Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Von der 20-Jahre-Jubiläumsshow von Nightwish hätte ich doch etwas mehr erwartet. Die Band präsentierte eine solide Show, die jedoch nur halb so bombastisch ausfiel, wie anzunehmen war. Immerhin wurde die Show nur von einem Teil, der sonst üblichen Anzahl Handys aufgenommen.

Nachdem ich Beast in Black diesen Sommer in Finnland gesehen hatte, war mir klar, dass ich das Nightwish-Konzert im Hallenstadion besuchen muss, um sie als Vorband dieses Jahr wenigstens für ein paar Minuten erneut zu erleben. Die Senkrechtstarter legten eine total energiegeladene, sympathische Show hin. Und das, abgesehen von ein paar coolen Sonnenbrillen beim Song Crazy, Mad, Insane ohne grossen Schnickschnack.

Was dazu leider überhaupt nicht passte, war der blöde Sitzplatz. Leider nahm man es an diesem Abend im Hallenstadion ganz genau und man durfte als Besucher nicht mal vorne am Gelände stehen. Beim Kopfnicken im Sitzen macht das Ganze leider nur halb so viel Spass.

Immerhin kann man sich auf dem Stuhl aber genauso gut von Yannis Papadopoulos’ Stimme beeindrucken lassen: Einfach krass! Auch wenn die allgemeine Soundqualität an diesem Abend nicht 100% top war, haben Beast in Black gezeigt, was sie musikalisch drauf haben. Mit diesem ¾-stündigen Auftritt schenkten die Finnen mit dem Griechen an der Front den Zuschauern einen definitiv tollen Vorgeschmack auf ihre kommende Headlinertour.

Say no to digital slavery

Noch eben bat Papadopoulos die Zuschauer ihre Feuerzeuge oder Handys als Lichtquelle zu zücken. Und schon erklärte ein kurzes Intro den Zuschauern, dass sie doch einfach das Konzert geniessen sollen, ohne Handy und ohne Filmerei – genauso wie vor 20 Jahren. Der Clip zeigte zumindest bei Manchen ihre Wirkung: Ertappt, wanderten einige Handys schnell wieder in die Taschen. Andere wollten die Zeitreise wohl weiterhin aus der Ferne oder durch das Quadrat betrachten.

Neun Monate Decades-Welttournee 2018 – das heisst 34 Shows à zwei ganze Stunden. Eigentlich ein Klacks verglichen mit den über 2000 Konzerten, welche Nightwish in den vergangenen 20 Jahren gespielt haben. Und doch schien es, als wäre die Band etwas müde. Ich weiss nicht, ob es daran gelegen hat, dass ich auf der Tribüne war, aber so richtig mitgerissen hat mich das Konzert nicht – zumindest nicht von Anfang bis zum Schluss.

Klar, die Show war mit all den Pyro-Effekten und den blutroten Konfetti ziemlich geil anzusehen, aber irgendwie hätte ich von einem 20-jährigen Jubiläum von der grössten female-fronted Metal-Band mehr erwartet. Zu meinem Erstaunen war die Bühne, natürlich abgesehen von den Instrumenten und der Band, total leer. Visuell gab es nur auf dem Screen die schöne Nightwish-Märchenwelt zu sehen. Da hab ich an diversen Festivals schon Besseres von diesen kreativen Finnen erlebt, und es zeugt von Ironie, dass sie zu Beginn die Digitalisierung des Bösen erklärten.

Wahrscheinlich hatte es aber auch, um fair zu bleiben, mit der Setlist zu tun, dass ich nicht völlig hin und weg war. Die Band holte ziemlich altes Material hervor, was für langjährige Nighwish-Fans bestimmt der Hammer war – sofern sie Tarja Turunen nicht nachtrauern. Wenn man, wie ich, aber eher wegen den letzten beiden Alben zum Nightwish-Fan wurde, ist wohl an dieser Stelle schon Vieles erklärt. Stimmlich war Leadsängerin Floor Jansen auf jeden Fall voll mit dabei und performte die Songs rein gesangstechnisch einwandfrei. Und natürlich spielten auch die restlichen Bandmitglieder sämtliche Songs musikalisch auf höchsten Niveau – da kann man nun wirklich nicht viel meckern.

Und so gab es doch den einen oder anderen Höhepunkt, bei dem Hühnerhaut einsetzte und wegen dem man sich gespannt auf die nächsten 20 Jahre Nightwish freuen kann.