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Musik von einer anderen Welt

Es sind einige Lenze ins Land gezogen, seit die Avantgardisten von Deine Lakaien das letzte Mal die Schweiz beehrt haben. Umso grösser war der Andrang bei ihrem Konzert vergangenen Mittwoch, als der Club X-Tra seine Tore öffnete. Den Besuchern wurde nicht zu viel versprochen. Sänger Veljanov und Multiinstrumentalist Horn entführten die Anwesenden in eine Musikkulisse, die nicht von dieser Welt zu sein schien.

 

Sänger Veljanov besticht durch eine starke Performance. Bild: Nicola Tröhler

Als Einleitung in den gehobenen, musikalischen Abend hatte das seit 1985 bestehende Duo Deine Lakaien die Musikerin Vic Anselmo mitgebracht. Die zierliche Sängerin setzte sich schlicht vor ihr Piano, wirkte geradezu schüchtern. «Good evening», hauchte sie bescheiden.

Doch ihre Stimme hinterliess einen bleibenden Eindruck. Facettenreich – von wuchtig und aggressiv, bis zu traurig und zerbrechlich – bestach ihre klare Stimme die Zuhörer. Jeden Ton traf sie, spielte gekonnt mit den Lagen und verstellte sogar ihre Stimme.

Nach einer knappen halben Stunde, verliess die Sängerin die Bühne wieder. Vic Anselmo war definitiv einer der guten Support-Acts. Leider liess die spartanische Version mit dem Piano und der Stimme nicht viel Raum für Abwechslung zu. Doch man konnte sich die Songs gut mit einigen Streichern vorstellen.

Während bei Vic Anselmo noch verhalten geklatscht, vereinzelt gejubelt wurde, wurde die Atmosphäre in Erwartung der Lakaien immer gespannter. Und als dann die ersehnten Musiker endlich die Bühne betraten, johlten, applaudierten und freuten sich die Menschen.

Mit ihren drei Gastmusikern präsentierten Veljanov und Horn nicht nur Songs von ihrem neuen Album Indicator, das letztes Jahr erschien, sondern gaben dem Publikum auch Leckerbissen aus ihrer langen Bandhistorie. Blue Heart, die Singleauskopplung Gone oder das treibende Immigrant begeisterten die Besucher gleichermassen wie die älteren Songs Fighting The Green, Over And Done oder Where You Are.

Veljanov blieb das ganze Konzert über gewohnt kühl, mit versteinerter Mimik. Doch manchmal war auch kurz ein Anflug eines Lächelns zu sehen. Nicht nur das Duo, sondern auch die Live-Musiker holten alles aus sich raus. Mit virtuosen Soli jagten sie das Publikum in apokalyptische Szenerien oder versetzten sie in romantische Momente.

Die Stimme vom charismatischen Frontmann mit mazedonischen Wurzeln schallte in nahezu perfekter Qualität durch den Saal. Der Auftritt von Deine Lakaien ist zwar nicht unbedingt etwas fürs Auge, dafür umso mehr fürs Gehör. Die Augen schliessen und sich in den fantastischen Melodiebögen der Deutschen verlieren – das geht auch ohne grosse Show.

Wie alt Deine Lakaien sind, erkannte man vor allem an den älteren Zuhörern. Nur wenige junge Gesichter konnte man an jenem Abend in Zürich erhaschen. Unter das mehrheitlich schwarzgewandete Publikum mischten sich aber auch andere Subkulturen oder einfach Musikbegeisterte. Ein deutliches Merkmal dafür, dass Deine Lakaien durchaus auch ausserhalb von Szenegrenzen Anklang finden.

Mit den Konzerten ging ein speziell schöner Musikabend vorbei. So schnell werden die Lakaien wohl nicht mehr in die Schweiz kommen. Für all jene, die nicht dabei sein konnten, sollte das Duo eindeutig einen Platz auf der To-Do-Liste bekommen.