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Crimer hat einfach alles richtig gemacht – und damit am vergangenen Donnerstag im Zürcher Dynamo wohl einige weitere Anhänger dazu gewonnen.

Ein Abend der Underground-Superlative, mit dem Crimer sich nicht nur wegen der vorweihnachtlichen Stimmung in so manch neue Herzen spielte. Das Alternative-Music-Mekka Dynamo war geradewegs die absolut richtige Location dazu – trotz der anfänglichen Startschwierigkeiten.

Oops

Es ist schon krass, was mit einem fehlgegriffenen Auftreten an Energie und Klangcharimsa verloren gehen kann. So hat Len Sander als Vorwärmer für den Schweizer Helden des Abends leider nicht überzeugt. Zwischen dem «Gschnäder» der wohl etwas verwirrten Besucher konnte man zwar durchaus interessante Klänge mit Entführungspotential vermuten, jedoch vermochte Blanka Inauens Stimme allein nicht die Illusion einer schillernden Funkywelt rüberbringen, die diverse Vorberichte über die Zürcher Band versprachen.

Lediglich beim letzten Song erhielt man eine Ahnung davon, was die – hier auf zwei Köpfe reduzierte – Musikergruppe mit ihrem experimentellen urban Spacelounge-Sound so auf Lager hätte; wenn doch nur das Ambiente stimmte. Immerhin konnte das breit durchmischte Publikum die Tanzbeine doch schon etwas auf den nahenden Hauptact einstimmen.

Len Sander im Dynamo, Zürich.

Len Sanders sind anders. Bild: Francesco Tancredi.

Oldcomer par excellence

Unsere Vorschau hat in der tat nicht zu viel versprochen. Der sonorstimmige Crimer weiss schlicht ganz genau, was er auf der Bühne tut und wie er seine breites Auditorenspekturm in Bewegung versetzt. So startet der gebürtige Rheintaler seinen Auftritt sogleich mit seiner Hit-Single Follower – und wir alle folgen nur zu gern.

Alexander Frei variiert seine waveigen 80ies-Hommagen gerade so viel, dass man als Fan noch in der Lage ist, mitzusingen, aber dennoch den Live-Vibe absolut mitkriegt und Crimers Authentizität gesichert ist.

Licht stimmt, Sound stimmt – und exakt die richtige Portion Bass, die jedes Herz der unglaublich vielfältigen Hörerschaft tiefer schlagen lässt. Spätestens nach dem dritten Lied des Abends Sorrow hypen alle die musikalische Zeitmaschine in Rollkragenpullover und Anzug.

Geniesser

«Die Band geniesst das Konzert selber in vollen Zügen. Das reisst gleich noch mehr mit!»

Song um Song schaukelt «der Krumme-Dinge-Dreher-und-damit-Durchkommer» in Begleitung des «Diener des Liechtensteiner Fürsten» an der Gitarre und seines «Coiffeursüchtigen Synthezierman» das ausverkaufte Dynamo in ekstatische, farbige Tonträume, sodass man echt nicht mehr sagen kann, wohin der Sound denn nun passt. Ins Pop-Universum? In die Indie-Welt? Gothic-Wave-Szene? WGT-Material allemal! Aber was will Crimer?

Crimer will Party. Crimer will Bühnenreiten und Crimer will Altes und Neues vereinen. So crasht er zum Schluss auch seine eigene Party mit einem Revival des Cher-Songs Believe und schafft in seiner eigenen Manier eine Version, die passt und gefällt – und er auch selbst geniesst.

Smooth CrimERnal. Bild: Francesco Tancredi.

Bühnenparty

«Man hätte easy noch eine weitere Stunde zuhören, zusehen und mitfeiern können.»

Der Stimmkünstler aus Balgach hält, was er verspricht! Gleich zu Beginn hatte er eröffnet, dass er das Dynamo zum Zittern bringen werde. Gesagt, getan. Wer hätte gedacht, dass solch ein vermeintlicher Softsound so abgehen kann. Während sich die melodiösen Songs meist um Liebesmühen, Leidenschaften und Alltagsmelancholien drehen, verpasst man beim Hören des Albums Leave Me Baby beinahe, dass die Schweizer New/Oldcomer-Band enorm tanzbar ist. Wenngleich kaum einer die unikaten Tanzmoves so hinkriegt, wie Frei selbst. Da ist es beinahe schade, dass man – obwohl zur Musik passend – die drei Männer auf der Bühne gelegentlich in der Lichtflut untergehen.

«Mögeder no eine?»

Was für eine Frage, liebster Crimer! Klar, du hast einen weiteren Konzertsong gemeint. Aber wir wollen definitiv mehr! Es ist eben schon «khul», wenn wir «einen von uns» auf seinem Weg in den Sternen-Himmel begleiten und ihn mit unserem (wachsenden) Fangeist unterstützen können.  Weiter so, we won’t leave you!

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Bild: Francesco Tancredi.
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Bild: Francesco Tancredi.
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Bild: Francesco Tancredi.
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Bild: Francesco Tancredi.