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Kann man als Musikerin oder Musiker überhaupt noch Geld verdienen? Ja, sagt Musikpromoter Frank Lenggenhager. Aber es ist weder einfach, noch billig.

Es war nie einfach, mit Musik Geld zu verdienen. Davon gut zu leben ist nur wenigen gegönnt. Frank Lenggenhager gehört zu den profiliertesten Figuren im Schweizer Musikbusiness. Seit über zehn Jahren berät er mit seiner Agentur «Lautstark» Bands, Musikerinnen und Musiker, aber auch Labels und Veranstalter aus dem In- und Ausland.

Lenggenhager sieht die erste Problematik bei den Musikschaffenden selbst: «An der Musik hängen viele Träume und Wunschvorstellungen. Aber meistens haben die Musiker keine Ahnung vom Business.»

Schwindelerregende Zahlen

Musik sei in der Schweiz ein ausgedehntes, teures Hobby, meint Lenggenhager weiter. Wer allein zuhause auf der Gitarre klimpert, muss sich keine Sorgen machen. Will eine Band erfolgreich sein und Konzerte spielen, muss sich auf Ausgaben gefasst machen: Instrumente, Miete für einen Proberaum, Transport- und Übernachtungskosten. Dazu kommen Rechnungen vom Studio, allenfalls Produzenten und Gastmusikern. Ist das Album aufgenommen, fallen Vermarktungs- und Promo-Kosten an. Denn Lenggenhager und seine Berufskollegen arbeiten nicht für lau.

Eine mittelgrosse Band wie etwa Death by Chocolate investiere über die Jahre locker einen hohen fünfstelligen Betrag, schätzt Lenggenhager. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Major-Labels für den internationalen Aufbau einer Band rechnet: rund eine Million Franken lässt man sich das kosten. Das gilt jedoch nur für den deutschsprachigen Raum, also Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Teure Tour

Konzerte bleiben ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts. Wer nicht nur einzelne Gigs in der Schweiz spielen will, muss sich warm anziehen. «Für einen Tourtag in Deutschland rechnet man als Support-Act mit 500 bis 600 Franken», sagt Lenggenhager.

Frank Lenggenhager berät seit über zehn Jahren Musikerinnen und Musiker. Bild: Nicola Tröhler

Das sind Basispreise, nach oben schiessen die Kosten schnell: Benzin, Fahrzeugmiete, Unterkünfte an Tagen ohne Konzert, Verpflegung. Das ganze Personal kommt hinzu: Fahrer, Manager, Techniker. Ein exaktes Preisschild gibt es nicht, denn die Ausgaben variieren je nach Tour, Bandgrösse und Produktionsumfang.

Deshalb gibt es die Praxis, dass sich Bands für ihre Tour einen Support-Act angeln, der sich einkauft. «Es gibt wenig Freundschaftsdeals», führt Lenggenhager aus. «Die Nightliner-Busse kosten im Tag mit Fahrer und Benzin 2500 Franken oder mehr.» Für den Support-Act sei es wiederum eine Chance vor einem grossen Publikum aufzutreten und die Bekanntheit zu steigern.

«Hört auf, an Alben zu denken» 

Die Ausgaben, die auf eine Band zukommen, sind schwindelerregend. Oft geht der Cashflow aus der eigenen Tasche ins Bodenlose. Das Budget muss man im Griff haben und bereits bei den Kosten anfangen: «In der Schweiz geht es den Musikern sehr gut. Sie arbeiten nebenbei, verdienen gut. Deshalb wird viel Geld ausgegeben, oft sinnlos.». Lenggenhager zieht den Vergleich mit England: «Da befindet sich eine Band erst einige Jahre im Single-Status und gibt nur einzelne Songs heraus. Aber nur, wenn sie wirkliche Hits sind, die im Radio gespielt werden.»

In der Schweiz geht man zu schnell ins Studio und nimmt ein mittelmässiges Album auf. «Hört auf, an Alben zu denken. Es wartet niemand auf eine neue Band. Als Newcomer stehst du erst ganz hinten an.»

«Die Masse macht’s»

Und wie sieht es bei den Einnahmen aus? «Mit Konzerten lässt sich noch Geld verdienen.» Da lässt sich auch Merchandise wie Shirts absetzen.

Mit der Musik wird es schwieriger: Pro Stream auf Spotify erhalten Schweizer Künstler im Schnitt 0.18 Rappen. Auf YouTube erhält man einen Anteil der Werbeeinnahmen: 0.08 Rappen. «Vom Streaming profitieren in erster Linie die Labels. Die Majors haben in Spotify investiert. Auch Indie-Labels kommen gut davon, denn die Masse macht’s», analysiert Lenggenhager. Streaming lohne sich nur im ganz grossen Stil. «Verkauft man vier, fünf CDs hat man bereits mehr verdient als mit den Streaming-Einnahmen eines ganzen Jahres.»

An Downloads verdienten die Urheber noch deutlich mehr. Doch dieses Format ist bereits passé. Deshalb geschehen heute Anachronismen und Wunder: In Grossbritannien haben jüngst die Vinyl-Umsätze die Downloads überholt.

Eine Einstellungssache

«Ich sage immer, dass es jeder schaffen kann», sagt Lenggenhager. Doch das sei harte Arbeit. Oft berät Lenggenhager Bands, die sagen, sie seien sofort bereit, im Job zu reduzieren, wenn es abgehe. «Dann muss ich sagen ‹Losed Giele, ihr müsst jetzt reduzieren, damit es abgeht›.»

Ein Hindernis sei es auch, dass die Bands in der Schweiz meist demokratisch organisiert sind: «Band-Demokratie ist schlecht für die Kunst. Kompromisslösungen führen nicht zum Erfolg, sondern zu einer kreativen Verwässerung.» Lenggenhager schlägt vor, dass jeweils jemand die administrative Führung übernimmt, sein Arbeitspensum reduziert und die übrigen Bandmitglieder ihn finanziell unterstützen. Nur so könne man sich effizient im Musikbusiness behaupten.