zu gönnen, der in Zürich momentan eh an jeder zweiten Ecke angeboten wird, und danach im wohlig warmen Papiersaal schöner Musik zu lauschen? Die Musik, die uns wie der Glühwein von innen wärmen sollte, wurde von Banner. geliefert. Der junge Niederländer, der noch den Geheimtipp-Status trägt, bestritt das Vorprogramm für die Villagers.

Banner. – ein Mann für die Kuschel-Atmosphäre

Mit Gitarre ausgestattet, sang und spielte sich Banner durch seine Lieder, während sein Kollege aus Keyboard und E-Gitarre sphärische Klänge erzeugte. Eigentlich recht simpel vorgetragen, erzielten die allesamt ruhigen Songs vollste Wirkung. Dem Publikum schien der Auftritt zu gefallen und quittierte es dem Duo mit aufmerksamer Stille während und aufrichtigem Applaus zwischen den Songs.

Banner. im Papiersaal Zürich

Banner. Bild: Evelyn Kutschera

Das Konzert im Papiersaal war erst das zweite für Banner. als Vorband für die Villagers und irgendwie schien man ihm seine Nervosität auch vor allem zwischen den Liedern anzumerken. Recht unbeholfen führte er durch sein Programm, was ihn aber gleich wieder etwas sympathischer machte. Das einzige was man an Banner. schlecht reden könnte, ist dass seine Lieder mit der Zeit alle ähnlich klangen. Die Instrumentierung zu zweit gibt einfach in der Form wenig Raum zur Abwechslung. Mit einer kompletten Band im Rücken und ein wenig mehr «Wumms» würde die Sache vermutlich schon anders aussehen.

Das holländische Duo Banner verzaubert den Papiersaal
Bild: Evelyn Kutschera
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Bild: Evelyn Kutschera

Villagers – von Tohuwabohu bis Mucksmäuschenstille

Diese Überlegung musste sich Conor O’Brien auch gemacht haben, als der Singer-Songwriter das Projekt Villagers ins Leben gerufen hatte. Auf der aktuellen Tour wird der Ire von vier Mitmusikern unterstützt, welche in der Tat zu einer dynamischen Performance beitrugen.

Villagers im Papiersaal Zürich

Conor O’Brien, der Kopf der Villagers. Bild: Evelyn Kutschera

Der Wechsel von laut auf leise und wieder zurück fand fliessend statt. Wenn auch gleich bei den lauteren Stellen, in denen Keyboard, Bass und Schlagzeug ein Tohuwabohu an Klängen fabrizierten (Real Go-Getter), die Stimme von Conor O’Brien unterzugehen drohte, hatte man stets das Gefühl das dies genau so sein muss.

Als drittletztes Konzert auf einer einmonatigen Tour hatte sich eine Routine zwischen den Musikern entwickelt, die den Spagat zwischen Tiefsinn und Leichtfüssigkeit spielend meisterte.

Apropos leichtfüssig: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich O’Brien jemals so gut gelaunt über eine Bühne tänzeln gesehen hätte. Seine Ausgelassenheit wirkte unaufgesetzt und sehr erfrischend. Aber auch bei ihm sass jeder Ton bis in die höchsten Höhen, besonders beim wunderbaren Finale mit der Akustikversion zu Nothing Arrived. So klar und rein wie ein Schluck Quellwasser.

Betört vom Dargebotenen, hing das Publikum an O’Briens Lippen und lauschte seiner in Melodien umwobenen Poesie. Mit der 360°-Bühne im Papiersaal hatte dies Ganze ein bisschen einen Charakter à la «alter Mann erzählt Geschichten am Lagerfeuer». Das Publikum rundherum mucksmäuschenstill bei den ruhigen Parts und in regelrechten Jubelstürmen ausbrechend wo angebracht.

An der Setlist ist speziell anzumerken, dass jeder einzelne Song vom aktuellen Album The Art Of Pretending To Swim vorgetragen wurde. Um wiederum den Standart-Rahmen von 90 Minuten Konzertlänge nicht zu sprengen, ging dies leider auf Kosten der älteren Hits. Nur eine kleine Selektion deren wurde gespielt, was zwar durchaus verständlich ist, dennoch wäre ich sehr gerne eine Viertelstunde länger geblieben und hätte noch Lieder wie The Pact, Becoming A Jackal oder The Waves gehört.

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Bild: Evelyn Kutschera
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Bild: Evelyn Kutschera