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Vergangenen Samstag lockte James Holden & the Animal Spirits zu seinem letztem Konzert in der Deutschscheiz dieses Jahr und wusste mit seinem unvergleichlichem Electro-Folk die Massen zu verführen. Wir waren an diesem psychedelischen Trip der Extraklasse. 

Der Britische DJ und Labelchef von «Border Community», James Holden, hat im vergangenen Jahr neue Grenzen ausgelotet und ein innovatives wie erfrischendes Projekt der Electro-Szene gestartet: Electro-Folk mit Live-Jazzband. Nach erfolgreichen wie eindrücklichen Konzerten, unter anderem auch an der Bad Bonn Kilbi, schaffte es Midilux, die gefragte Formation in die Reitschule zu holen.

Samstagnacht, kurz vor 1 Uhr morgens im Dachstock. Seit geraumer Zeit werden die ersten Tanzlustigen vor die Bühne gelockt. In grünlich-rotem Licht räkeln sich erste zu einladenden Beats von Muriel de Bros alias Princess P. Immer mehr Leute gesellen sich dazu, die diversen Instrumente auf der Bühne wecken immer mehr Neugier auf die folgende Band: James Holden & the Animal Spirits.

Each Moment Like The First

Dann ist es soweit: Inmitten dichter Rauch und Nebelschwaden betritt James Holden und seine Band The Animal Spirits kurz nach 1 Uhr die Bühne. Holden hockt sich in der Mitte der Bühne im Schneidersitz vor sein DJ-Equipment und schnappt sich ein Mikrofon. Unter seichten Synthiesounds setzt er zu orientalischem Gesang an und die Band unterlegt mehr und mehr einen idyllischen Klangteppich. Rasch wird einem bewusst, dass zu James Holden & the Animal Spirits viel mehr dazugehört als bloss Electro mit Jazzband.

The Animal Spirits

Dazu gehören Schlagzeuger Tom Page, Saxophonist Etienne Jaumet, Perkussionist Lascelle Gordon und Flötistin Liza Bec. Aufgenommen wurde das Album mit der Band unglaublicherweise in Einzeltakes und ohne Overdubs, mit der Idee, euphorischen Melodien und intensiven Improvisationen Platz zu machen. Das Ergebnis lässt sich sehen und hören: dynamisches Songwriting, abwechslungsreiche Einflüsse und ein unvergleichlicher Banddrive.

Musik, die sowie flüssig als auch lebendig scheint. James Holden folgt mit seiner Band dem Spielweisen des spirituellen Jazz der 70er Jahre und sieht es selbst als «something like a spiritual jazz band playing folk/trance music». Veröffentlicht wurde die Scheibe am 3. November 2017 und erhielt weltweit gute Kritiken.

Electro Trance Folk

Und ebendiese vierköpfige Band liefert mit Fingerspitzengefühl einfahrendes Klangmaterial um gewaltig schöne Soundlandschaften zu schaffen: Electro verschmilzt mit Folk, Jazz und World Music und gebärt ein süchtigmachendes und euphorisches Musikgerüst, welches sich in Form von Tanzlaune im Saal ausdrücken will. Träumerisch schliesst man die Augen und lässt sich zu diesem elektroakkustischen Trip entführen.

Tom Page wischt mit schnittiger Finesse über sein Schlagzeug und verleit den Electrobeats von Holden mehr Intesität, Flötin und Saxopophonist verpassen mit orientalischen Melodien den Songs einen World Music Touch, während der Perkussionist mit eingängigem Charme die Songs auschmückt. Untermalt wird das ganze mit einer Live-Lichtshow, die der Lichttechniker gerade auf der Bühne zusammenmischt. In der Mitte der Electro-Guru Holden, welcher sich im Schneidersitz ganz seinem Equipment hingibt.

The Neverending

Immer wieder verliert man sich dank der Musik in einem idyllischen Electro-Nirwana. Die Beats werden dynamisch, groovy und einfahrend von den vier Musikern begleitet. Die instrumentalen Songs scheinen ewig zu dauern und bauschen sich einerseits imposant in die Höhe und entwickeln dabei tiefgründiges Songstrukturen.

Die Kreation von Holden und seiner Band ist schwierig zu bezeichnen, man könnte es als spirituelle Reise ansehen, nur das Hier und endlose Jetzt zählt – die Musik frei wie befreiend. Herrlich abgespaced, ein  psychedelischer Trip der Extraklasse. Man kann sich nur wünschen, dass James Holden weiterhin Grenzen austestet und in diese Richtung weiterexperimentiert.