Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

«Saturday Night Fever» war buchstäblich gestern. Die australischen Parcels mit Wahlheimat Berlin zeigten, dass es durchaus auch möglich ist, an einem Sonntagabend in Zürich den Dancefloor zum Glühen zu bringen.

Schleunigst das nasskalte Winterwetter hinter sich lassen und sich im Zürcher Kaufleuten warm tanzen. Diesen Gedanken teilte ich mir wohl mit hunderten anderer Konzertgänger die schon vor mir am Parcels-Konzert eintrudelten. Erstmal die Schlange am Eingang und an der Garderobe überwunden, staunte ich nicht schlecht dass schon so viele Leute hier waren um sich die Vorband anzusehen.

Dicht an dicht stand das Publikum bereits bis hinter die Tontechnik, als Hush Moss die Bühne betraten. Das Berliner Kollektiv spielt chillige Musik angesiedelt zwischen Funk und Lounge, Saxophon und gesäuseltem Gesang. Eben genau das Richtige um sich langsam einzugrooven für das, was noch kommen mag.

Obwohl das Zürcher Konzert eines der ganz wenigen auf der aktuellen Tour ist, welches nicht ausverkauft war, fragte ich mich, wo man denn bitteschön noch mehr Menschen im Saal unterbringen hätte wollen. Das Parcels Konzert als passenden Grund zu gebrauchen, um das Wochenende in seinen letzten Stunden gebührend zu feiern, war die Stimmung im Kaufleuten schon ausgelassen, noch bevor die Hauptband überhaupt auf der Bühne stand.

Und als es endlich soweit war und die Australier ihren Auftritt initiierten, war das Publikum innert Sekunden auf Tanzmodus eingestellt. Bunte Lichter blitzten, süffige Basslinien wogten durch den Raum und strahlende Gesichter soweit das Auge reichte.

Dieser noch sehr jungen Band zusehen und zuhören zu dürfen, brachte auch mich innerlich zum glühen. Auch wenn mich diese nostalgische Disco-Revival Masche auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum nicht restlos überzeugen kann, zuweilen gar anödet, ist dies live gesehen ein ganz anderes Paar Schuhe.

Ihr mehrstimmiger Gesang harmonierte perfekt. Das musikalische Handwerk beherrschten sie mit Leichtigkeit. Dazu mit einer derartigen Spielfreude vorgetragen, dass man gar nicht anders konnte, als mit ihnen zu wippen und zu singen. Ganz ohne dass Parcels ein übertriebenes Animationsprogramm abspulten, war man ihnen verfallen.

Und wer denkt, dass bei einer Band mit nur einem Album die Auftrittslänge eh automatisch kurz sein muss, der wird bei den Parcels eines Besseren belehrt. Lieder von ihrer ersten EP Hideout fanden genauso Anklang wie ein Paul McCartney-Cover. Zudem schürten sie die Tanzbarkeit ihrer Musik indem sie in ihre Songs kleinere Spielereien einbauten, verblendeten und extendierten wo angebracht.

Ein Konzert von dem ich mir gute Stimmung und Tanzekstase erwartet hatte und definitiv nicht enttäuscht wurde. Parcels ist eine junge Band, mit rasant wachsender Fanschar, die es grundsätzlich noch sehr weit bringen kann.